Der Porsche-Sammler vom Ammersee: Wie der Münchner Michael Schnabl Mode gegen Luxuswagen tauschte
Der Geruch von Öl und die kalte Luft einer Tiefgarage. Dazwischen luxuriöse Sportwagen, die das Herz eines jeden Autoliebhabers höherschlagen lassen. Das Beste: Hier darf man nicht nur schauen, sondern auch kaufen. Freilich nur, wenn man das nötige Kleingeld mitbringt.
Fast ein bisschen versteckt in Utting am Ammersee bietet der Münchner Michael Schnabl auf 800 Quadratmetern verschiedene Porsche-Modelle in fast neuwertigem Zustand an. Sein Fokuspunkt: der ikonische Porsche 911. Der AZ erzählt er beim Besuch in den heiligen Motorhallen, wie er dazu kam und was ihn an den Luxus-Sportautos so begeistert.
Vom Codello-Erben zum Porschehändler
Die Faszination für Autos kann sich der 50-Jährige selbst nicht ganz erklären. Es fing schon früh an. Als Jugendlicher, aus der S-Bahn heraus immer Auto-Fotos schießend, merkte Schnabl: Das packt ihn. Mit Anfang 20 kaufte er sich dann seinen ersten Porsche: einen 1967er 911 mit zwei Litern Hubraum. Neu war das Fahrzeug natürlich nicht und wurde zusammen mit einem Bekannten restauriert. "Das ist das Tolle. Die Technik von den Fahrzeugen ist nämlich fast unkaputtbar und extrem zuverlässig", sagt Schnabl. Nach dem ersten Traumwagen folgten noch zwei weitere: zuerst ein 1970er 911 2,2 und ein 1970er 911 2,4 S – das "S", für alle Nicht-Autokenner, steht für Sportmodell.
Das Hobby des Porsche-Fahrens blieb aber erst einmal nur das. Die Liebe zum Design liegt Schnabl im Blut: Der Münchner übernahm in jungen Jahren das Familienunternehmen Codello, eine Modemarke, von seinem Vater. Etwas Erfahrung besaß der damals 20-Jährige zwar schon, größtenteils ging er allerdings naiv in das Modegeschäft. Als Geschäftsleiter hatte Michael Schnabl zwar beruflich nicht viel mit den Sportautos zu tun, konnte sich aber "immer ein oder zwei Fahrzeuge leisten". Als das Unternehmen 2017 verkauft wurde, war das die Chance für den Autoliebhaber, sich selbstständig zu machen.

Von den Angeboten Codellos inspiriert – hauptsächlich Accessoires aus teuren Materialien –, bewegte sich Schnabl bereits in Richtung qualitativ hochwertigerer Produkte. Ein Freund aus seinem Umfeld brachte ihn schließlich in den Porschehandel. Bei einem privaten An- und Verkauf sprang der Funke für den 50-Jährigen endgültig über.
"So ein Auto kaufst du nicht, weil du musst, sondern weil du darfst"
Durch Zufall fand sich auch der perfekte Ort: eine knapp 800 Quadratmeter große Halle. Groß genug für verschiedene Fahrzeuge und versteckt genug, um nicht ganz Utting bei sich zu haben. Trotz all dem sieht er sich selbst nicht als "klassischen" Händler: "Ein Händler ist so ein Duktus oder ein Makler. Man will am liebsten, dass das Auto von einer Hand zur nächsten geht und dass man den Vorbesitzer mit seiner Geschichte kennt."
Den meisten Spaß am Geschäft bereitet Schnabl wohl das Suchen und Verkaufen der Fahrzeuge. Gerade Letzteres sei etwas Außergewöhnliches: "Die spannendsten Käufer sind die, die sich mir anvertrauen und ihren ersten Oldtimer kriegen. Für die ist das was Einmaliges und ich darf sie dabei begleiten. Das ist schon was Besonderes." Trotzdem macht Schnabl beim Verkaufen der Fahrzeuge keinen Druck. Lieber den Kunden, wie eine Autokupplung, kommen lassen. "So ein Auto kaufst du nicht, weil du musst, sondern weil du darfst", sagt der Münchner zu seiner Philosophie.
Preise zwischen 100.000 Euro und einer halben Million
Und kannst, sollte man vielleicht noch hinzufügen: So hat Schnabl auch schon mal einen seltenen Porsche 911 2.7 Carrera RS in Blutorange verkauft. Wert: etwa 650.000 Euro. Die Preisspanne für die meisten der Luxuswagen reicht laut Webseite von knapp 100.000 Euro bis knapp 500.000 Euro, die meisten rangieren in einem Rahmen von 200.000.

Bei der Qualität seiner Autos geht Schnabl keine Kompromisse ein: wenige Kilometer, kein Unfall, erster Lack, Originalzustand und volle Historie. Mit so einem hohen Standard kommt natürlich auch ein gewisser Ruf in der Porsche-Community. Die meisten Märkte sind schließlich nicht öffentlich zugänglich und vieles läuft über "Mund-zu-Mund-Propaganda".
"Ein Auto, an das man nicht mehr aufhört zu denken"
Motorlegenden ist nicht nur innerhalb Deutschlands bekannt: Laut dem 50-Jährigen kommt ungefähr ein Drittel seiner Kundschaft aus der Bundesrepublik, ein Drittel aus dem umliegenden Europa und der Rest aus Übersee. Lange Kundenbeziehungen gibt es in die USA, Japan, Kanada, aber auch nach Mexiko, Venezuela, Singapur und Malaysia wurden schon Fahrzeuge geliefert. Schnabl übernimmt dabei den Transport und die Verzollung.
Dem angehenden Porsche-Käufer rät Schnabl, sich erst einmal zu fragen: "Was ist denn eigentlich wirklich mein Wunschauto?" Im Idealfall soll der erste Porsche schließlich ein Auto sein, "an das man nicht mehr aufhört zu denken und das man jeden Tag bewegen will. Am liebsten mit guten Leuten zusammen".
Neue Abteilung für Aufbereitung
Lokal tut sich für Michael Schnabl auch etwas. Eine Schwierigkeit für den 50-Jährigen war es immer wieder, die richtige Person für die Aufbereitung seiner hochwertigen Fahrzeuge zu finden. Aus dieser Not machte er eine Tugend und der Münchner gründete Detailhelden. Diese Abteilung von Motorlegenden befasst sich seither komplett mit der Aufbereitung hochwertiger Oldtimer und Sportwagen. Und Schnabl hat noch ein bisserl mehr Raum für seine große Leidenschaft.
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