Der Knochenbrecher-Winter: Hochbetrieb in den Kliniken

Wegen der vielen Notfälle müssen derzeit sogar lange geplante Operationen verschoben werden. Die Wetteropfer hatten in den Ambulanzen Wartezeiten von über drei Stunden zu überstehen!
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Die Wetteropfer Lars Brinkmann (Knöchelbruch) und Roland Bimüller (Rippenbruch) in der Erler-Klinik.
bayernpress.com Die Wetteropfer Lars Brinkmann (Knöchelbruch) und Roland Bimüller (Rippenbruch) in der Erler-Klinik.

Wegen der vielen Notfälle müssen derzeit sogar lange geplante Operationen verschoben werden. Die Wetteropfer hatten in den Ambulanzen Wartezeiten von über drei Stunden zu überstehen!

NÜRNBERG Dem Winter ein Schnippchen schlagen und sich am Strand in der Sonne aalen – darauf hatte sich Roland Bimüller gefreut. Doch daraus wird nichts, der Gran Canaria-Urlaub ist gecancelt: Der 50-Jährige war auf einer Schneeschicht an der Kellertreppe ausgerutscht – mehrere Rippen sind gebrochen, sein Rücken ist ein einziger blauer Fleck. Jetzt liegt er in der Nürnberger Erlerklinik. Dort werden gerade die Betten knapp. Denn Tief „Petra“ lässt die Nürnberger reihenweise straucheln und stürzen. Teilweise mussten sogar seit langem geplante Operationen wegen der vielen Wetter-Opfer verschoben werden.

„Wir haben so viele Notfallpatienten, dass wir uns bei der Rettungsleitstelle abmelden mussten“, schildert Kerstin Standfest, Sprecherin der Erler Klinik den dramatischen Zustand, „im Moment sind nur noch ein bis zwei Zimmer frei.“

Die Patienten – von Kleinkindern bis zur 74-jährigen Oma – in der Ambulanz mussten gestern viel Geduld haben: Wartezeiten von über drei Stunden. „Die häufigsten Folgen der Stürze waren bei uns Sprunggelenksfrakturen, Rippen- und Oberarmbrüche“, erklärt Kerstin Standfest.

Über doppelt so viele Anrufe als an einem normalen Tag

Auch im Nürnberger Süd-Klinikum arbeiteten die Ärzte im Akkord: über 30 Männer und Frauen wurden mit Oberschenkelhals-, Becken- oder komplizierten Unterarmbrüchen eingeliefert.

In der Erlanger Uni-Klinik wurde ebenfalls am laufenden Band operiert. Zehnmal so viele Patienten wie sonst! „Wir haben vor allem gebrochene Handgelenke – der klassische Glatteisbruch, weil die Leute versuchen, sich abzustützen“, erklärt Klinikums-Sprecherin Barbara Mestel. 80 Prozent der Patienten musste stationär aufgenommen werden, der Rest durfte wieder heim.

Bei der Integrierten Rettungsleitstelle gingen bis gestern Nachmittag doppelt so viele Anrufe mit Unfällen von gestürzten Personen ein wie sonst an einem ganzen Tag. Fälle wie der von Lars Brinkmann waren da gar nicht dabei: Er rutschte auf dem Weg in die Arbeit auf einer Eisplatte aus, brach sich den Außenknöchel und riss sich die Bänder. „Ich bin noch ins Büro gelaufen. Erst später hat mich ein Kollege ins Krankenhaus gebracht.“ Er wurde sofort operiert. Jetzt darf er sechs Wochen lang den Fuß nicht belasten. Auf Krücken sollte er bei dem Wetter auf jeden Fall daheim bleiben.

Andrea Uhrig

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