Bayerns schönste Bibliotheken: Wo sich ein Besuch im Herbst lohnt

Der neue Bildband "Bibliotheken in Bayern" zeigt die Besonderheiten von 33 Baudenkmälern – darunter auch diese sehenswerten Beispiele.
von  Anne Hund
Einblick in die Provinzialbibliothek in Neuburg an der Donau mit dem historischen Saal.
Einblick in die Provinzialbibliothek in Neuburg an der Donau mit dem historischen Saal. © Michael Forstner/BLfD

Wenn es draußen kühler wird, ist wieder die perfekte Zeit zum Schmökern. Zu einem Streifzug durch die schönsten Paläste des Wissens lädt der neue Bildband "Bibliotheken in Bayern", den das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) innerhalb der Reihe "Genuss mit Geschichte" anpreist.

Der Bildband, herausgegeben vom Generalkonservator des BLfD, Mathias Pfeil, stellt eine Auswahl von 33 in der bayerischen Denkmalliste verzeichneten Bibliotheken vor – "von opulent ausgestatteten, zum Teil nicht öffentlich zugänglichen Kloster- und Hofbibliotheken bis hin zu modernen, funktional gestalteten Universitäts- und Staatsbibliotheken", wie es heißt.

Eine historische Reise

Viele große, bunte Fotos der jeweiligen Bauwerke machen beim Blick ins Buch Lust auf eine solche historische Reise. Die Geschichte, Architektur sowie die Ausstattung der ausgewählten Baudenkmäler werden darin ausführlich erklärt.

"Bibliotheken sind unser kulturelles Gedächtnis. Sie sind Orte der Bildung und Begegnung. Sie stiften als Teil unseres kulturellen Erbes Identität und verbinden Menschen miteinander", so Pfeil. "Wir präsentieren in unserem prächtigen Bildband denkmalgeschützte Bibliotheksbauten und -säle aus Bayern, die zu den historisch und kunsthistorisch bedeutendsten in Deutschland zählen."

Der neue Bildband.
Der neue Bildband. © Michael Forstner/BLfD

Der Bildband "Bibliotheken in Bayern" ist im Münchner Volk Verlag (304 Seiten; 59,90 Euro) erschienen. Die AZ zeigt hier eine kleine Auswahl.

Die schönsten Baudenkmäler und Geheimnisse

Die zweigeschossige Ausstattung der Provinzialbibliothek in Neuburg an der Donau gehört den Experten für Denkmalpflege zufolge gewiss zu den schönsten Werken des Barock in Süddeutschland.

Ihr künstlerischer Anspruch führe eindrucksvoll vor Augen, welche Wertigkeit man im 18. Jahrhundert Bibliotheken als Wissensspeicher beigemessen habe. "Ab 1802 wurden in der nach Plänen von Franz Moritz von Loew erbauten Kirche die Buchbestände säkularisierter Klöster zusammengeführt", teilt das BLfD weiter mit.

Das Innere wie das Äußere des Gebäudes sind "durch eleganten Rokokostuck geziert". Das "außergewöhnlich kunstvolle Mobiliar, heute dem Werk des Dominikanerbruders Valentin Zindter zuzuordnen", stamme aus der Bibliothek der Reichsabtei Kaisheim und des Dominikanerklosters Obermedlingen. "Im Zuge der Säkularisation aufgelöst, wurde deren hölzernes Mobiliar ab 1804 in den Neuburger Kongregationssaal eingepasst."

Die Provinzialbibliothek kann man bei einer Führung immer mittwochs (ab 14.30 Uhr) noch bis Ende Oktober besichtigen. Weitere Infos unter www.neuburg-donau.info.

Alte Universitätsbibliothek in Erlangen

Rückblick in die Zeit des Jugendstils: Die 1913 eröffnete Alte Universitätsbibliothek in Erlangen sei "in ihrer baulichen Zweiteilung in Verwaltungs- und Benutzerbau und Bücherhaus sowie in der konsequenten Verwendung der feuerfesten Materialien Eisen und Beton" innerhalb Bayerns "das Musterbeispiel für den modernen Bibliotheksbau jener Zeit", so das BLfD.

Das einstige Dozentenzimmer.
Das einstige Dozentenzimmer. © David Laudien/BLfD

Das Gebäude sei zu den Öffnungszeiten zugänglich (Infos gibt es hier). Verborgen bleibt Besuchern der Blick in Innenräume wie das einstige Dozentenlesezimmer (im Bildband zu sehen), wo Wandvertäfelung, Bücherregale und Arbeitstische aus schwedischer Birke gefertigt seien.

Führungen im Kloster Metten

Die Mettener Klosterbibliothek bei Deggendorf zählt zu den wichtigsten barocken Bibliotheken des 18. Jahrhunderts. Man schreite "durch eine prächtige Portalrahmung aus verschiedenfarbigem Stuckmarmor, flankiert von großen Stuckfiguren: die Allegorie der Weisheit mit Buch und Lorbeerkranz auf der einen, die Allegorie der Religion mit Kreuz und Fackel auf der anderen Seite".

Die Bibliothek entstand zwischen 1722 und 1726 "durch eine völlige Neugestaltung der Räumlichkeiten des frühen 17. Jahrhunderts", so das BLfD. Führungen finden in der Regel dienstags bis samstags (10  Uhr und 15 Uhr) und sonntags (15 Uhr) statt. Weiterführende Informationen sind hier zu finden.

Historischer Saal in Bamberg

Das Zentraljustizgebäude am Wilhelmsplatz in Bamberg entstand zwischen 1900 und 1903. "Den Entwurf für den monumentalen Prachtbau im Stil der Renaissance fertigte der königlich bayerische Baubeamte Hugo von Höfl."

Stuckdecke und Schnitzdekor.
Stuckdecke und Schnitzdekor. © David Laudien/BLfD

Das äußere Erscheinungsbild unterstreiche "den zeitgenössischen Gestaltungswillen im großstädtischen Gestus der Gründerzeit". Im historischen Bibliothekssaal dürften die "kassettierte" Stuckdecke und die umlaufenden Bücherregale mit Schnitzdekor viele Architekturfans begeistern. Die VHS bietet geführte Rundgänge, teils mit Blick auch in den Bibliothekssaal.

Schmuckstück in Ottobeuren

Im Zuge des barocken Neubaus des (laut Überlieferung 764 gegründeten) Klosters entstanden ab 1711 die Konventgebäude, so das BLfD. "Der lichtdurchflutete Saal der Bibliothek als meisterlich inszenierter Prunkraum war 1718 fertiggestellt."

Ein Saal voller Prunk.
Ein Saal voller Prunk. © David Laudien/BLfD

Die Stuckaturen und 44 Stuckmarmorsäulen, die eine "umlaufende Galerie mit marmorierter Balustrade" tragen, stammen von Johann Baptist Zimmermann. Die Deckengemälde "mit der Ankunft des Heiligen Benedikt auf dem Monte Cassino“ schuf Elias Zobel.
Die Bibliothek sei Teil des Klostermuseums und zu dessen Öffnungszeiten öffentlich zugänglich, informiert das BLfD.

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