"Bier-Prinz" Luitpold im AZ-Interview: "Das gab's noch nie!"

Prinz Luitpold verrät in der AZ das Geheimnis seines Jubiläumsbieres und spricht über das von seinem Urahn erlassene Lebensmittelgesetz.
| Clemens Hagen
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Wo die Ritterspiele daheim sind: Prinz Luitpold (3. v. l.) im Kreise einiger gut gerüsteter Mitarbeiter auf Schloss Kaltenberg. Das Foto ist ein Motiv aus der Wanderausstellung "Die Retter des Reinheitsgebots", die noch bis Sonntag in der Exerzierhalle in Ingolstadt zu sehen ist.
Sead Husic Wo die Ritterspiele daheim sind: Prinz Luitpold (3. v. l.) im Kreise einiger gut gerüsteter Mitarbeiter auf Schloss Kaltenberg. Das Foto ist ein Motiv aus der Wanderausstellung "Die Retter des Reinheitsgebots", die noch bis Sonntag in der Exerzierhalle in Ingolstadt zu sehen ist.

Er ist so etwas wie das lebende Aushängeschild für Bayerns Bierkultur: Luitpold Prinz von Bayern (65) ist ein direkter Nachfahre von Herzog Wilhelm IV., genannt „Der Standhafte“, der an diesem Samstag vor exakt 500 Jahren das Reinheitsgebot erlassen hat. Es ist das älteste noch geltende Lebensmittelgesetz der Welt und besagt, dass zum Brauen von Bier nur Hopfen, Hefe, Malz und Wasser verwendet werden dürfen.

AZ: Königliche Hoheit, mal Hand aufs Herz – und nicht auf die Leber: Wie viel Bier trinken Sie am Tag?

LUITPOLD PRINZ VON BAYERN: Generell würde ich sagen: Eine Halbe mittags und eine Halbe Abends – das ist eine gute Mischung. Aber es hängt natürlich immer von meinem Tagesprogramm ab.

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Erklären Sie das mal, bitte.

Nach intensivem Sport trinke ich natürlich gerne ein Weißbier, weil es ein isotonisches Getränk ist. Esse ich einen Schweinsbraten, bestelle ich dazu ein Dunkles. Und zum Dessert genehmige ich mir auch mal einen dunklen Doppelbock. Der passt geschmacklich zum Beispiel hervorragend zu einem Schokoladenkuchen.

Zum großen Jubiläum: Was empfinden Sie angesichts der zahllosen Feierlichkeiten rund um den Termin – Stolz, Verbundenheit mit der Tradition…

Zuerst einmal freue ich mich, dass das Jubiläum so groß gefeiert wird. Schön, dass es Leute in der Familie waren, die dieses Gesetz beschlossen haben. Ich glaube, die EU-Bonbon-Verordnung wird es in 500 Jahren nicht mehr geben.

Womöglich haben Sie da recht. Aber wird in 500 Jahren noch Bier getrunken werden?

Der Mensch hat sich in den letzten 30 000 bis 40 000 Jahren genetisch kaum verändert. Warum sollte sich sein Geschmack in einer, im Vergleich zur Menschheitsgeschichte, so kurzen Zeit ändern?

Was ist das Geheimnis des Reinheitsgebots?

Für einen echten Brauer ist es keine Fessel, sondern der Auftrag, sauber zu arbeiten. In ein Bier gehören Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Nichts anderes. Zucker, Mais, Enzyme, Geschmacksverstärker, künstliche Stabilisatoren oder Konservierungsmittel haben in einem guten Bier nichts verloren.

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In welche Richtung bewegt sich der Biergenuss? Was sind die großen Trends?

Es geht auf alle Fälle in Richtung der Bierspezialitäten. Die Leute haben Freude daran, bewusst gutes Bier zu trinken. Dagegen haben die Massenbiere große Marktprobleme.

Haben Sie denn zu diesem Anlass auch ein Jubiläumsbier brauen lassen?

Natürlich! Und zwar ein ganz besonderes. Das gab’s noch nie! Es wurde acht Jahre lang in einem Holzfass gelagert und während dieser Zeit von einem Biersommelier betreut.

Hui.

Wir haben verschiedene Sorten gebraut, ein Märzen, das – wie gesagt – acht Jahre in einem alten 500-Liter-Eichenfass reifte, sowie einen dunklen Doppelbock und einen Weizenbock, die jeweils vier Jahre im Fass waren.

Beschreiben Sie doch mal den Geschmack.

Sehr reichhaltig, versteht sich. Das Ganze ist ein Experiment für uns, deshalb gibt es auch nur eine Sonderedition von 8000 Flaschen…

…die es vermutlich auf Ihrem großen Fest auf Schloss Kaltenberg zu kaufen gibt.

Selbstverständlich.

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