Beschwerde wegen Lärm – kurioser Glockenstreit am Bodensee
Ein ungewöhnlicher Streit um nächtlichen Lärm spielt sich gerade in der beschaulichen Bodenseestadt Lindau ab: Nach einer Anwohnerbeschwerde und einer anschließenden Immissionsmessung durch das Landratsamt Lindau hat die Stadt nach eigenen Angaben die Stromversorgung der beiden Rathausuhren und des Schlagwerks der Glocken unterbrochen. "Die Uhren am Alten Rathaus auf der Lindauer Insel stehen seit Mittwoch, 28. Oktober, vorübergehend still", teilte die Kommune konkret mit. Dabei gehört der Uhrenschlag seit Generationen zur historischen Lindauer Altstadt.
Einem Anwohner war der nächtliche Glockenschlag aber zu laut. Die Stadt hat auf die Beschwerde hin den Pegel messen lassen – und kam zu einem überraschenden Ergebnis: Die Messung habe "erhebliche Überschreitungen der zulässigen Immissionswerte für die Nachtzeit von 22 bis 6 Uhr" ergeben, heißt es in der Mitteilung. "Der zulässige nächtliche Richtwert wurde um 13 Dezibel überschritten, der zulässige nächtliche Spitzenpegel um bis zu acht Dezibel."
Altes Rathaus in Lindau: Warum schaltet die Stadt die Uhren ab?
Dem Landratsamt Lindau zufolge lägen damit schädliche Umwelteinwirkungen im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes vor. Die Stadt sei daher aufgefordert worden, "den Uhrschlag auf den Zeitraum zwischen 6 und 22 Uhr zu begrenzen". Die Umsetzung sei rechtlich vorgeschrieben. Sprich, der nächtliche Uhrenschlag soll künftig dauerhaft unterbleiben.
Doch warum stehen die beiden Uhren am Alten Rathaus seit Mittwoch gänzlich still, dürften sich viele in Lindau gefragt haben. "Da der Stadt derzeit keine Schaltpläne für die Anlage vorliegen, war eine getrennte Abschaltung des Schlagwerks nicht möglich", so die Stadt ganz pragmatisch zu den Hintergründen. Man arbeite "an einer technischen Lösung", hieß es zudem, "damit die Zifferblätter wieder betrieben werden können und das Schlagwerk tagsüber zwischen 6 und 22 Uhr wieder ertönt". Zu welchem Zeitpunkt dies erfolgen solle, ließ die Stadtverwaltung zunächst offen.
Weitere Attraktion: das Glockenspiel am Neuen Rathaus
Mit dem Lindauer Glockenspiel am Neuen Rathaus nebenan hat das besagte Schlagwerk hingegen nichts zu tun, wie örtliche Medien berichteten. Demnach war das als Touristenattraktion bekannte Lindauer Glockenspiel, das zweimal am Tag zu hören ist, zuletzt zwar außer Betrieb gewesen – inzwischen erklinge es aber wieder.

Streitigkeiten wegen Lärm: von Kirchenglocken bis zum Geläut von Kuhglocken
Was Beschwerden wegen Glockenlärms betrifft, kommt es nicht selten zum Streit. Vor Gericht landete etwa der Fall eines nahe der katholischen Pfarrkirche lebenden Bewohners im Landkreis Kelheim, dem das viertelstündliche Zeitschlagen der Kirchenglocken zwischen 6 und 22 Uhr viel zu laut war. Er klagte deswegen – allerdings ohne Erfolg, denn das Landgericht Regensburg wies die Unterlassungsklage in erster Instanz ab. Der Mann ging gegen diese Entscheidung in Berufung und scheiterte – im Mai 2024 – auch vor dem Oberlandesgericht Nürnberg. Der Anwohner führte zu seiner Klage aus, das Glockenläuten führe bei ihm zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Dagegen entschied das Gericht, die Geräusche des Zeitläutens überschritten nicht die Grenze der Zumutbarkeit.
In Holzkirchen beschäftigte derweil ein Streit um das Geläut von Kuhglocken die Gerichte durch mehrere Instanzen. Im Jahr 2020 hatten sich dann ein Ehepaar und eine Bäuerin vor dem Oberlandesgericht München auf einen Vergleich geeinigt. Das Ergebnis damals lautete: Höchstens drei Kühe dürfen dort Glocken tragen, mit einem Durchmesser von maximal zwölf Zentimetern und einem Zentimeter Toleranz; zudem dürfen die Tiere nur in einem bestimmten Teil der Weide grasen.
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