Die Dünung der Karibik
Nürnberg - Barden-Finale: Club der Toten Dichter, australische Kürbisse, Garifuna und Gedanken zum Festival-Kollaps
"Ergebnisoffen“ waren nach Aussage von Charly Fischer die gestern angelaufenen Gespräche mit Sicherheitsexperten der Polizei. Der Organisator von Klassik Open Air und Bardentreffen (wo die Gesamtzahl von 250000 Besuchern eher ein gefühlter denn ein gezählter Wert ist) hat ein Luxus-Problem: Es strömen zu viele Menschen zur städtischen Nulltarif-Kultur. Nach dem Barden-Kollaps bei den Leningrad Cowboys und Biermösl Blosn war zum Finale freilich pure Entspannung angesagt.
Nicht nur was die Bewegungsfreiheit angeht, sondern auch musikalisch. Der Hauptmarkt etwa durfte abschließend ein Fußbad in karibischer Dünung nehmen. Mit einem musikalischen Nachruf, der ursprünglich als Weckruf für die verschüttete Garifuna-Kultur gedacht war. Deren Botschafter Andy Palacio war im Januar überraschend gestorben. Also geriet der Auftritt zum „Tribute“. Mit unverfälschten Frauenstimmen in Kolonial-Kluft und einem sanft massierenden Afro-Sound, der belegt, dass Multi-Kulti keine Erfindung des Neuzeit-Europäers ist.
Und auch das Klischee vom „entspannt und fröhlichen“ Australier wurde bestätigt: Totally Gourdgeous, die ihren Exotenstatus noch mit lustigen Hüten und laut Band „aus Kürbissen selbstgemachten Instrumenten“ unterstrich. Der (wieder einmal) proppevolle Sebalder Platz genoss die vier Musiker und ihren stimmigen Folk-Pop. Der, passend zum Fröhlichkeitsauftrag, unter anderem von Dingen wie der Liebe von und mit einer Spiele-Konsole handelt. Dazu beatboxen die vier virtuos und singen zusammen mit dem Publikum ein Liebeslied für einen Fahrradgepäckträger – vorwärts und rückwärts!
„Wer Sorgen hat, hat auch“ — „Likör“, wissen die Besucher der Katharinenruine im Chor. Der Club der Toten Dichter um „Keimzeit“-Sänger Norbert Leisegang sprechsingt Busch-Verse im flotten Balladenton. Ob Max und Moritz oder Ehestand — der solide Country-Rock wäscht alles gleich.
2009 will Charly Fischer „programmatisch gegensteuern“ am Hauptkampftag Samstag. Mit Künstlern, die weniger Party-Aura und Popularität vereinen wie die finnischen Cowboys. Der Sonntagabend erfüllt schon jetzt die Forderung vom Ende der Sardinenbüchse. daer/mm/GK
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