#BrauneKarte: Google sperrt Hass-Landkarte endlich

Tagelang geisterte eine mit Google Maps erstellte Landkarte durchs Internet, die Stimmung gegen Asylunterkünfte machen sollte. Jetzt wurde sie endlich gesperrt, Vorwürfe muss sich Google dennoch gefallen lassen.
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"Asylkaschemme": Auf einer Karte des Hasses bei Google Maps wurde der ehemalige Gasthof verhöhnt, bevor er in der Nacht auf Donnerstag in Flammen aufging.
AZ "Asylkaschemme": Auf einer Karte des Hasses bei Google Maps wurde der ehemalige Gasthof verhöhnt, bevor er in der Nacht auf Donnerstag in Flammen aufging.

Seit Tagen geisterte eine mit Google Maps erstellte Landkarte durchs Internet, die Stimmung gegen Asylunterkünfte machen sollte. Jetzt wurde sie endlich gesperrt. Bis sich Google zu diesem Schritt durchringen konnte, verging allerdings viel zu viel Zeit.

München - "Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft" lautete der Titel der Landkarte, auf der – nach dem Willen der Initiatoren – alle Asylunterkünfte Deutschlands verzeichnet werden sollten. Dass es dabei nicht um reinen Informationscharakter, sondern um stumpfsinnige rechte Stimmungsmache ging, zeigten die Bezeichnungen der einzelnen Unterkünfte.

Eine Karte voller Fremdenhass

So hieß es beispielsweise bei einem ehemaligen Gasthof in Reichertshofen (Landkreis Pfaffenhofen): "Aus dem Gasthaus Däuber wird eine Asylkaschemme." In diesem Fall blieb es auch nicht bei verbalen Entgleisungen – in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag legten unbekannte an zwei Stellen an dem Gebäude Feuer. Während die Feuerwehr das Haupthaus vor dem Schlimmsten bewahren konnte, brannte ein Nebengebäude völlig aus. Die Ermittlungsbehörden gehen von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus.

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Als der Brandanschlag verübt wurde, lagen Google bereits zahlreiche Beschwerden gegen die Karte des Hasses vor. Sie alle waren sich einig, dass die #BrauneKarte den Löschungsgrund "enthält Inhalte, die zu Hass aufrufen oder gewalttätig sind" erfüllt. Bei Google wiederum war man sich da anscheinend nicht so sicher. Auch am Tag nach dem Anschlag war die Karte immer noch online.

Google zögerte tagelang, rechte Inhalte zu löschen


 

Von der AZ mit der Frage konfrontiert, ob der Brandanschlag zur Entscheidungsfindung, ob die Karte gelöscht werden solle, beitrage, wurde nur ausweichend geantwortet: "Wir werden selbstverständlich jede Karte entfernen, die gegen unsere Richtlinien verstößt und überprüfen derzeit, ob das hier der Fall ist." Anschließend passierte allerdings erstmal nichts.

Rund 24 Stunden nach dem Anschlag und mehrere Tage, nachdem Google erstmals auf das Problem aufmerksam gemacht wurde, hat man sich nun schließlich doch zur Sperrung der Karte des Hasses durchgerungen. Das ist zu begrüßen. Unverständlich bleibt jedoch, warum ein Unternehmen, das sich Toleranz und den Leitspruch "Don't be evil" auf die Fahnen geschrieben hat, so lange braucht, um offensichtlich rechtes Gedankengut von seinen Diensten zu entfernen.0

Nachtrag: Inzwischen hat Google die Karte nicht nur gesperrt, sondern dauerhaft gelöscht.

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