Bayerns Promi-Makler packt aus: So viele Immobilien verkauft er geheim
Luxusmakler Oliver Herbst von Immovision ist auf See-Villen und diskrete Immobilienverkäufe spezialisiert. Unter seinen Kunden: Promis, Fußballspieler, Prinzessinnen und Scheichs. Die AZ hat sich mit ihm über "Secret Sales" unterhalten, also Immobilien-Deals, die geheim über die Bühne gehen.
AZ: Herr Herbst, auf Ihrer Makler-Internetseite sind aktuell diverse Immobilien als "Secret Sale" gelistet. Was hat es damit auf sich?
OLIVER HERBST: Wir haben sehr oft Immobilienbesitzer aus dem öffentlichen Leben, Prominente, Fußballer, aus der Industrie oder Politik. Sie möchten mit ihrem Verkaufsvorhaben unter dem Radar fliegen und geschützt werden. Umgekehrt haben wir auch Kunden, die unter dem Radar bleiben wollen und nicht möchten, dass ihr Kauf an die große Glocke gehangen wird. Als Beispiel: wenn ein namhafter Bayernspieler aus England eine Immobilie sucht.
Weil er nicht möchte, dass man weiß, wo er wohnt oder wie viel Geld er dafür ausgeben kann?
Beides! Grundsätzlich möchten solche Menschen nicht, dass ihre Suche und auch Zahlen öffentlich werden. Und natürlich auch nicht, dass Leute plötzlich vor dem Objekt stehen. Das trifft nicht nur auf Prominente zu, es gibt auch viele andere schützenswerte Personen. Wir haben Besichtigungen, bei denen Bodyguards dabei sind. Genauso gibt es teilweise Sicherheitsvorgaben an die Immobilien. Ein Beispiel: Bei der Vorständin einer bekannten Versicherung mussten die Scheiben des Penthouses kugelsicher sein. Es geht also einerseits um den persönlichen Schutz der Privatsphäre, aber andererseits auch um realen Schutz.

Bei den aktuellen Angeboten sind teilweise verschwommene Bilder der Gebäude dabei. Ist das dann nur "halb-secret"?
Es gibt verschiedene Stufen von Secret Sales. In der ersten Stufe möchten Verkäufer nicht, dass etwa ihre Nachbarn vom Verkauf erfahren. In diesem Fall werden die Bilder oftmals nur geblurrt oder eine Impression der Umgebung veröffentlicht. Die nächste Stufe ist, dass wir genau hinschauen, wer die Immobilie anfragt. Manchmal gibt es hier auch böses Blut, wenn jemand ein Angebot für 35 Millionen anfragt und nicht versteht, warum wir das Exposé nicht einfach so verschicken.
Anfragen: "Wir müssen prüfen, wer dahintersteckt"
Warum?
Wir müssen prüfen, wer dahintersteckt. Es könnte ja auch jemand sein, der nur das Exposé mit den Grundrissen einsammeln und wissen will, wo das Schlafzimmer ist oder der Safe steht. Eine unserer Aufgaben ist zudem, die Bonität eines Interessenten zu prüfen.
Den Verkauf an eine bekannte deutsche Schlagersängerin zum Beispiel haben wir komplett geheim abgewickelt
Gibt es auch Immobilien zum Verkauf, die überhaupt nicht in der Öffentlichkeit auftauchen?
Das ist unsere Spezialität. Den Verkauf an eine bekannte deutsche Schlagersängerin zum Beispiel haben wir komplett geheim abgewickelt. Das kam erst viel später – aus anderen Gründen – raus. Letztes Jahr haben wir drei Immobilien im Bereich von 30 Millionen Euro völlig ohne Außenwirkung erfolgreich verkauft. Das Geheimnis ist, dass wir wie ein kleiner Marktplatz funktionieren. Wir haben den Kundenstamm schon und müssen ihn nicht erst mühsam über Werbung suchen.
Wenn Interessenten plaudern: 50.000 Euro Strafe!
Wie stellen Sie sicher, dass niemand plaudert? Etwa von Ihren Mitarbeitern oder Interessenten, die die Immobilie am Ende nicht gekauft haben?
Wir sind ein kleines Team, mein längster Mitarbeiter ist seit 30 Jahren dabei, die kürzesten seit zehn Jahren. Ich weiß, dass ich mich auf sie verlassen kann. Aber sie müssen natürlich auch etwas unterschreiben. Bei Interessenten plaudern die meisten ohnehin nicht. Schon aus eigenem Interesse, denn sonst schaffen sie sich selbst im solventen Freundeskreis womöglich Konkurrenz. Bei der dritten Stufe von Secret Sales müssen Interessenten außerdem eine Vertraulichkeitserklärung unterschreiben, bevor sie überhaupt eine Adresse oder ein Bild bekommen. Mit einer Vertragsstrafe von 50.000 Euro.

