Der Witwer des Flugschau-Opfers: „Alles ging so schnell!“

Einen Tag nach dem Unglück in Lauf-Lillinghof fand der Laufer Stadtrat die Kraft, einige Worte mit der AZ am Telefon zu sprechen. Der Mann versucht noch zu verstehen, was passiert ist
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Rund 3000 Besucher befanden sich auf dem Gelände, als der Doppeldecker in die Menschenmenge raste. Viele versuchten sofort, den Verletzten zu helfen.
dpa Rund 3000 Besucher befanden sich auf dem Gelände, als der Doppeldecker in die Menschenmenge raste. Viele versuchten sofort, den Verletzten zu helfen.

Einen Tag nach dem Unglück in Lauf-Lillinghof fand der Laufer Stadtrat die Kraft, einige Worte mit der AZ am Telefon zu sprechen. Der Mann versucht noch zu verstehen, was passiert ist

LAUF Seine Stimme klingt brüchig, als er den Hörer abnimmt. Das Reden fällt dem Laufer Stadtrat hörbar schwer. Doch er will trotzdem Antworten geben. Auch wenn er selbst noch nicht wirklich verstehen kann, was passiert ist. „Nur langsam“, so gibt Dr. Martin S. leise Auskunft, „begreife ich.“ Martin S. wirkt abwesend. Als wäre sein Inneres meilenweit weg...

Das Unfassbare begreifen – wie schwer muss das sein? Über 20 Jahre waren der Allgemeinmediziner und seine Frau (46) verheiratet. Der Flugtag in Lillinghof war seit Jahren ein fester Termin im gemeinsamen Kalender. Doch dieser Sonntag endete völlig unerwartet in einer Katastrophe. Martin S. musste hilflos mitansehen, wie seine geliebte Frau direkt vor seinen Augen aus dem Leben gerissen wurde!

„In mir ist alles ganz leer“

Der Witwer erinnert sich an die schrecklichen Sekunden: „Ich saß direkt neben ihr. Wir haben einfach zugesehen, wie die Flugzeuge starten.“ Zwei Oldtimer-Maschinen hatten sich bereits zum angekündigten Formationsflug in die Luft erhoben. Der dritte Doppeldecker war schon fast vom Boden – da brach er plötzlich aus und raste auf die Zuschauer zu. Zeit zu reagieren, blieb nicht. „Es ging alles so schnell. Wir konnten nicht mehr weg.“ Martin S. stockt kurz. „Wir haben doch nicht erwartet, dass etwas Schlimmes passiert.“

Hildegard S. wurde vom Propeller der Maschine erfasst. Für sie kam jede Hilfe zu spät. Die 46-Jährige war sofort tot. Wie durch ein Wunder überstand Martin S. den Zusammenprall, zumindest körperlich, unversehrt. Was dann geschah, daran erinnert er sich kaum mehr. „In mir ist alles ganz leer“, sagte er noch. Dann legte er auf. Hildegard S. hinterlässt außerdem einen 19-jährigen Sohn.

Bei dem Unglück wurden über 30 Personen verletzt. Fünf davon schwer. 16 Verletzte kamen ins Krankenhaus. Darunter auch die Ehefrau des stellvertretenden Bürgermeisters in Lauf, Manfred Scheld. Sie erlitt einen Oberschenkelbruch.

M. Pfefferer

Der Krisendienst Mittelfranken hat eine Hotline eingerichtet für Besucher des Flugtags, die noch unter den Eindrücken des Erlebten leiden: Tel.091142/ 48550. Die Polizei bittet außerdem Personen, die den Unfall womöglich fotografiert oder sogar gefilmt haben, unbedingt den Kriminaldauerdienst Mittelfranken zu kontaktieren. Die Nummer: Tel.0911/2112-3333

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