Beliebte Wanderhütte in Bayern: Pächterin schmeißt vor Eröffnung hin

Die Zukunft der nach einem Brand im Vorjahr neu errichteten Kissinger Hütte in der Rhön beschäftigt viele Menschen in der Region. Viele Wanderer dürften sich auf die Eröffnung der wiederaufgebauten Hütte schon gefreut haben.
Ein wenig Geduld müssen sie angesichts der aktuellen Situation wohl weiterhin mitbringen. Die neue Pächterin der Hütte, die 21-jährige Beverly Borg, hat jüngst ihren Rückzug öffentlich gemacht – noch vor der Eröffnung.
"Heute teilen wir euch mit, dass wir als Pächter raus sind", schrieb sie in der vorigen Woche in einem Beitrag auf der Facebook-Seite ihres Kiosks an der Hütte, in welchem sie vor allem den Stand des Baus beanstandete.
Neue Pächterin bemängelt Bauzustand
So sei beispielsweise die Küche "noch nicht (…) fertig", hieß es in ihrem damaligen Facebook-Beitrag unter anderem. "Eigentlich ist da oben noch Baustelle."
Immer wieder seien sie "vertröstet" worden, "was den Eröffnungstermin betrifft, aber auch mit Änderungen am Umbau wie Theke und Küche", kritisierte die 21-Jährige via Facebook beispielsweise.
Und drückte an der Stelle ihr Engagement und Bedauern aus: "Es ist sehr schade, wie sich das alles entwickelt hat, vor allem, weil wir viel Geld, Zeit und Nerven investiert haben."
Rhönklub Bad Kissingen will sich zu Details nicht äußern
Der Rhönklub Bad Kissingen, der die vereinseigene Hütte verpachtet, reagierte auf den Rückzug in einer Stellungnahme, die der AZ vorliegt: "Am 27. Oktober teilte uns Beverly Borg mit, dass sie nicht mehr als Pächterin der Kissinger Hütte zur Verfügung steht", heißt es darin.
Der Rhönklub akzeptiere diese Entscheidung. Und weiter: "Mit Unverständnis haben unsere Architekten, Fachplaner und wir die Darstellung der Gründe in den sozialen Medien zur Kenntnis genommen, hierzu werden wir uns allerdings nicht äußern."
Die AZ hat Manfred Egert, den Vorstand des Wander- und Heimatvereins Rhönklub Bad Kissingen, am Telefon erreicht. Auch er will die Angelegenheit nicht persönlich kommentieren.
Positive Resonanz bei Einweihung?
Die offizielle Einweihung der neuen Kissinger Hütte habe am 22. und 23. Oktober stattgefunden, schildert der 68-Jährige jedoch im Gespräch mit der Abendzeitung – es seien rund 500 geladene Gäste in der Hütte gewesen, sagt er. "Und es gab eine durchaus positive Resonanz."
Die ursprünglich für den 24. Oktober vorgesehene Eröffnung sei "zeitlich nach hinten verschoben" worden, gibt Manfred Egert an, "weil für die Entlüftung der Küche der Einbau einer Brandschutzklappe nachträglich verändert werden musste".
Und inzwischen? "Die Brandschutzklappe ist da, sie ist im Einbau und muss noch von einem Brandschutzprüfer freigegeben werden" – dies könne sich noch zwei bis drei Wochen hinziehen. "Währenddessen werden wir auch noch die letzten Arbeiten an der Hütte erledigen", so Egert.
Tag der offenen Tür im Dezember geplant
Wie wird es in den kommenden Wochen weitergehen? An einem Sonntag im Dezember plane man einen Tag der offenen Tür mit Bewirtung, "um jedem die Chance zu geben, die Hütte zu besichtigen", teilte der Rhönklub Bad Kissingen mit. An diesem Tag werde die Kissinger Hütte "in ihrer vollen Funktionalität vorgestellt".
Außerdem teilte der Verein mit: "Aufgrund der Situation suchen wir neue Pächter, Bewerbungen können ab sofort über den Rhönklub eingereicht werden." Manfred Egert sagte der AZ: "Wir gehen davon aus, dass wir bis zum Frühjahr einen Pächter gefunden haben und dann die Hütte samt Gastronomie öffnen kann."
Kissinger Hütte nach Großbrand einst zerstört
Bei einem Großbrand am 18. März 2025 war die 111 Jahre alte Kissinger Hütte zerstört worden. Der Verlust hatte in der Region bei vielen Menschen großes Bedauern ausgelöst. Der Wander- und Heimatverein hatte die Kissinger Hütte daraufhin neu errichten lassen.
Modernisierungsmaßnahmen wie zum Beispiel eine Photovoltaikanlage auf dem Dach konnten ebenfalls realisiert werden. Auch Spendengelder waren gesammelt worden. Die Gesamtkosten für den Neubau der Hütte liegen dem Rhönklub zufolge bei rund fünf Millionen Euro.