Wettlauf gegen die Zeit: Bayerns Wälder brauchen mehr Laub
Die Klimakrise mit großen Hitzewellen wird nach Einschätzung des Bund Naturschutz in Bayern (BN) zunehmend zur Gefahr für den Wald im Freistaat. Ganze Waldregionen wie etwa der Frankenwald stünden wegen der Hitzefolgen wie etwa dem Insektenbefall vor dem Aus. Der große Anteil von Nadelhölzern wie Fichte und Kiefer öffne Waldbränden Tür und Tor. Der Ehrenvorsitzende des BN, Hubert Weiger, resümiert: "Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit." Es brauche jetzt mehr Geld und mehr Personal.
Der Bund Naturschutz fordert die Politik in München und Berlin deswegen zu deutlich größeren Anstrengungen in Sachen Klima- und Naturschutz auf. Der bayerische Wald müsse mit deutlich größerer Geschwindigkeit umgebaut werden, sagte der BN-Landesvorsitzende Martin Geilhufe. "Wenn die Staatsregierung den Waldumbau nicht massiver vorantreibt, drohen uns südeuropäische Verhältnisse mit verheerenden Waldbränden", betonte er. "Nur vitale Wälder liefern der bayerischen Bevölkerung gesunde Luft und sauberes Trinkwasser und schützen vor Hochwasser und Erosion - außerdem sind sie natürliche Klimaanlagen."
Mehr als zwei Drittel Kiefern und Fichten
Noch immer bestünden deutlich mehr als zwei Drittel des bayerischen Waldes aus Kiefern und Fichten. Gerade diese Nadelhölzer seien besonders hitzeempfindlich und hielten Temperaturen von bis zu 40 Grad nicht stand. Der Schutzschirm des bestehenden Nadelwaldes müsse jetzt genutzt werden, um Laubbäume wie Eiche, Buche und Edelhölzer wie Kirsche zu pflanzen, die deutlich hitzeresistenter seien.
Dabei gab es in den vergangenen Jahrzehnten seit den Aktionen nach dem Waldsterben 1.0 in den 1980er Jahren auch deutliche Erfolge. Mehr Totholz, mehr alte, dicke Bäume, mehr Laubbäume und mehr Naturwälder stünden für einen grundlegenden Wandel der bayerischen Forstpolitik. "Die Klimakrise verlangt ein deutlich höheres Tempo beim Waldumbau. Noch immer prägen große, anfällige Nadelforste viele Regionen Bayerns", sagte Geilhufe.
90 Millionen Bäume gepflanzt - zu wenig
Seit 2020 seien rund 90 Millionen Bäume in Bayern gepflanzt worden. Etwa 112.000 Hektar Wald seien im Privat- und Körperschaftswald zu Mischwald umgebaut worden, bis 2030 sollen es 200.000 Hektar werden. Dies könne jedoch nur ein Anfang sein. Die Millionen gepflanzter Bäume entsprächen nur rund 0,4 Prozent des vorhandenen Jungwuchses in den ein- bis 20-jährigen Wäldern Bayerns, sagte der BN-Waldexperte Ralf Straußberger
Zudem müsse der Verbiss durch Rehe und Hirsche zurückgedrängt werden - durch eine konsequentere Jagd. "Eichelhäher säen beispielsweise milliardenfach und völlig kostenlos Eichen", sagte Straußberger. Der zu große Wildbestand fresse die Eicheln aber auf, die sich dann gar nicht erst zu Pflanzen entwickeln könnten. Vor allem in Mittel- und Unterfranken sei der Wildbestand ein riesiges Problem.
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