Der Rückbau von Isar und die Frage: Was kommt danach?

Das Atomkraftwerk Isar mit seinen Blöcken 1 und 2 befindet sich im Rückbau. Mit dem Abschluss will der Betreiber ein neues Kapitel aufschlagen. Dabei könnte Kernfusion eine Rolle spielen.
von  dpa
Das stillgelegte Kernkraftwerk Isar 2 nahe Landshut befindet sich seit 2023 im Rückbau. (Archivbild)
Das stillgelegte Kernkraftwerk Isar 2 nahe Landshut befindet sich seit 2023 im Rückbau. (Archivbild) © Peter Kneffel/dpa

Der Rückbau des Kernkraftwerkes Isar in Niederbayern soll wie geplant im Frühjahr 2040 abgeschlossen sein. Standortleiter Carsten Müller gab bei einer Infoveranstaltung in Essenbach Einblick in die Arbeiten im Inneren der Blöcke 1 und 2. Derweil plant der Betreiber PreussenElektra bereits für die Zukunft. Zu den Optionen gehören laut Geschäftsführer Guido Knott Batteriespeicher, Rechenzentren oder das Thema Kernfusion.

Block 2 des Kraftwerks Isar ist im April 2023 im Zuge des deutschen Atomausstiegs abgeschaltet worden. Im März 2024 erteilte das Umweltministerium die Rückbaugenehmigung. Bis dahin hatten vorbereitende Maßnahmen stattgefunden, so waren etwa die Brennstäbe aus dem Reaktordruckbehälter entnommen und in das Brennelemente-Lagerbecken eingestellt worden. Der Rückbau läuft nun seit zweieinhalb Jahren.

Zweite Rückbaugenehmigung erteilt

Seit Donnerstag liege auch die zweite - und letzte - noch erforderliche Rückbaugenehmigung für Isar 2 vor, berichtete Müller. Diese umfasse insbesondere den Abbau des Reaktordruckbehälters sowie des ihn umgebenden biologischen Schildes. Aktuell würden in Block 2 die Einbauten im Reaktordruckbehälter zerlegt und die Demontage der Dampferzeuger vorbereitet. 

In Block Isar 1 - der bereits 2011 vom Netz gegangen ist und sich seit 2017 im Rückbau befindet - laufe die Demontage des Lager- und Abstellbeckens. Zudem rücke mit dem baldigen Abschluss der Arbeiten am biologischen Schild und dem Sicherheitsbehälter die Gebäudedekontamination näher, erläuterte Müller. Sobald diese erfolgt ist, könne der konventionelle Abbruch beginnen.

Perspektiven für Mitarbeiter schaffen

PreussenElektra-Chef Knott, der zum Jahresende in den Ruhestand geht, sieht eine der Herausforderungen in der Frage nach Personal. Die Belegschaft sei im Schnitt 50 Jahre alt. In einigen Jahre werde das Unternehmen zu wenige Fachkräfte haben, um die Rückbautätigkeiten leisten zu können. Zudem werde sich das Tätigkeitsfeld wandeln. Gerade für jüngere Mitarbeiter sollen mit neuen Nutzungsmöglichkeiten nach dem Rückbau Perspektiven geschaffen werden.

Denn, so sagte Knott: "Wir schließen nicht einfach ein Kapitel, sondern schlagen ein neues auf." Erste Schritte für eine Zukunft nach dem Atomzeitalter sind bereits getätigt: Auf dem Gelände neben dem Kraftwerk Isar hätten vor kurzem vorbereitende Arbeiten für den Batteriespeicher FlexIsar von PreussenElektra und Bayernwerk Natur begonnen. Die Anlage werde über eine Leistung von 52 Megawatt und eine Speicherkapazität von 121 Megawattstunden verfügen und soll Ende 2027 in Betrieb genommen werden.

Das Münchner Investment-Unternehmens Advisum plant unabhängig davon in Essenbachs Nachbargemeinde Niederaichbach auf einer Fläche von fünf Hektar den Bau eines Rechenzentrums mit 100 Megawatt und eines Batteriespeichers mit 900 Megawatt Leistung.

Vision Kernfusion

Aus Sicht von Knott könnte auch Kernfusion am Standort Isar künftig eine Rolle spielen. Er warf ein KI-generiertes Bild an die Wand, wie ein Fusionscampus am Standort aussehen könnte. Physiker Cyril Stephanos von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften stellte in einem Vortrag heraus, dass Deutschland im Bereich der Kernfusion mit seinen Forschungsinstituten, Fusionsunternehmen und seiner Industrie durchaus eine führende Rolle einnehmen könnte. Mit einem ersten Prototyp eines Fusionskraftwerks werde aber wohl nicht vor dem Jahr 2045 zu rechnen sein.

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