Boko Haram: Islamisten wollen Allgäuer köpfen!

Der Ingenieur aus Kaufbeuren ist im Juli in Nigeria verschleppt worden. Jetzt droht die Terror-Miliz Boko Haram damit, den Entwicklungshelfer hinzurichten.
| Ralph Hub
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Der Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau in einem Video.
Screenshot Der Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau in einem Video.

Die jüngste Videobotschaft von Terror-Fürst Abubakar Shekau ist unmissverständlich. „Wir haben eine Geisel aus Deutschland“, behauptet der Anführer von Boko Haram und droht, man werde den Mann zerstückeln oder erschießen.

Unbekannte haben den Entwicklungshelfer nach Polizeiangaben am 16. Juli in der Kleinstadt Gombi im Nordosten Nigerias überfallen und verschleppt. Die Zeitung „Premium Times“ berichtet, das Opfer sei der Leiter des örtlichen Berufsbildungszentrums.

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„Er hat uns viel geholfen“, sagen seine Schüler

Nach Informationen der „Deutschen Welle“ handelt es sich um Eberhard N., einen Ingenieur aus dem Allgäu. Er bildete als Lehrer arbeitslose Jugendliche aus. In seiner Freizeit half er bei der Sanierung der Wasserversorgung der Stadt. „Er kaufte sogar von seinem eigenen Geld Ersatzteile“, berichten Einheimische. Der Mann aus Bayern wird deshalb von allen geachtet und respektiert in der Gegend. Joseph Ga’anda: „Er hat uns viel geholfen.“

Ins Allgäu kam Eberhard N. nur noch zu Besuch. „Er hat hier seinen Job an den Nagel gehängt“, erzählt ein früherer Nachbar. „Seit ungefähr zehn Jahren ist er die meiste Zeit in Nigeria und hilft den Leuten dort.“

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Die Entführer haben dem Entwicklungshelfer morgens aufgelauert, als er sich auf den Weg zur Berufsschule machte. „Die Kidnapper sind auf Motorrädern gekommen und haben vor seinem Haus gewartet“, zitiert die Zeitung „Vangauard“ einen Zeugen. Samuel Gajere Zamani sah vier Männer: „Sie gingen zum Auto und stellten dem Deutschen eine Frage. Als er die Seitenscheibe herunterkurbelte, zogen sie eine Waffe.“ Anschließend brausten die Entführer mit ihm auf ihren Motorrädern davon.

Bei einer Schießerei mit den Entführern wurden zwei Dorfbewohner getötet. Ein Polizist, der eigentlich zum Schutz des Entwicklungshelfers abgestellt war, war an jenem Morgen nach Informationen der Deutschen Welle nicht zum Dienst erschienen.

Bürgermiliz soll Geisel aus der Hand der Entführer befreien

Von Eberhard N. fehlt seit fünf Monaten jede Spur. Es gibt nicht das geringste Lebenszeichen von dem Allgäuer. Seine deutschen Kollegen am Ausbildungszentrum haben das Land aus Sicherheitsgründen inzwischen verlassen. Boko Haram ist weiter auf dem Vormarsch.

In Gombi glauben viele, dass Eberhard N. ins Grenzgebiet zu Kamerun in den berüchtigten Sambisa Wald verschleppt wurde - einem Rückzugsgebiet der Terror-Miliz Boku Haram. Deren Ankündigung, die deutsche Geisel zu enthaupten, ist keine leere Drohung. Erst kürzlich wurde auf diese Art offenbar ein gefangener nigerianischer Luftwaffenpilot hingerichtet.

Über Forderungen der Geiselnehmer liegen keine Informationen vor. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte bisher lediglich die Entführung eines deutschen Staatsbürgers. Zu mehr will man sich derzeit nicht äußern.

Die nigerianischen Sicherheitskräfte haben bei ihren Ermittlungen bisher keinen Erfolg. Deshalb soll jetzt eine Bürgermiliz aus Jägern nach Eberhard N. suchen. Viele aus Gombi und Umgebung wollen sich trotz aller Risiken daran beteiligen. „Er hat hier sehr viel Gutes getan“, sagen sie.

Bereits im April hat die Terror-Miliz mehr als 200 Schülerinnen in Chibok im Nordosten Nigerias entführt. Weltweit setzten sich Prominente, darunter auch Amerikas First-Lady Michelle Obama, für die Freilassung ein. Ohne Erfolg. „Das Problem mit den Mädchen ist lange vergessen“, sagte der Boko-Haram-Anführer in einer Video-Botschaft, „die habe ich längst verheiratet.“ Shekau fügte hinzu: „In diesem Krieg gibt es kein zurück.“

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