Buddha und Beethoven

Zum Auftakt der Großraum-Konzertsaison: Ein Überblick über Gastspiel-Höhepunkte und die Planungen der Nürnberger Orchester.
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Eben noch Open-Air-Entertainer im Luitpoldhain, nun Saison-Eröffner: Die Nürnberger Symphoniker starten am 19. September in der Meistersingerhalle.
bayernpress Eben noch Open-Air-Entertainer im Luitpoldhain, nun Saison-Eröffner: Die Nürnberger Symphoniker starten am 19. September in der Meistersingerhalle.

NÜRNBERG - Zum Auftakt der Großraum-Konzertsaison: Ein Überblick über Gastspiel-Höhepunkte und die Planungen der Nürnberger Orchester.

Wenn am 19. und 20. September die Nürnberger Symphoniker, eben noch Luitpoldhain-Entertainer, in der Meistersingerhalle (MSH) mit Mozart und Rott (angeblich ebenso genial - und noch jünger gestorben) die neue Saison einstreichen (am Flügel sitzt da Klavier-Legende Philippe Entremont), hat der Kampf um Abonnenten und Laufkundschaft längst begonnen. Ob da Exotik hilft? Zum zweiten Abokonzert der Symphoniker reisen aus Nürnbergs Partnerstadt Shenzhen Sinfonieorchester und Chor an, um gemeinsam mit Nürnbergs Philharmonischem Chor Jianping Tangs Buddhistische Sinfonie zu stemmen (10.10., MSH). Und das Zentralkomitee lächelt dazu.

Doch die Konkurrenz schläft nicht in Sachen Großwerke: Christof Prick klopft mit seinen Philharmonikern zwei Mal Beethoven ab (23.10., MSH). Augustin Hadelich muss sich beim Violinkonzert an den Vorjahresgästen Thomas Zehetmair, Gidon Kremer und Nigel Kennedy messen lassen; Pricks Eroica eröffnet den Wettbewerb um die beste Beethovensinfonieinterpretation. Symphoniker-Chef Alexander Shelley legt 2010 mit der Pastorale nach (8.5., MSH), das Orchestre de Chambre Lausanne mit der Vierten (10.2., MSH).

Auch an überregionaler Konkurrenz mangelt es heuer nicht. Die Bamberger Symphoniker, Frankens Spitzenorchester mit vollem Tournee-Plan, machen zwar einen Bogen um Nürnberg, aber bis Weihnachten vier Mal im Großraum Halt. Chef Jonathan Nott dirigiert Haydn und Schostakowitschs Fünfte (19.9., Heinrich-Lades-Halle). Auch dabei: Marisol Montalvo, die als Goldkehlchen beim Klassik Open Air der Nürnberger Symphoniker glänzte und hier Luigi Nono auf Sanglichkeit überprüft. Wenn sich Ilan Volkov Debussy, Ravel und Sibelius vornimmt, darf man sich zwischen Erlangen (18.11., Heinrich-Lades-Halle) und Fürth (21.11., Stadttheater) entscheiden. Bei Ingo Metzmachers Pult-Gastspiel (der Chef von Berlins zweitem Weltklasse-Orchester, dem DSO, arbeitet sich am 3.12. mit Busoni, Stephan, Schreker und Reger durch den Übergang von der Spätromantik zur Moderne) hat Erlangen dann wieder ein Alleinstellungsmerkmal. Auch im Januar, wenn Nott Mahlers Adagietto-selige Fünfte (Viscontis „Tod in Venedig“-Soundtrack) leitet.

Weiteren Berlin-Besuch hat Georg Hörtnagel organisiert: Lothar Zagrosek, der in Stuttgart lange Jahre am dortigen Opernwunder mitbastelte, streichelt mit seinem Konzerthausorchester (6.10., MSH) und Brahms’ unsterblich süßsaurer Vierter Abonnentenseelen. Wenn Stefan Pletnev zudem Schumanns Klavierkonzert spielt, sollte man genau hinhören. Denn zu Alexander Shelleys Chefeinstand bei den Symphonikern am 5. und 6. Januar in der Meistersingerhalle lässt sich das Ergebnis mit Lars Vogts Schumann-Erkundungen vergleichen.

Nicht nur die Pianisten, auch die Trompeter stehen sich im Großraum auf den Füßen. Wenn Echo-Preisträgerin Alison Balsom, von ihrer Agentur auf Elfe getrimmt, mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Trevor Pinnock Haydns Trompetenkonzert Es-Dur und das berühmte Es-Dur-Konzert von Hummel ansetzt (20.11., Opernhaus), hat ARD-Musikwettbewerb-Gewinner David Guerrier Hummels E-Dur-Konzert mit den Symphonikern (31.10., MSH, wo zudem Mendelssohns Reformationssymphonie gereicht wird) schon hinter sich; Altmeister Ludwig Güttler ist da noch bei der Anreise zu Hörtnagels Advents-Event (2.12., MSH).

Dass Klasse keine Frage von Masse ist, beweist noch vor dem eigentlichen Saisonstart die 8. Ausgabe des Internationalen Kammermusikfestivals. Das Künstler-Netzwerk um Frances Pappas poliert vom 11. bis 18. September auf seiner „Reise nach Wien“ klein besetzte Werke von Großmeistern (Haydn bis Bruckner, Schubert bis Berg) zwischen Kaiserburg, Katharinensaal und Neuem Museum auf Hochglanz. Ein Kuriosum ist Mahlers Vierte in einer Kammerfassung unter Peter Selwyn. Falls das Experiment scheitert, ist das im an Doppelungen reichen Großraum kein Problem: Christof Prick, Heidi Elisabeth Meier und die Philharmoniker servieren die Vierte am 22. Januar in der Meistersingerhalle im Original. Georg Kasch

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