Coronavirus breitet sich aus: So läuft die Hausquarantäne

Das Coronavirus breitet sich aus, deutschlandweit verzeichnet das Robert Koch-Institut aktuell knapp 1.300 Fälle: Was bedeutet es, wenn ich in häusliche Quarantäne muss?
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Blick in einen Drogeriemarkt in München: Desinfektionsmittel gibt's nicht mehr.
AZ Blick in einen Drogeriemarkt in München: Desinfektionsmittel gibt's nicht mehr.

München - Es ist der dritte bekannte Todesfall in Deutschland: Im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen ist ein weiterer mit dem Coronavirus infizierter Patient gestorben. Der Patient sei im Heinsberger Krankenhaus gestorben, sagte eine Sprecherin des Kreises am Mittwoch, ohne weitere Details zu nennen. Zuvor hatte die "Rheinische Post" berichtet.

Am Montag waren erstmals in Deutschland zwei Menschen nach Erkrankungen mit dem neuen Erreger Sars-CoV-2 gestorben. Das erste Todesopfer war eine 89-jährige Frau aus Essen, das zweite ein 78-jähriger Mann aus Gangelt im Kreis Heinsberg. Die Zahl der nachgewiesenen Erkrankungen in NRW stieg auch am Mittwoch an, allerdings eher leicht: Es gab am Mittwochvormittag (Stand: 10.00 Uhr) 687 Infektionen nach 642 Fällen am späten Dienstagnachmittag (Stand: 17.30 Uhr), wie das NRW-Gesundheitsministerium berichtete.

Coronavirus: Deutschlandweit rund 1.300 Fälle

Besonders betroffen von dem Virus ist der Kreis Heinsberg ganz im Westen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes mit 365 Fällen. Deutschlandweit verzeichnet das Robert Koch-Institut knapp 1.300 Fälle.

Nach dem Coronavirus-Verdacht in Neustadt/Dosse befinden sich nach aktuellen Schätzungen bis zu 2.250 Menschen in häuslicher Quarantäne. Die isolierten Menschen sind demnach über mehrere Landkreise Brandenburgs und weitere Bundesländer verteilt. Der Landkreis distanzierte sich damit zugleich von zuvor genannten deutlich höheren Zahlen. Der Amtsdirektor der Kleinstadt hatte von 4.000 bis 5.000 Menschen in häuslicher Quarantäne gesprochen.

Personen, die unmittelbar zu einer infizierten Person Kontakt hatten und die Krankheitssymptome zeigen, werden zunächst in häusliche Quarantäne geschickt. Was bedeutet das eigentlich für die Betroffenen? Und was müssen Sie beachten?

Blick in einen Drogeriemarkt in München: Desinfektionsmittel gibt's nicht mehr.
Blick in einen Drogeriemarkt in München: Desinfektionsmittel gibt's nicht mehr. © AZ

Coronavirus: Wer muss in Hausquarantäne?

Hausquarantäne ordnet das Gesundheitsamt für Personen an, die innerhalb der vorangegangenen 14 Tage in einem Coronavirus-Risikogebiet waren oder Kontakt zu einem Covid-19-Erkrankten hatten. Covid-19 heißt die aus dem Sars-CoV-2-Virus resultierende Lungenkrankheit.

Die Hausquarantäne dauert 14 Tage - so lange ist nach bisherigem Stand die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Beginn von Symptomen der Krankheit. Laut Infektionsschutzgesetz kann das Grundrecht auf Freiheit eingeschränkt werden, wenn ein plausibler Verdacht auf eine mögliche Ansteckung vorliegt. Demnach kann Quarantäne bei "Kranken sowie Krankheitsverdächtigen, Ansteckungsverdächtigen und Ausscheidern" angeordnet werden.

Bei akuten Beschwerden werden Betroffene gebeten, sich an den Hausarzt zu wenden. Ferner dürfen sie das Haus nicht verlassen. In Faltblättern werden sie dazu aufgerufen, sich Medikamente und Lebensmittel vor die Tür stellen zu lassen. Es ist davon auszugehen, dass in nächster Zeit noch mehr Menschen häusliche Quarantäne verordnet wird. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist das Risiko, sich in Deutschland anzustecken derzeit zwar "gering bis mäßig", weitere Übertragungen, Infektionsketten, lokale Infektionsgeschehen und Ausbrüche seinen hierzulande aber möglich.

Das RKI empfiehlt, sich dort oder bei einem Arzt zu melden, wenn man Kontakt zu einer Person hatte, bei der das Coronavirus nachgewiesen wurde - unabhängig davon, ob Symptome aufgetreten sind oder nicht. Das auch, wenn man von der Reise in eines der Risikogebiete zurückkehrt oder Symptome feststellt. Im Gespräch wird entschieden, welche Maßnahmen notwendig sind. Welches Gesundheitsamt für Sie zuständig ist, können Sie auf dieser Seite des RKI nachschauen.

Corona-Hausquarantäne: So bereiten Sie sich vor

Für eine ausreichende Versorgung hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe einen Notfall-Flyer erstellt, das die wichtigsten Lebensmittel und Hygieneartikel für eine zehn-tägige Grundversorgung aufzählt. Wichtig: Achten Sie bei der Vorbereitung auf die Haltbarkeit der Produkte, achten Sie auf Allergien und Diät-Vorschriften.

Für die Versorgung einer Person für zehn Tage wird empfohlen:

  • 20 Liter Wasser
  • 3,5 kg Getreideprodukte, wie Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis
  • 4,0 kg Gemüse, Hülsenfrüchte im Glas oder Dosen
  • 2,5 kg Obst, Nüsse
  • 2,6 kg Milch und Milchprodukte
  • 1,5 kg Fisch, Fleisch, Eier
  • 0,357 kg Fette, Öle

Corona-Hausquarantäne: Wer versorgt mich?

Zum Beispiel beim Einkaufen von Lebensmitteln können Familie, Freunde und Nachbarn Personen in Hausquarantäne unterstützen. Helfer sollen Lebensmittel einfach vor der Tür abstellen, rät ein RKI-Merkblatt - enger Körperkontakt sollte vermieden werden.

In Gangelt im Kreis Heinsberg (Nordrhein-Westfalen) helfen außerdem Ehrenamtler des Deutschen Roten Kreuz (DRK) und der Malteser bei der Versorgung der Menschen. Wichtig zudem: Achten Sie auf Ihre  seelische Gesundheit, schließlich können derart isoliert in den eigenen vier Wänden verstärkt Ängste und Sorgen aufkommen, sich tatsächlich angesteckt zu haben oder ausgegrenzt zu werden.

Bleiben Sie daher per Telefon oder Internet in Kontakt zu Freunden und Familienangehörigen. So beugen Sie Einsamkeitsgefühlen, Anspannung oder Schlafstörungen vor. Nutzen Sie unter Umständen auch die Seelsorgetelefone. Hilfreich ist auch Sport - bleiben Sie mit Gymnastikübungen oder auf dem Heimtrainer in Bewegung.

Lesen Sie auch: Coronavirus-News im AZ-Newsblog

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