Kommentar

Flughafen München: Ein einziger Busfahrer hätte die Blamage verhindert

600 Passagiere mussten am Münchner Flughafen die Nacht in Flugzeugen verbringen – und die Verantwortlichen konnten am Freitag nicht einmal erklären, wie es dazu kam. Schon ein einziger Busfahrer hätte die Blamage abwenden können. Ein Kommentar von AZ-Korrespondent Ralf Müller.
Ralf Müller |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
13  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen
Es ist zu chaotischen Szenen am Münchner Flughafen (Archivbild) gekommen.
Es ist zu chaotischen Szenen am Münchner Flughafen (Archivbild) gekommen. © Sven Hoppe/dpa/dpa-tmn

Sie erschienen zwar in Anzug und Krawatte, aber im übertragenen Sinn gingen die für die Flugorganisation und die Lufthansa am Münchner Flughafen zuständigen Manager in Sack und Asche, als sie am Freitag versuchten, das Übernachtungs-Desaster vom 20. Februar zu erklären.

Wohlgemerkt: versuchten. Denn es leuchtete auch nach den wortreichen Schilderungen der Umstände und Versäumnisse immer noch nicht ein, wie es dazu kommen konnte, dass 600 Menschen in Flugzeugen auf dem zweitgrößten deutschen und mit vielen Auszeichnungen überschütteten Airport übernachten mussten. Eine oder mehrere Personen, die eventuell versagt haben könnten, wurden nicht identifiziert.

Wo war der gesunde Menschenverstand?

37.000 Menschen sind am Münchner Flughafen beschäftigt. Auch wenn es zu nächtlicher Stunde nur noch wenige gewesen sein sollten, so hätte doch irgendjemandem auffallen müssen, dass es nicht in Ordnung ist, 600 Menschen über Nacht in Flugzeugen übernachten zu lassen. Offensichtlich waren die Zuständigkeits-Scheuklappen stärker als der gesunde Menschenverstand.

Dass auch die offenbar von Fluggästen informierte Bundespolizei keinen Anlass zum Tätigwerden sah, wirft weitere Fragen auf. Schon ein einziger Busfahrer hätte die Blamage abwenden können, natürlich auch Busse der Feuerwehr, der Bereitschaftspolizei oder der Rettungsdienste. Es ist auch zu hinterfragen, ob ein Nachtflugverbot so in Stein gemeißelt sein muss, dass es derartige Folgen zeitigt.

Es bleibt festzuhalten: Mitgedacht hat in dieser Nacht offenbar niemand. Wo die natürliche Intelligenz versagt, müssen Vorschriften her. So wird das auch in München sein. Der von Berlin nach dem Tag-der-Einheit-Desaster nach München abgeworbene Krisen-Manager Thomas Hoff Andersson dürfte sich seine Tätigkeit im angeblich wohlgeordneten München wohl auch anders vorgestellt.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
  • tutnixzursache vor einer Minute / Bewertung:

    richtig: um den Flugverkehr, nicht um den Bodenbetrieb. Merkst du was?

    Antworten lädt ... Kommentar melden
  • tutnixzursache vor 31 Minuten / Bewertung:

    Der Kommentar geht (populistisch) am eigentlichen Thema vorbei. Hier werden Leute, die um diese Zeit zum Großteil gegen den Schnee kämpften, ihre tatsächliche Arbeit verrichteten als hirn- und planlos beleidigt. Nein, die Flughafen-Feuerwehr hat keine Busse. Und nein, weder Feuerwehr, noch Polizei kann einfach mit den Fahrzeugen der Bodenabfertiger fahren. Und weshalb sollten Feuerwehr oder Polizei auf nicht abgesetzte Hilfsanfragen „reagieren“?
    Das Problem „stinkt vom Kopf“. Offensichtlich gab es vom Flughafen keinerlei koordinierte Rufketten, in die auch die unterschiedlichen Firmen und Dienste zwingend eingebunden sind. Keine Stelle, die rund um die Uhr, das ganze Jahr besetzt ist und befugt ist, je nach Ernstfall, Störung oder Notfall entsprechende Ketten zu alarmieren und Personal in Rufbereitschaft anzufordern. Das ist das wirklich mehr als peinliche Problem. Nicht die Menschen, die in dieser Nacht ihre Arbeit getan haben.

    Antworten lädt ... Kommentar melden
  • FRUSTI13 vor 16 Minuten / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von tutnixzursache

    Niemand macht die normal arbeitenden Menschen vom Flughafen verantwortlich! Natürlich ist das ein Problem des Flughafenmanagements, dass es für solche Situationen einen Notfallplan offensichtlich nicht gibt und Zuständigkeiten nicht klar geregelt sind!
    Und es ist nicht richtig, dass die Feuerwehr nicht über eigene Busse verfügt! Die Feuerwehr hat eigene Busse, Sie wurden halt nur nicht angefordert!

    Antworten lädt ... Kommentar melden
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.