Das Fenster in die Urzeit öffnet sich erneut
Der Steinbruch Wattendorf bei Bamberg gilt als eine der wichtigsten Fundstellen für Fossilien in Europa. Vor zig Millionen Jahren befand sich hier, wo heute schwere Baumaschinen arbeiten und Lkws rollen, eine Lagune. Nun darf dort wieder wissenschaftlich gegraben werden.
Ein Team des Naturkundemuseums Bamberg war jüngst vor Ort. Es wurde geklopft, gemeißelt, sortiert. Wattendorf sei "das einzige erdgeschichtliche Fenster" in Süddeutschland, das so detaillierte Einblicke in die Lebewelt vor 154 Millionen Jahren ermögliche, sagte der Chef des Museums, Oliver Wings.
Fossilien aus Wattendorf seien nicht nur relativ häufig, sie seien auch außergewöhnlich gut erhalten und zeigten oft sogar noch versteinerte Weichteile, teilte das Museum weiter mit.
Was in Wattendorf bisher schon entdeckt wurde
Die zu untersuchenden Schichten in Wattendorf seien noch einmal rund vier Millionen Jahre älter als etwa in Solnhofen, sagte Wings. Solnhofen (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) ist eine berühmte Fundstätte für Fossilien im Altmühltal.
In Wattendorf wurden in den vergangenen 20 Jahren eine Reihe bedeutender Fossilienfunde gemacht und wissenschaftlich aufgearbeitet - so etwa zwei neue Flugsaurierarten. Auch viele andere Wirbeltierarten seien dort entdeckt worden, informierte das Naturkundemuseum - Brückenechsen, Schildkröten, Krokodile und eine große Vielfalt an Fischen, darunter Quastenflosser und Engelhaie. Im Bamberger Museum zu sehen ist etwa der Balaenognathus maeuseri aus Wattendorf, der weltweit bisher einzig nachgewiesene Flugsaurier mit Reußengebiss und mehr als 480 Zähnen.
Vielleicht findet man sogar kleine Säugetiere?
Und was erhoffen sich die Wissenschaftler von den aktuellen Grabungen in Wattendorf? "Wir wollen unser Verständnis der Urzeit weiter vervollständigen", betonte Wings. Ob bei der ersten Session im Zuge der neu geschlossenen Vereinbarung mit dem Steinbruch-Unternehmen zur Grabung spektakuläre Funde dabei waren, kann man freilich noch nicht sagen: Die meisten Fundstücke müssen erst in der Präparation freigelegt werden. Der Prozess sei sehr aufwendig, schilderte Wings, oft seien mehrere hundert Stunden für ein Fossil nötig. Der neue Vertrag gilt für vier Jahre.
Was man jetzt schon sagen könne: Es seien verschiedene Fische dabei, Schildkrötenreste, viele wirbellose Lebewesen - "alles, was zu der Zeit im Meer und rundherum gelebt hat". Die Hoffnung wäre, kleine Säugetiere zu finden. Denn bislang seien im Plattenkalk keine Säugetierreste gefunden worden. "Auch andere Landwirbeltiere, wie die Dinosaurier, helfen uns dabei, die damaligen Insel-Ökosysteme besser zu verstehen."
Kotfunde und Speisereste
In der späten Jurazeit, vor rund 154 Millionen Jahren, befand sich im Bereich des heutigen Steinbruchs eine Lagune mit mindestens 40 Metern Tiefe. Unten habe sich eine sauerstoffarme Schicht befunden, wo es keine Bodenlebewesen gegeben habe. Alle in diesem Areal abgesunkenen toten Tiere seien liegengeblieben. Begrenzt worden sei die Lagune von Riffen, es gab auch Inseln unterschiedlicher Größe, auf denen Flugsaurier gelebt hätten - und wenn die Inseln groß genug gewesen seien, auch Dinosaurier.
Man finde hier auch Weichteile wie Hautabdrücke, erläuterte Wings: "Das ist sehr selten und für uns Paläontologen ein großer Vorteil." Gesammelt würden auch versteinerte Kotfunde oder vorgewürgte Speisereste, was Rückschlüsse auf Lebensweisen und Nahrungsnetze erlaube.
Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de
- Themen:
