Beim Spaziergang im Park: Wie groß ist die Cannabis-Gefahr für Hunde?
Labrador-Rüde Toni (5) ist ein echter Wonneproppen. Sanft stupst er mit der Schnauze gegen die Hand, wenn er ein Leckerli will, gibt auf Kommando Pfötchen und spielt mit jungen Hunden so liebevoll und vorsichtig, dass man ihn einfach gern hat. Besonders fröhlich ist er beim Spazierengehen. Zum Beispiel an der Isar – oder in den vielen Grünanlagen, wo der Vierbeiner auch brav an der Leine gehen kann.
Was man als Hundehalter nicht immer mitbekommt, ist das, was der Vierbeiner womöglich im Gebüsch oder beim Schnüffeln auf dem Rasen mit der Schnauze aufgreift. In einem ungesehenen Moment ist es schnell passiert, und der Hund frisst etwas vom Boden. Und so hätte ein harmloser Spaziergang für Labrador Toni übel enden können.
Wenn der Hund plötzlich etwas vom Boden frisst
Es passierte an einem Grünstreifen. "Ich bin von Großhadern aus mit Toni spazieren gegangen, am Rande des Forstenrieder Parks an der Münchner Stadtgrenze", schildert Hundebesitzerin Monica Cusan. Es war bereits halbdunkel. Sie konnte nicht sehen, was ihr verfressener Labrador dort beim Gassigehen im Gebüsch in Sekundenschnelle aufschnappte.

Kaum waren sie daheim angekommen, verhielt sich der Hund "fast apathisch", blickt die Münchnerin auf diesen Moment zurück. "Er starrte mich an, ohne die übliche Regung oder Begrüßung." Toni habe in seinem Körbchen gelegen und im Liegen mehrfach gepinkelt – dabei ist er längst stubenrein.
"Wir haben ihn gerufen und geschaut, wie er reagiert, und er ist aufgestanden, aber er war wackelig auf den Beinen." Ihr erster Gedanke sei gewesen, dass Toni einen Giftköder oder etwas Ähnliches gefressen haben könnte, so Monica Cusan. "Deshalb bin ich sofort mit ihm in die Tierklinik nach Oberhaching gefahren."
Nach der Gassi-Runde ging es dem Hund gar nicht gut
Ihr schnelles Handeln war genau richtig – denn die Tierärzte vermuteten, dass der Hund bei dem von ihr geschilderten Vorfall beispielsweise auf weggeworfene Jointreste oder Ähnliches gestoßen sei.
Das kann für Hunde durchaus gefährlich werden. "Sie haben ihm eine Infusion gegeben, damit er genügend Flüssigkeit hat – und sie haben zu uns gesagt, dass je nachdem, wie viel er davon gefressen hat, es auch lebensbedrohlich für ihn sein kann", schildert die Hundebesitzerin nach dem Besuch mit Toni in der Tierklinik. "Deshalb haben wir ihn zur Überwachung in der Nacht dort gelassen."
Labrador Toni hatte Glück: Am nächsten Vormittag sei der Anruf von der Tierklinik gekommen, dass es ihrem Hund wieder gut gehe, so die Münchnerin, und dass sie ihn abholen könne. "Ich war sehr erleichtert, denn Toni ist für uns wie ein Familienmitglied", sagt sie – "wir sind für ihn verantwortlich."
Hunde, die mit entsprechenden Symptomen in die Tierklinik gebracht werden, sind längst kein Einzelfall mehr. Möglicher Grund: Cannabis. Denn Hunde können dadurch eine THC-Vergiftung erleiden.
Gibt es seit der Legalisierung eine Häufung der Fälle? Die AZ hat sich bei der Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) erkundigt. "Subjektiv haben wir auf jeden Fall eine Häufung", sagt René Dörfelt, leitender Oberarzt des Service Intensiv- und Notfallmedizin. "Wir haben beobachtet, dass seit der Legalisierung etwa viermal so viele Fälle wie vorher aufgetreten sind", schildert er. "Je nach Witterung können es mehrere Hunde pro Woche sein, die in der Tierklinik vorgestellt werden."

Mögliche Cannabis-Gefahr für Hunde im Park
Die Kleintierklinik der LMU ist nah am Englischen Garten gelegen, wo im Frühling wieder zahlreiche Spaziergänger mit ihren Zamperln unterwegs sind. Wie kommen die Hunde beim Spaziergang in Grünanlagen oder Parks mit Cannabis-Produkten in Berührung?
Jeder Fall sei anders gelagert, sagt Experte René Dörfelt. „Oft wissen wir nicht, wie das Cannabis aufgenommen wurde. Es kann in manchen Fällen vorkommen, dass ein Hund zum Beispiel den Stummel oder den gesamten Joint gefressen hat. Oder auch einen Haschkeks vom Boden oder aus der Schachtel.“ Es könne jedoch auch passieren, dass Hunde das THC über den menschlichen Kot oder Erbrochenes aufnehmen.
Experte über mögliche Symptome bei Hunden
Welche Symptome können bei den Hunden auftreten – und wie gefährlich kann das für sie sein? "In vielen Fällen hat die Aufnahme des THC bei Hunden keine schwerwiegenden Folgen", so René Dörfelt. "Häufig treten Schwanken, Ataxie, Desorientiertheit und Unter-sich-urinieren auf."
Des Weiteren sei oft eine Schreckhaftigkeit bei den Hunden zu beobachten. "In einigen Fällen kann es zu Herzrasen, aggressivem Verhalten und Krampfanfällen kommen. Dann wird es richtig problematisch – und im Zweifel sogar lebensbedrohlich für den Hund."
Was Hundehalter wissen sollten
Was können Hundehalter im ersten Moment tun? Man sollte den Vierbeiner in eine "reizarme Umgebung" bringen, wo er zur Ruhe kommen könne, empfiehlt Dörfelt. "Im Zweifel und besonders bei schwerwiegenden Symptomen sollte man den Hund schnell zum tierärztlichen Notdienst bringen."
Denn THC wirkt bei Hunden rasch. "Bis die Vergiftungssymptome beim Hund auftreten, vergehen in der Regel nur wenige Minuten bis Stunden", sagt der Fachtierarzt und europäische Spezialist für veterinärmedizinische Intensiv- und Notfallmedizin. "Nach etwa zwölf bis 24 Stunden sind geringe Symptome oft wieder weg. Sprich, die Symptomdauer liegt oft bei weniger als einem Tag."
Wie lässt sich eine THC-Vergiftung bei Hunden feststellen?
Wie kann man Hunde auf THC testen? "Die für Menschen hergestellten Urintests sind bei Hunden in der Regel nicht aussagekräftig", so Dörfelt. "Wie zuverlässig Speicheltests beim Hund sind, ist aktuell noch unklar."
Häufig arbeiteten Tierärzte deshalb symptomorientiert, sagt er, "sprich, wenn der Hund entsprechende Symptome aufweist und die Vorgeschichte damit übereinstimmt, behandeln wir ihn mit Infusionen, krampflösenden Medikamenten und gegebenenfalls weiteren Maßnahmen." Auch ein Bluttest sei möglich. Doch bis das Ergebnis feststehe, müsse man mehrere Tage lang warten, so Dörfelt.
"Relativ viele Patienten mit schweren Symptomen werden stationär für einen Tag in die Tierklinik aufgenommen“, so der Experte. Im Notdienst könne das teuer werden. Die damit verbundenen Kosten könnten für Hundebesitzer "im Bereich von mehreren Hundert Euro oder sogar höher" liegen.