Was würden Sie schätzen: Von wie vielen solcher Immobilien-Deals in Bayern bekommt die Bevölkerung überhaupt nichts mit?
Wir verkaufen jedes Jahr zwischen 50 und 100 Immobilien, davon sind zehn Prozent Secret Sales. Fünf bis zehn solcher Immobilien werden also allein über unser Portal verkauft.
Seezugang oder Hubschrauber-Landeplatz: "Es gibt unfassbar imposante Immobilien"
Was macht diese teuren Immobilien aus?
Sie haben oftmals große Grundstücke und viel Wohnfläche. Aber vor allem auch einen begnadeten Standort etwa mit direktem Seezugang, Bootshaus, Haupt- und Gästehaus. Bei Landsitzen kann auch ein Hubschrauber-Landeplatz inkludiert sein, zudem verschiedene Häuser und Bereiche für Wellness und die Autosammlung. Es gibt unfassbar imposante Immobilien.
Die Größe macht es also?
Nicht nur. Wir hatten auch schon eine Immobilie mit 320 Quadratmetern, die auch knapp 30 Millionen Euro gekostet hat. Die Immobilienpreise entwickeln sich analog zu der Situation in Deutschland: Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Was ich nicht befürworte, das ist eine sehr beunruhigende Entwicklung.
"Ich kann diese Geheimnisse gut hüten"
Kommt es auch mal zu einem Secret Sale, weil jemand Geldprobleme hat und diese nicht öffentlich werden sollen?
Es gibt so viele Hintergründe! Darüber darf ich leider nicht reden. Ich kann diese Geheimnisse gut hüten, ich habe 30 Jahre Training (lacht). Umgekehrt weiß ich aber auch oft vor allen anderen, wenn es einen Trainerwechsel beim FCB gibt oder wenn ein neuer Spieler kommt – über ein neues Gesuch.

Wenn im Nachgang ein geheimer Hauskauf doch rauskommt, sind dann Sie schuld?
Wenn ein Promi ein Haus kauft und dann seinen Briefkasten leert oder zu Fuß aus der Haustür rausläuft, wird er von den Nachbarn schon mal gesehen. Ein Bayern-Spieler wurde mal von den Nachbarskindern erkannt. Mei, es gibt Gärtner, Kaminkehrer, Installateure – manchmal gibt es eben undichte Stellen. Aber wir sind es nicht.
Was sich in 30 Jahren in der Luxusbranche geändert hat
Was hat sich in der Luxusbranche in den 30 Jahren Ihrer Karriere verändert?
Jüngere Kollegen setzen heute auf Social Media, aber ich finde, Secret Sales sind dort falsch aufgehoben. Das gehört nicht in die Öffentlichkeit. Früher waren zudem Schlösser und Burgen hoch im Kurs, Unternehmer wollten damit noch repräsentieren. Heute bevorzugen junge Kunden eher ein Penthouse in der Stadt für 20 Millionen. Bei der Ausstattung in privaten Villen ist ein Lift mittlerweile Standard, früher war es eher der Pool. Trotz meiner langen Berufserfahrung bin ich auch immer wieder überrascht, was es alles gibt. Ich bin nicht nur von immenser Ausstattung beeindruckt, sondern von den meist sehr geerdeten Menschen oder auch von kleinen Details oder der Schönheit der Natur an diesen einmaligen Standorten.
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