Den Drachen beim Schwanz packen

Die BBK-Debütanten Meike Lohmann und Jürgen Weiß im Nürnberger Kunsthaus
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Meisterschüler mit Faible für Realismus: Die Nürnberger Maler Meike Lohmann...
Klaus Schillinger 2 Meisterschüler mit Faible für Realismus: Die Nürnberger Maler Meike Lohmann...
...und Jürgen Weiß in ihrer Kunsthaus-Ausstellung.
Klaus Schillinger 2 ...und Jürgen Weiß in ihrer Kunsthaus-Ausstellung.

NÜRNBERG - Die BBK-Debütanten Meike Lohmann und Jürgen Weiß im Nürnberger Kunsthaus

Wer heute realistisch malt, sollte schon was zu sagen haben. Das gilt auch für Neueinsteiger: Gerade zeigen zwei „Debütanten“ im Kunsthaus, was sie können und wollen — und was nicht. In diesem Jahr wählte die Jury des Bundesverbands Bildender Künstler (BBK) Meike Lohmann (29) und Jürgen Weiß (34) aus, die nun ihre erste Einzelausstellung inklusive Katalog präsentieren. Beide sind Akademie-Abgänger und Meisterschüler (die eine bei Angermann, der andere bei Fleck), beide besitzen ein Atelier auf AEG, beide malen gegenständlich.

Ihre Differenzen stecken im Detail. Auf rauen, pulsierenden Landschaftsbühnen mit Tropfnasen drapiert Meike Lohmann ihre scharf konturierten Gebäude, im Sprung ertappten Windhunde und wie erstarrt wirkenden Personen. Traumverloren wirken Lohmanns Szenen, angeregt von alten Filmen und Fotos. Etwa die zwei Frauen und der Mann mit Hund, die neben ihrem Auto stehen. Haben sie gerade eine Leiche verbuddelt? Machen sie einen Sonntagsausflug? Hinter Lohmanns Bildfassaden, die sie mit später abgeschliffenen Kasein- und Ölfarben malt, lauern Abgründe.

Weit kräftiger, farbiger wirken Weiß’ Öl-, Tempera-, Acryl- und Aquarellbilder. Auch präziser: Mit Detailfreude setzt er Nürnberger Vorort-Unorte neu zusammen, schrammt aber mit seinen menschenleeren Ecken in Gostenhof und Muggenhof nur knapp an der Postkartenidylle vorbei. Von schockierender Naivität aber sind seine Tafelbilder mit religiösen, ins Heute übertragenen Szenen. Wenn ein nackter Georg den Drachen beim Schwanz packt, ein Noah-Nachkomme kraftmeiernd vor der Arche posiert und Jesus am Kreuz zum „Glückskind“ stilisiert wird, hat Weiß weder Religiöses noch Politisches im Sinn und weist Ironie weit von sich. Stattdessen feiert er seine Visionen und seine Technik um ihrer selbst Willen — Kitsch lässt grüßen. Georg Kasch

Kunsthaus (Königstr. 93): bis 20. Dezember, tägl. 11-19 Uhr

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