Bekanntes bayerisches Multiple-Sklerose-Zentrum ist finanziell gerettet
Die Marianne-Strauß-Klinik in Kempfenhausen ist auf die Diagnose und Behandlung der Multiplen Sklerose spezialisiert. Die über dem Starnberger See gelegene Klinik umfasst 120 vollstationäre Betten, 15 teilstationäre Plätze und eine Ambulanz, hinzukommen 31 Betten der Pflegeeinrichtung.
Die Klinik ist nach eigenen Angaben das zweitgrößte Fachkrankenhaus für Multiple Sklerose bundesweit. Etwa 240 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Doch voriges Jahr hatte die gemeinnützige GmbH, unter deren Leitung das Krankenhaus betrieben wird, beim Amtsgericht Weilheim ein "Schutzschirmverfahren" beantragt – quasi ein Insolvenzverfahren in Eigenregie unter Aufsicht.
Auf dem Gelände wird seit Jahren gebaut
Ziel des Verfahrens sei es, "die Betreibergesellschaft der Marianne-Strauß-Klinik und des Pflegeheims ‚Haus der Freunde’ nachhaltig zu sanieren", hieß es Ende Juni 2025 in einer Mitteilung. Die Gründe für die Entscheidung seien "auf gestiegene Kosten für unter anderem Energie, Sachmittel und unseren Klinikneubau zurückzuführen".
Die MS-Klinik befand sich zum damaligen Zeitpunkt bereits im Umbau. Auf dem Gelände wird seit Jahren gebaut. Erst im Frühjahr 2025 war die neue Tagesklinik in einem mehrgeschossigen neuen Anbau eingeweiht worden – mit Praxis-, Patienten- und Mitarbeiterräumen. Auch über neu entstandene Pflegeplätze im "Haus der Freunde" freute man sich. Im Altbau befindet sich inzwischen eine neue Station – auch von weiteren geplanten Umbauten war die Rede.

Bei einem Pressetermin am Donnerstag wurde jetzt bekannt: "Zum 29. Januar 2026 übernimmt die Artemed Gruppe aus Tutzing die Trägerschaft für das Behandlungszentrum Kempfenhausen für Multiple Sklerose Kranke gGmbH – inklusive der Übernahme aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewohnten Konditionen."
Damit entstehe "ein Netzwerk in der Gesundheitsversorgung neurologischer Patienten, das in der Region einzigartig" sei, heißt es weiter in der Mitteilung. Die Rede ist darin auch von einem "erfolgreichen Ende" des Sanierungsverfahrens.
Artemed übernimmt Trägerschaft der Marianne-Strauß-Klinik
Sándor Mohácsi, Geschäftsführer der Behandlungszentrum Kempfenhausen für Multiple Sklerose Kranke gGmbH, sagte: "Die Artemed ist uns natürlich schon allein durch die geografische Nähe bestens vertraut. Gleichzeitig hat sie sich in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland einen Namen als stetig wachsende Klinikgruppe gemacht."
Die bisherigen Gesellschafter seien "alle froh, dass die Versorgung für die Patienten in der Klinik weiter gesichert ist und dass die Arbeitsplätze der rund 250 Mitarbeiter erhalten werden können", sagte der Bezirkstagspräsident von Oberbayern, Thomas Schwarzenberger, auf AZ-Nachfrage.
Im Vorfeld habe es auch Gespräche zwischen dem Insolvenzverwalter, dem Bezirk Oberbayern und der Landeshauptstadt München gegeben, schilderte er. Aber: "Für den Bezirk waren die Rahmenbedingungen nicht so, dass wir die Klinik zu 100 Prozent übernehmen konnten."
Deshalb sei der Insolvenzverwalter in eine Ausschreibung gegangen und habe nun den neuen Gesellschafter, die Artemed, gefunden. Zum Hintergrund: Die 1982 gegründete gemeinnützige GmbH hatte bisher – mit der Landeshauptstadt, dem Bezirk Oberbayern, dem Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) und der Deutschen MS-Gesellschaft – insgesamt vier Gesellschafter mit jeweils unterschiedlichen Anteilen. Doch durch die finanzielle Schieflage hatte die GmbH die Durchführung des Schutzschirmverfahrens beantragt.
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