Bistum sucht nach Jahrzehnten Missbrauchsopfer aus Heimen

Im vergangenen Jahrhundert waren in Kinderheimen Gewalt und sexueller Missbrauch an der Tagesordnung. Die Opfer leiden oftmals bis heute im Stillen. In Augsburg will nun eine neue Untersuchungsgruppe einigen von ihnen helfen.
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Schatten von Händen einer Person und dem Kopf eines Kindes sind an einer Wand eines Zimmers zu sehen. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
dpa Schatten von Händen einer Person und dem Kopf eines Kindes sind an einer Wand eines Zimmers zu sehen. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Augsburg (dpa/lby) - Die Kirche sucht nach mehr als drei Jahrzehnten Missbrauchsopfer aus zwei Kinderheimen im Landkreis Augsburg. Die Diözese Augsburg hat deswegen eine mit prominenten Juristen besetzte Projektgruppe gegründet, an die sich Betroffene wenden können. "Wir wollen Licht ins Dunkel bringen", sagte am Dienstag die ehemalige Präsidentin des Bayerischen Landessozialgerichts, Elisabeth Mette. Alle, die bisher geschwiegen haben, könnten sich nun an eine unabhängige Untersuchungsgruppe wenden, sagte sie. Mette leitet das Gremium.

Es geht insbesondere um Missbrauchsfälle im Josefsheim Reitenbuch in Fischach zwischen 1950 und 1985. Vor zehn Jahren gab es bezüglich des Heims bereits eine Untersuchung. Inzwischen sind dem Bistum 16 Opfer, 15 Männer und eine Frau, bekannt. Sie sollen sowohl sexuell missbraucht als auch körperlich misshandelt worden sein. Als Haupttäter gelten drei Priester, die inzwischen gestorben sind. Aber auch weitere Personen, beispielsweise Ordensschwestern und sogar ein Nachbar des Heims, sollen an den Taten beteiligt gewesen sein.

Dennoch will die Diözese nun noch einmal eine ganz neue Untersuchung. "Die Aufarbeitung hat einen ganz anderen Stellenwert bekommen als 2010 oder 2015", begründete dies der Diözesan-Rechtsdirektor Reiner Sroka. Mette sagte, sie könne nicht einschätzen, ob es noch weitere Opfer gebe oder nicht.

Auch Manfred Prexl, ein ehemaliger Vorsitzender Richter des Münchner Oberlandesgerichtes, arbeitet in der neuen Kommission mit. Der pensionierte Jurist hatte für das Bistum schon eine Untersuchung zu Gewalt und sexuellem Missbrauch in einem seit 1977 geschlossen Heim in Donauwörth geleitet und dort zahlreiche Fälle aufgedeckt.

Die neue Projektgruppe soll auch das Marienheim Baschenegg in Ustersbach unter die Lupe nehmen. Dort waren die kleineren Kinder untergebracht, ehe sie später ins Heim Reitenbuch kamen. Aus Baschenegg seien bislang aber noch keine Vorfälle bekannt, erklärte das Bistum. Die Untersuchung soll bis Mitte 2021 abgeschlossen sein.

Vor etwa einem Jahrzehnt war bekannt geworden, dass im vergangenen Jahrhundert in zahlreichen Heimen Kinder sexuell und körperlich misshandelt wurden. Für die katholische Kirche hat die Deutsche Bischofskonferenz Richtlinien für Entschädigungszahlungen beschlossen. In diesem Rahmen haben acht Opfer aus dem Heim Reitenbuch 73 000 Euro bekommen, weitere Fälle sind in der Prüfung.

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