Brenner-Sperrung – ADAC warnt: "Das kann gefährlich werden"

Für Urlauber auf dem Weg nach Südtirol ist die Brennervollsperrung ein Albtraum – aber nicht nur die Fernreisenden bekommen diese zu spüren. Der ADAC Südbayern befürchtet Rückstaus bis nach Bayern.
Wegen einer Demonstration diesen Samstag gibt es auf österreichischer Seite von 11 Uhr bis 19 Uhr für Autos und Motorräder kein Durchkommen, auf italienischer Seite gilt die Sperre von 10.30 Uhr bis 20 Uhr. Lastwagen können bereits einige Stunden zuvor nicht mehr über den Alpen-Pass. Nicht nur die Autobahn, sondern auch die Bundesstraße und Nebenstrecken sind in dieser Zeit für den Transitverkehr zu.
ADAC warnt: "Spätestens dann staut es sich bei uns massiv zurück"
Bastian Hambalgo vom ADAC Südbayern rechnet damit, dass deshalb von der österreichischen Seite die Grenze dichtgemacht werde. "Weil einfach deren Straßennetz komplett überfüllt ist", sagt er der AZ.
Die Folge: "Spätestens dann staut es sich bei uns massiv zurück und dann müssen auch die Fahrzeuge wieder zurückgeleitet werden." Erst wird höchstwahrscheinlich die Inntal-Autobahn gesperrt, kurz darauf auch die Tauernautobahn, weil die Autos dorthin gelenkt werden und die Straße so schnell vollläuft.

"Die Tauernautobahn ist auch ohne zusätzlichen Verkehr schon ziemlich stauanfällig und überlastet", sagt Hambalgo. Den Verkehr vom Brenner, den die österreichische Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (Asfinag) für diesen Samstag auf rund 32.000 Fahrzeuge schätzt, verkraftet sie also erst recht nicht.
Auch der Reschenpass oder das Timmelsjoch sind nicht auf solche Verkehrsmengen ausgelegt. Kurzum: "Wir befürchten, dass alle Schleichwege und Ausweichrouten einfach dicht sind", sagt ADAC-Sprecher Hambalgo.
Rückstaus in Bayern betreffen nicht nur Autobahnen
Die Rückstaus betreffen aber nicht nur den Reiseverkehr, sondern auch das normale Autobahnnetz südlich von München: A8, A93, A95, A7 – auf all den besagten Strecken, über die man normalerweise richtig Süden käme, wird die Brennersperrung zu spüren sein. Der ADAC warnt: "Wenn das Autobahnnetz überfüllt ist, wirkt sich das Ganze auch auf die Nebenstraßen und auf das sonstige Straßennetz aus." Der Impuls bei vielen Autofahrern, von der Autobahn abzufahren und sein Glück über die Landstraßen zu versuchen, dürfte sich auf eben diesen bemerkbar machen.
Der ADAC weiß von der Asfinag, dass man bei Fahrten Richtung Süden im schlimmsten Fall mehrere Stunden verliert. ADAC-Sprecher Hambalgo bittet daher eindringlich: "Wenn es irgendwie vermeidbar ist und wenn man sich sehr, sehr, sehr viel Stress und sehr hohe Zeitverluste ersparen will, dann wäre es sinnvoll, am Samstag auf unnötige Fahrten zu verzichten." Tagesausflüge sollten trotz des guten Wetters besser verschoben werden.
Verkehrslage sollte sich ab Montag normalisieren
"Zumal ja auch die Temperaturen nicht so sind, als dass es angenehm wäre, in der prallen Sonne auf dem Asphalt zu stehen und nicht voranzukommen", sagt Hambalgo. "Vor allem, wenn man noch Kinder dabei hat. Dann kann das tatsächlich auch gefährlich werden."
Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) schlägt deshalb Alarm. Es ordnet Stufe eins von drei an. Das heißt, die Kreisverbände bereiten sich darauf vor, die im Stau Stehenden mit Wasser und weiteren Hilfen zu versorgen. Dabei sollen Motorräder zum Einsatz kommen, um auch bei vollen Straßen beweglich zu bleiben.

Das BRK appelliert an Reisende, sich bei unvermeidbaren Fahrten ausreichend vorzubereiten. Das heißt: genügend Getränke, Verpflegung sowie notwendige Medikamente mitnehmen – und ausreichend zeitlichen Puffer einplanen.
Auch diesen Sonntag dürfte das Verkehrschaos rund um den Brenner nicht abebben. "Die Leute, die sich am Samstag nicht auf den Weg machen und am Freitag noch nicht fahren konnten, nutzen wahrscheinlich den Sonntag als Reisetag", erklärt ADAC-Sprecher Hambalgo. "Wir rechnen aktuell damit, dass sich ungefähr ab Montag das Ganze wieder ein bisschen normalisiert."