Chaos auf FDP-Parteitag: Falscher Vorsitzender verkündet

Zwei Nachnamen mit den Anfangsbuchstaben "Fi" führten zu zeitweiligem Chaos auf dem Landesparteitag der FDP in Ingolstadt: Nachdem der Münchner Moritz Fingerle (40) bereits als neuer Bayern-Vorsitzender ausgerufen worden war und der vermeintlich Gewählte die Annahme der Abstimmung schon begeistert verkündet hatte, unterbrach Parteitagsleiterin Katja Hessel den Glückwunschreigen mit einem scharfen "Stopp".
Die Technik ist Schuld an der Panne
Bei der Stichwahl hatte die Technik die Namen vertauscht: Nicht Fingerle wurde gewählt, sondern der ehemalige Landtagsabgeordnete Matthias Fischbach (38). Letzterer hatte 206 Stimmen, Fingerle 172 erhalten – und nicht umgekehrt, wie zuvor bekannt gegeben wurde.
Sie habe ja auf FDP-Parteitagen schon viel erlebt, aber das übertreffe alles, sagte Hessel. Nein, man habe nicht so lange gezählt, bis das gewünschte Ergebnis herauskomme, beschwichtigte Hessel die aufgebrachten Liberalen. Die Delegierten waren sich einig: Dieser Parteitag wird Geschichte schreiben.

Fingerle musste die Wahl wieder hergeben, Fischbach nahm sie an. Der aus dem Landkreis Erlangen stammende derzeitige Hausmann und Kommunalpolitiker hatte sich zuvor gegen drei Mitbewerber – allesamt Unternehmer – durchgesetzt.
Neben Fingerle bemühten sich auch Hans-Peter Posch (63) aus Bayerisch-Schwaben sowie der Münchner stellvertretende Kreis- und Ortsvorsitzende Aljoscha Lubos (34) um das Spitzenamt der seit 2024 nicht mehr im Landesparlament vertretenen Partei.
Der Münchner Aljoscha Lubos wird abgestraft
Posch erzielte ein Achtungsergebnis, Lubos eher ein mäßiges. So kreidete man ihm an, dass er die FDP-Aushänge-Verteidigungspolitikerin Agnes Strack-Zimmermann im AZ-Interview als "Nervensäge" bezeichnet hatte. Das sei als Kompliment gemeint gewesen, beschwichtigte Lubos, doch es half nichts.
Schon vor der Wahlpanne war die Stimmung unter den zeitweise bis zu 383 Delegierten in Ingolstadt wenn nicht gereizt, so doch aufgewühlt. Der Rücktritt des bisherigen Landesvorsitzenden Michael Ruoff nach nicht einmal einem Jahr im Amt war bei vielen Parteigängern nicht gerade auf Begeisterung gestoßen.
Der scheidende Chef entschuldigt sich
Ruoff entschuldigte sich in seiner Dankesrede mehrmals dafür. Er sei tatsächlich nicht wegen Krankheit, eines Schicksalsschlags oder einem Skandal zurückgetreten, sondern weil er es unterschätzt habe, was es heißt, neben der Arbeit als Rechtsanwalt auch noch eine Partei zu führen, sagte Ruoff.
"So richtig bin ich mit dem Rücktritt nicht einverstanden", rügte der von Ruoff bisher kommissarisch als Generalsekretär verpflichtete Karl Graf Stauffenberg. Auch andere drückten ihr Missfallen über die Entwicklung aus. Es sei ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt gewesen, hieß es.

Der unterfränkische FDP-Bezirksvorsitzende Stauffenberg hätte sich auf Vorschlag Fingerles gerne in diesem Amt bestätigen lassen, doch der neue Vorsitzende Fischbach entschied sich für den Münchner Daniel Kuhagen, der mit einem deutlichen Stimmenabschlag zum neuen Generalsekretär gewählt wurde.
Stauffenberg erhielt ein Trostpflaster: „Vorhin war ich voller Euphorie“, sagte er, jetzt gehe die Stimmung runter. Doch dann wählten ihn die Delegierten mit üppigen 86,3 Prozent als Nachfolger von Fischbach zum Vizeparteichef, und die Welt schien wieder halbwegs in Ordnung.
Appelle zur Geschlossenheit und Gemeinsamkeit nebst Warnungen vor gegenseitigen Attacken
Wenn sich in vielen Parteitagsreden Appelle zur Geschlossenheit und Gemeinsamkeit nebst Warnungen vor gegenseitigen Attacken finden, deutet dies gewöhnlich darauf hin, dass hier ein Problem liegt. Tatsächlich gab es zuletzt nicht geringe persönliche und inhaltliche Spannungen in den Reihen der bayerischen Liberalen. "Wir müssen einen besseren Umgang miteinander finden", appellierte der scheidende Vorsitzende Ruoff und warnte vor "übler Nachrede". In die Führungsebene müsse die Partei wieder "mehr Vertrauen" entwickeln.

"Schluss mit dem Links-Mitte-Rechts-Unfug" und "Schluss mit der liberalen Selbstverzwergung", forderte der frühere bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil. Mit der Bereitschaft des FDP-Urgesteins Wolfgang Kubicki, das Amt des Bundesvorsitzenden zu übernehmen, sei ein "Ruck durch diese Partei gegangen", sagte der Ex-Landes- und Fraktionsvorsitzende Martin Hagen, der das Amt des Bundes-Generalsekretärs unter Kubicki anstrebt.
Bayerns neuer FDP-Chef Fischbach hatte sich in seiner Bewerbungsrede drei Themenschwerpunkte gesetzt: "Bildung, Wirtschaft und Rechtsstaat". Die Partei rief er zu maximalen Anstrengungen auf, um bei der Landtagswahl 2028 wieder ins Landesparlament einzuziehen, denn "wir haben keinen zweiten Schuss".