Haustiere bei Kälte: Was Katzen, Hunde und Kaninchen jetzt brauchen
Flauschige Pullis kehren aus den dunkelsten Ecken des Kleiderschranks zurück und dickere Jacken finden ihren Weg an den Kleiderhaken: Die Temperaturen fallen, der Winter naht. Wir Menschen wissen ganz gut, wie wir uns für die kalte Jahreszeit wappnen, aber was brauchen die Fellnasen in den eigenen vier Wänden oder die Tierchen, die durch unsere Gärten huschen? Die AZ hat Tierexperten gefragt, wie wir das Leben unserer kleinen Mitbewohner erleichtern können.
Katzen: Stubentiger, die sich nie nach draußen wagen, dürften bei einer gut geheizten Wohnung nicht frösteln. Aber die trockene Heizungsluft kann ihnen zu schaffen machen: "Trockene Haut mit Juckreiz, Bindehautentzündung oder sogar Atembeschwerden können die Folge sein", sagt Jutta Aurahs vom Bund der Katzenfreunde, einem Münchner Tierschutzverein. Wasserschalen oder aufgehängte Verdunster an der Heizung sind ihr zufolge ein Muss, ebenso wie regelmäßiges Stoßlüften.
Weil laut Aurahs auch Katzen in eine Art Winterdepression gleiten können, empfiehlt sie, diese mit neuem Spielzeug zu beschäftigen, gemeinsam zu kuscheln und Neugier zu wecken, indem Gegenstände herumstehen, die sonst nie da sind, wie etwa ein leerer Karton.
Diät für Katzen im Winter verboten
Freigänger-Katzen haben im Winter einen wesentlich höheren Energiebedarf als im Sommer, um ihre Körpertemperatur halten zu können. "Sie benötigen also mehr und hochwertiges Futter", sagt Aurahs. Das Ziel: vor der Kälte schützenden Winterspeck anfüttern. "Bis zum Frühjahr ist jede Diät abgesagt!", rät die Katzenexpertin eindringlich.

Eine Ausgangssperre braucht es im Winter nicht, selbst wenn die Temperaturen unter null Grad fallen. Es gibt laut Aurahs jedoch Ausnahmen: Katzenwelpen, Katzen mit sehr wenig Unterwolle im Fell sowie kranke und alte Katzen. Kommt eine Katze in die Wohnung, sollte sie bei Nässe mit einem Frottee-Handtuch trocken gerieben und die Pfotenballen sollten wegen des Streusalzes mit lauwarmem Wasser abgespült werden. Wenn die eigene Katze es duldet, kann es laut Aurahs sinnvoll sein, die Ballen vor dem Ausgang mit Vaseline oder Balsam einzureiben.
Wer keine Katzenklappe hat, sollte seiner Katze einen Unterschlupf auf der Terrasse oder im Garten einrichten. "Das kann eine Katzenklappe in einem wetterfesten Schuppen oder eine Hundehütte oder eine Holzkiste sein", empfiehlt Aurahs.
Hund muss auch im Winter in Bewegung bleiben
Hunde: Gassigehen können die Vierbeiner auch im Winter genießen, aber: "Bei großer Kälte, eisigem Wind oder nasskaltem Wetter kann es dagegen sinnvoll sein, die Gassirunden zu verkürzen und dafür häufiger rauszugehen", empfiehlt Kristina Berchtold vom Münchner Tierschutzverein. "Wichtig ist, dass der Hund möglichst in Bewegung bleibt und nicht längere Zeit auf kaltem Untergrund sitzen oder liegen muss."

