Die CSD-Saison beginnt - doch die Freude ist getrübt
Mit einem Christopher Street Day (CSD) in Hof startet an diesem Samstag (30. Mai) die Saison der Feiern, Aktionen und Demos in Bayern. 42 Veranstaltungen gibt es insgesamt bis Ende September im Freistaat - so viel wie aktuell in keinem anderen Bundesland, wie die Verantwortlichen mitteilten.
Eine gute Nachricht? "Während queere Communities in immer mehr Orten Sichtbarkeit schaffen, bleibt die Staatsregierung queerpolitisch weit hinter anderen Bundesländern zurück", kritisierte Markus Apel, Vorstandsmitglied des LSVD+ Verband Queere Vielfalt Bayern.
Noch kein Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit
Das Land verfüge bis heute über keinen Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit und investiere "weiterhin nicht ausreichend in queere Bildung, Gewaltprävention und Gesundheitsversorgung", sagte er weiter. Und: Die Sicherheitslage für queere Menschen verschärfe sich zunehmend.
Darauf hatten kürzlich auch die Grünen im Landtag hingewiesen. Demnach gab es im Vorjahr 181 Fälle von queerfeindlicher Hasskriminalität, wie aus einer Anfrage der Grünen hervorgeht. Das Dunkelfeld sei groß. Von den bekannten Straftaten entfielen 44 Prozent auf rechte Täter. Das sei ein erschreckend hoher Wert, teilte die Fraktion mit. Nach Angaben des bayerischen Landeskriminalamts lagen die Fallzahlen 2024 bei 176, im Jahr zuvor bei 190.
Der Grünen-Abgeordnete Florian Siekmann kritisierte, dass es den von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigten Aktionsplan Queer in Bayern noch nicht gebe: Der Plan dürfe "keinesfalls ein Papiertiger werden, sondern muss wirksame Strategien zum Schutz vor Diskriminierung und Gewalt entwickeln, damit Bayern für die queere Community endlich ein sicheres Zuhause wird".
Keine Regenbogenfahnen in Aschaffenburg
Derweil hat der neue Aschaffenburger OB Markus Schlemmer von der CSU entschieden, dass in diesem Jahr an öffentlichen Gebäuden der Stadt keine Regenbogenfahnen wehen. Schlemmer sagte: "Öffentliche Gebäude und zentrale Fahnenmasten stehen aus meiner Sicht in besonderer Weise für die Gesamtstadt und für alle Bürgerinnen und Bürger. Deshalb möchte ich die offizielle Beflaggungspraxis auf staatliche, städtische und besondere hoheitliche Anlässe konzentrieren."
Das bedeute "ausdrücklich" keine Distanz zur queeren Community. "Im Gegenteil: Ich möchte queeres Leben nicht als Ausnahme markieren, sondern als selbstverständlichen Teil unserer Stadtgesellschaft achten." Sichtbarkeit entstehe "für mich nicht allein durch Fahnen, sondern auch durch konkrete Präsenz im öffentlichen Raum, durch Veranstaltungen, Begegnung, klare Haltung und durch den Schutz vor Anfeindungen."
CSDs nicht nur in den Großstädten
Apel betonte, Christopher Street Days würden nicht nur in Großstädten, sondern inzwischen auch in kleineren Kommunen im ländlichen Raum organisiert. "Für viele queere Menschen vor Ort sind sie die einzige Möglichkeit im ganzen Jahr, überhaupt sichtbar zu sein, Gemeinschaft zu erleben und sich sicher mit anderen queeren Menschen vernetzen zu können."
Der Christopher Street Day im Hof findet zum dritten Mal statt. Es werde nicht nur eine "Demonstration für Vielfalt und Gleichberechtigung" geben, sondern auch ein Straßenfest in der Hofer Altstadt, teilten die Veranstalter mit. In München dürfte wieder der größte Christopher Street Day im Freistaat steigen - dieses Jahr am 27. Juni.
Der CSD erinnert an die Aufstände der queeren Community in der Christopher Street in New York City (USA) von 1969 und steht für die Sichtbarmachung und Gleichstellung queerer Menschen.
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