Club-Sanatorium Klosterpforte

Wo einst Zisterziensermönche ein Kloster gründeten, das katholische Motto „ora et labora“ streng befolgten und ihren Orden zum bedeutendsten in ganz Norddeutschland erheben konnten, will auch Club-Trainer Thomas von Heesen seinen Schützlingen den richtigen Glauben einhauchen.
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Club-Trainer von Heesen hat mit Robert Vittek und Zvjezdan Misimovic wieder zwei Alternativen mehr für die Abteilung Attacke.
dpa Club-Trainer von Heesen hat mit Robert Vittek und Zvjezdan Misimovic wieder zwei Alternativen mehr für die Abteilung Attacke.

MARIENFELD - Wo einst Zisterziensermönche ein Kloster gründeten, das katholische Motto „ora et labora“ streng befolgten und ihren Orden zum bedeutendsten in ganz Norddeutschland erheben konnten, will auch Club-Trainer Thomas von Heesen seinen Schützlingen den richtigen Glauben einhauchen.

Den an die eigenen Qualitäten, egal ob spielerischer oder mentaler Natur – im noblen Viersterne-Superior-Hotel „Klosterpforte“ in Marienfeld.

Dort, auf dem weitläufigen Areal mit Badeteich, Kirche, Kellergewölbe mit hauseigener Brauerei und zwei Fußballplätzen, logiert der FCN-Tross in der „Abtei“. Die Preise variieren zwischen 145 (Einzelzimmer) und 179 Euro für Doppelbelegung. Statt Beten steht allerdings harte Arbeit für Käpt’n Tomas Galasek & Co. auf dem Programm. „Kerzen anstecken“, hebt von Heesen auf die von seinem Duisburger Kollegen Rudi Bommer letzte Woche an gleicher Stätte vor dem Auswärtssieg seines MSV in Bielefeld praktizierten „populistischen Dinge“ an, „das ist Privatsache.“

Tommys Glaubensrichtung, „ich bin bekennender Katholik“, fokussiert sich auf seine Arbeit. Das klingt gebetsmühlenartig so: „Intensiv trainieren.“ „Methodisch rangehen.“ „Abläufe automatisieren.“ Und: „Kein Stressfaktor.“ Trotz abendlicher Videoanalyse nach den beiden Einheiten gestern. Von Heesen weiß allerdings auch: „Bei allen Themen, die ich in meinem Kopf habe, bleiben nur drei Tage Zeit“, sagt der 46-Jährige über das äußerst kurzfristig anberaumte Club-Sanatorium vor der – wieder einmal – wegweisenden Partie bei Hannover 96 am Samstag.

Von A bis Z reicht die Palette der Problemzonen, die es zu kurieren gilt. „Und wo ist von Heesen schon angekommen? Bei J wie Jubel? „Noch nicht ganz“, gesteht er. „Wir sind bei E wie Effizienz.“ Deshalb lässt er Lauf- und Passwege, komplette Spielzüge einstudieren. Immer und immer wieder. Damit es endlich scheppert im gegnerischen Kasten. „Die Überzeugung es zu schaffen, erarbeitet man sich über Erfolgserlebnisse im Training“, weiß der Ex-Profi (HSV, Bielefeld). „Schnelle und richtige Entscheidung vor dem Tor“, fordert von Heesen. Um nicht 24 Versuche für ein mickriges Törchen wie gegen Cottbus zu benötigen, sondern „aus fünf Chancen zwei Tore zu machen“. Zusatz: „Darunter darf die Kreativität allerdings nicht leiden.“

Wichtigster Protagonist für höhere Spielkultur: Zvjezdan Misimovic, zuletzt nach seinem Bänderriss im Knöchel schmerzlichst vermisst. „Ich gehe davon aus, dass ich der Mannschaft sehr bald wieder helfen kann“, erklärt der Spielmacher. „Toi, toi, toi – ich klopfe vorsichtshalber auf Holz, dass nichts passiert“, hat von Heesen mit Rekonvaleszent Robert Vittek (nach seinem Knorpelschaden letzte Woche von schwerem Fieber außer Gefecht gesetzt) „zwei Alternativen“ für Hannover auf der Rechnung.

Für frischen Wind im Sturm ist somit gesorgt. Und wer soll hinten dicht machen, damit „die Chance auf drei Punkte“ (von Heesen) steigt? „Ich halte das Rennen ganz bewusst so lange wie nötig offen“, antwortet der Trainer auf die Gretchenfrage: Darf Jaromir Blazek wieder ins Tor, oder die Nummer zwei, Daniel Klewer? „Beide sind hochkonzentriert bei der Sache“, will sich Tommy nicht in die Karten schauen lassen.

Hoffentlich zahlt sich die harte Arbeit auch aus, damit die Fastenzeit an Erfolgserlebnissen endlich ein Ende hat.

Markus Löser

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