Demnach sollte ein Hund nach einem Spaziergang bei Schnee oder Regen gründlich abgetrocknet werden. Es empfiehlt sich zudem, die Pfoten mit lauwarmem Wasser von Salz- und Schmutzrückständen zu befreien – und von vornherein wenig gestreute Wege zu wählen.
Was laut Berchtold vermieden werden muss: Hunde auf Eisflächen laufen und sie größere Mengen Schnee fressen zu lassen, da dies zu Magen-Darm-Beschwerden führen kann.
Kaninchen brauchen eine Schutzhütte
Kaninchen: Damit Kaninchen draußen überwintern dürfen, müssen sie laut der oberbayerischen Tierärztin Viola Schillinger (Landsberg am Lech) fit sein. Sie empfiehlt auf ihrer Ratgeber-Webseite "Kaninchenwiese" ein mardersicheres Gehege mit mindestens sechs Quadratmetern unverstellter Fläche für zwei Kaninchen. "Zusätzlich ist tagsüber freier Gartenauslauf oder Freilauf in einem umzäunten Gebiet empfehlenswert, so bleiben alle Kaninchen fit und aktiv", heißt es.

Wichtig ist zudem eine Hütte, in der die Kaninchen vor Wind, Regen, Zugluft und Schnee geschützt sind. Der Stall sollte klein sein, aber trotzdem genügend Platz zum Liegen, Fressen, Trinken und Schlafen bieten. Damit es warm bleibt, empfiehlt Schillinger, den Kaninchenstall auf eine Holzplatte zu stellen, die wiederum auf Styropor steht. "Bei Frost sollte viel Heu und Stroh eingestreut werden, sodass es die Kaninchen kuschelig haben."
Gesunde Igel "in Ruhe lassen"
Igel: Martina Gehret, Igelexpertin beim Bund Naturschutz in Bayern, sagt: "Einen gesunden und munteren Igel sollte man grundsätzlich in Ruhe lassen. Es gibt aber klare Anzeichen dafür, dass ein Igel Hilfe braucht." Ein solches Warnsignal: ein Igel, der am helllichten Tag unterwegs ist. In solchen Fällen sollte das dämmerungs- und nachtaktive Tier genauer beobachtet werden, ob es schwach wirkt, verletzt ist oder eingefallene Flanken hat. Gehret empfiehlt: "Das Tier am besten mit Handschuhen vorsichtig in einen Karton setzen, warm halten und eine igelerfahrene Pflegestelle oder Tierarztpraxis kontaktieren."

Wer gesunde Igel im Winter unter die Arme greifen möchte, kann ihnen Futter anbieten. Am besten ist laut Gehret hochwertiges Katzen-Nassfutter mit hohem Fleischanteil. Ergänzend schmeckt auch gegartes Ei, gekochtes Geflügel oder angebratenes, ungewürztes Hackfleisch. Obacht: Milch, Brot, Obst, Gemüse, Nüsse und gewürzte Speisen gehören dagegen nicht auf den Speiseplan. Damit auch wirklich nur ein Igel von dem Futter naschen kann, eignet sich eine Futterkiste mit einem Eingang von zehn bis 13 Zentimetern Durchmesser.
Besser als jede Futterhilfe ist aber ein Garten mit Laub- und Reisighaufen, Hecken, Gebüschen, Totholz und wilden Ecken.
Futtersäulen, aber keine Plastiknetze für Vögel
Vögel: Für Allesfresser wie Meisen sind laut dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV) die bekannten Meisenknödel oder -ringe eine Hilfe. Aber: Plastiknetze sollte man vermeiden, weil sich kleine Vögel darin verfangen können. "Weichfutterfressern mit langem, spitzem Schnabel, wie Amsel, Rotkehlchen oder Heckenbraunelle, erleichtert man die Nahrungssuche mit geölten Haferflocken, Obststücken, Rosinen oder getrockneten Wildbeeren", teilt der LBV mit.

Zum Fressen eignet sich eine Futtersäule, in der das Futter nachrutschen kann, ohne feucht oder verunreinigt zu werden, besonders gut. Zum Trinken empfiehlt der LBV eine Vogeltränke, die täglich mit frischem Wasser befüllt sowie mit einer Grabkerze darunter erwärmt wird. Solche Futterstellen können zwar helfen, aber: Sie ersetzen keinen naturnahen Garten oder Balkon mit heimischen Pflanzen.
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