Hitler wollte damit Staatsgäste beeindrucken: So steht es um Berchtesgadens Bahnhof
Der letzte Fernzug kam pünktlich. Um 17.07 Uhr rollte der Intercity "Königssee" am 21. September 2025 in den Berchtesgadener Hauptbahnhof. Danach nie wieder. Seither endet hier nur noch eine Nebenbahn. Vor einem Gebäude, das für ganz andere Gäste gebaut wurde.
Dem Bahnhof sieht man an, wie wenig er zu seinem Alltag passt. Rund 20 Nahverkehrszüge halten hier täglich. Der Fahrkartenschalter ist seit Anfang 2025 geschlossen und die Unterführung zu den Bahnsteigen weiterhin nicht barrierefrei. Darüber thront ein Empfangsgebäude mit Rundturm und Natursteinrahmen.
In der Halle eilen Pendler und Wanderer an großen Fresken der Malerin Maria Harrich vorbei. Ob diese zur Eröffnung 1940 entstanden sind oder erst 1951, ist bis heute nicht ganz geklärt.
Was Hitler mit dem Bahnhof zu tun hatte
Zurück ins Jahr 1937: Der erste Bahnhof war 1888 neben der Saline Frauenreuth eröffnet worden, teils gebaut aus Marmor vom nahen Kälberstein. Den neuen Machthabern genügte er nicht mehr.

Seit Adolf Hitler auf dem Obersalzberg residierte, reisten Staatsgäste an, und die Reichsbahn wollte ihnen ein Portal bieten. Das alte Stationsgebäude, das Post- und Telegrafenamt und das benachbarte Bahnhofshotel wurden abgerissen.
Am 29. März 1939 feierte man Richtfest, am 1. Februar 1940 wurde der Neubau eröffnet: Neoklassizismus mit Heimatstil-Anstrich, ein angebautes Postamt und fünf Bahnsteiggleise.
Ein Hotel und eine Kapelle müssen weg
Östlich entstand ein 240 Meter langer, zweigleisiger Tunnel für eine Hauptbahn nach Salzburg. Für ihn mussten das Hotel "Krone" und eine Kapelle weichen. Die Strecke wurde nie gebaut, der Tunnel steht bis heute.
Nach dem Krieg ging es abwärts. 1965 fuhr die Königsseebahn zum letzten Mal. Die Güteranlagen verschwanden, der Lokschuppen wurde abgebrochen, und seit 2021 wird der Bahnhof aus einem Stellwerk in Freilassing ferngesteuert.

Am längsten hielt sich der Fernverkehr: Mehr als 80 Jahre lang fuhren D-Züge, Fernschnellzüge und Intercitys von hier in fast jeden Winkel der Republik. Zuletzt blieb nur der "Königssee" nach Hamburg-Altona. Als im September 2025 die Sanierung der Steilstrecke bei Hallthurm begann, war auch für ihn Schluss. Zu wenige Fernreisende, begründete die Deutsche Bahn.
Das Empfangsgebäude: Burger und Sprechstunden
Das Empfangsgebäude war da längst in privater Hand. "Der Bahnhof war über Jahrzehnte hinweg sehr verkommen", sagte der damalige Bürgermeister Franz Rasp 2015. Mitte der 2010er-Jahre verkaufte die Bahn das Gebäude an den Münchner Investor Ralph Müller, der die Fassade gelb streichen und 40 Scheinwerfer an der Dachkante montieren ließ.

Ins Haus zog ein Kegel- und Bowlingcenter, betrieben von dem Unternehmer Klaus Satra. Inzwischen gehört Satra der Bahnhof selbst. Wo einst Staatsgäste empfangen werden sollten, gibt es heute Burger und Sprechstunden: Im früheren Postamt brät ein Burger King, in den Obergeschossen praktizieren Ärzte. Über dem Eingang kündigt das Mosaik von 1937 noch immer eine Post an, die längst ausgezogen ist.
Könnten Züge bis Berchtesgaden Ost rollen?
Am Westende überspannt ein 80 Meter langer Fußgängersteg die Gleise, acht Meter hoch und Teil des Baudenkmals. Seit Herbst 2015 ist er gesperrt, die Holzbohlen sind längst entfernt, übrig ist ein Stahlgerippe.
Rund 700.000 Euro hatte die Gemeinde damals für eine Sanierung veranschlagt. Passiert ist nichts. "Wir müssen das Bauwerk erhalten, weil es offiziell unter Denkmalschutz steht", sagte Geschäftsleiter Anton Kurz noch 2024. Erhalten heißt in Berchtesgaden in diesem Fall: stehen lassen.

Anfang 2025 beauftragte Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) die Bayerische Eisenbahngesellschaft zu prüfen, ob Züge wieder durch den alten Tunnel bis Berchtesgaden Ost fahren könnten. Das wäre knapp ein Kilometer, bis zu Gymnasium, Salzbergwerk und Watzmann-Therme.
Der damalige Landrat Bernhard Kern sprach von "hochkarätigen Tourismusmagneten". Die Hürde ist hoch: Nach den bayerischen Kriterien müssten auf dem kurzen Abschnitt im Schnitt mindestens 1000 Fahrten pro Werktag zusammenkommen. Das Ergebnis steht noch aus.
Bis dahin bleibt der Hauptbahnhof, was er seit einem Jahr ist: ein Prellbock mit einem Palast dahinter.
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