Das sind die Stärken und Schwächen der zwei Olympia-Bewerber

München gegen Köln-Rhein-Ruhr - das Rennen um den deutschen Kandidaten für eine Olympia-Bewerbung für 2036, 2040 oder 2044 ist nur noch ein Duell. München gilt vor der Entscheidung heute (ab 13.45 Uhr/ARD) bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) im Kurhaus Baden-Baden als Favorit. Doch auch Nordrhein-Westfalen kann in verschiedenen Bereichen punkten. Das sind die Stärken und Schwächen vor der geheimen Abstimmung durch die 42 olympischen Spitzenverbände, acht persönliche Mitglieder sowie die zehn Präsidiumsmitglieder des DOSB.
Das spricht für München
München setzt in seinem Konzept auf kurze Wege und das Gros der Events in der Stadt. Mit dem für 1972 erbauten Olympiapark samt renoviertem Stadion gibt es bereits einen Kern der Spiele, der maßgeschneidert ist für Großevents. Das zeigten die Leichtathletik-EM 2022 und der WM-Zuschlag für 2031. Fast alle Wettkampfstätten sind vorhanden, die Unterstützung durch die Politik um Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist groß. Bei der Volksbefragung stimmten 66,42 Prozent für die Spiele. International ist München bekannter als Rhein-Ruhr. Bei der DOSB-Evaluierung schnitt München unter den Fachverbänden, die heute mit insgesamt 126 von 144 möglichen Stimmen stimmberechtigt sind, deutlich am besten ab. Den Ausschlag könnten die Vertreter der Wintersportverbände geben, die wohl eher zu Bayern tendieren.
Das spricht für Köln-Rhein-Ruhr
NRW wirbt mit den spektakulärsten, kompaktesten und nachhaltigsten Spielen und setzt auf die vorhandene Infrastruktur und eine hohe Dichte an teils spektakulären Sportstätten - etwa Schwimmen auf Schalke, Basketball in der Düsseldorfer Arena oder Fußball im Stadion in Dortmund. Neu gebaut werden sollen lediglich ein temporäres Leichtathletikstadion und das Olympische Dorf in Köln, das später Wohnraum für rund 10.000 Menschen bieten soll. Bis zu 17,6 Millionen Tickets sollen für Rekordkulissen sorgen. Die Region verfügt zudem über viel Erfahrung bei der Ausrichtung internationaler Großevents. In diesem Jahr fand unter anderem die Pferdesport-WM in Aachen statt. In den beteiligten Kommunen erhielt die Bewerbung eine Zustimmung von 66 Prozent.
Das spricht gegen München
In München sind die Olympia-Befürworter und Spitzenpolitiker womöglich bereits zu siegessicher. Die jüngsten zwei Bewerbungen gingen schief: Im Rennen um die Winterspiele 2018 unterlag man klar dem südkoreanischen Pyeongchang, Olympia 2022 lehnten dann die Bürger bei einer Befragung ab. Laut DOSB-Evaluierung ist München schwächer als Rhein-Ruhr im Hinblick auf Ticketpotenzial. Und vielleicht strafen die Wahlleute aus Ostdeutschland auch München ab, das sich für Kiel als Segelgebiet entschied. Den Osten lässt man komplett außen vor. NRW wählte dagegen Rostock-Warnemünde sowie für Kanu die Wildwasseranlage Markkleeberg nahe Leipzig - und damit gleich zwei Wettkampfstätten in ostdeutschen Bundesländern.
Das spricht gegen Köln-Rhein-Ruhr
Bereits früh gab es Bedenken, dass Rhein-Ruhr als Standort international nicht ausreichend bekannt sein könnte. Die Olympia-Macher rückten daher Köln ins Zentrum der Bewerbung. Dennoch bleibt das Standortimage eher mäßig. Auch die eigentlich kurz geplanten Wege könnten sich in der Praxis als problematisch erweisen: NRW gilt als staureichstes Bundesland, und auch auf der Schiene kommt es häufig zu Verzögerungen. Kritiker bezweifeln, dass die Sportlerinnen und Sportler ihre Wettkampfstätten vom Olympischen Dorf aus – wie versprochen – in weniger als einer Stunde erreichen können. Zudem liegen einige Sportstätten abseits großer Städte - etwa in Aachen, Gelsenkirchen oder Mönchengladbach.