Bayerns Bevölkerung wächst – und wird älter

An der Frage, ob es künftig mehr oder weniger Menschen in Bayern geben wird, ob die Älteren überwiegen oder mehr Kinder zur Welt kommen, hängt vieles. Gibt es noch genügend Beitragszahler für die Renten der Älteren? Sollen die Kommunen mehr Kindergärten bauen, oder sind vielleicht die bestehenden künftig schon zu viel? Wie viele Krankenhäuser und Seniorenheime werden benötigt? Das Statistische Landesamt hat für Bayern folgende Antwort gegeben: Die Bevölkerung im Freistaat wächst in den nächsten Jahren moderat - allerdings nicht überall und nicht überall gleich schnell.
Insgesamt werde den Vorausberechnungen des Statistischen Landesamtes zufolge die Zahl der Menschen zwischen Hof und Garmisch-Partenkirchen von 13,25 Millionen im Jahr 2024 auf 13,53 Millionen im Jahr 2044 nach oben gehen, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in Fürth - ein Zuwachs von 2,1 Prozent. Herrmann nannte den Arbeitsmarkt und die Kriminalitätsrate als Standortvorteile des Freistaats.
Guter Arbeitsmarkt, wenig Kriminalität
Bayern habe mit 4,2 Prozent im März 2026 nicht nur die niedrigste Arbeitslosenquote aller Bundesländer, sondern mit 9,0 Prozent auch die niedrigste Arbeitslosenquote von Ausländern und mit 10,0 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote unter ausländischen Frauen. Die Kriminalitätsbelastung sei ebenfalls im Bundesländervergleich am niedrigsten - in den Großstädten München, Nürnberg und Augsburg sei sie niedriger als in allen anderen deutschen Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern.
Der Bevölkerungszuwachs konzentriert sich vor allem auf den Süden des Freistaats. Die Regierungsbezirke Schwaben, Niederbayern und Oberbayern wachsen laut Herrmann deutlich. Allein in der Landeshauptstadt München geht es um 4,7 Prozent nach oben, auf 1,58 Millionen Menschen im Jahr 2044, der angrenzende Landkreis Erding gewinnt 4,9 Prozent. Überhaupt hält der Trend in die Stadt durchaus an: Regensburg gewinnt der Berechnung zufolge 3,3 Prozent, Erlangen 4,1 Prozent, Augsburg 3,8 Prozent, Nürnberg immerhin noch 0,6 Prozent.
Arbeitsplätze in die Fläche verlagert
Die Regierung des Freistaats versucht dem mit seiner Ansiedelungspolitik, auch von Landesbehörden entgegenzuwirken. 2.500 Arbeitsplätze seien etwa aus dem Ballungsraum München in andere Regionen verlegt worden. Bis 2030 sollen weitere 2.500 folgen. "Wir erhöhen die Attraktivität aller Regionen", sagte Innenminister Herrmann.
In Mittelfranken und der Oberpfalz werden leichte Zugewinne prognostiziert. In Unterfranken und Oberfranken geht die Bevölkerungszahl dagegen zurück - jedoch längst nicht mehr so stark, wie noch vor zehn Jahren befürchtet.
Osten Oberfrankens als Schlusslicht
Etwa in Oberfranken zeigt sich ein differenziertes Bild: Im Westen und Süden des Bezirkes halten sich etwa die kreisfreien Städte Bamberg und Coburg und auch der Landkreis Forchheim bei moderaten Verlusten unter einem Prozent vergleichsweise stabil. Kräftig nach unten geht es dagegen im Osten Oberfrankens: Der Landkreis Wunsiedel verliert 8,7 Prozent, die Stadt Hof immer noch 4,4 Prozent, der Landkreis Hof sogar 6,2 Prozent.
Insgesamt betrifft der Schrumpfungsprozess laut Statistischem Landesamt rund 23 Prozent der 2.056 Gemeinden in Bayern. Mehr als ein Drittel der Kommunen wachse, der Rest bewege sich um die Nulllinie.
Ohne Zuzüge sähe die Bilanz jedoch deutlich anders aus: Die Geburten reichen längst nicht aus, um die Zahl der Todesfälle auszugleichen - 2024 starben laut Herrmann in Bayern 144.100 Menschen, es wurden aber nur 114.000 Kinder geboren.
Viele kommen, wenige gehen
Ohne Zugewinne aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland würde Bayern bis 2044 mehr als sechs Prozent seiner Bevölkerung verlieren, betonte er. "Seit vielen Jahren kommen erheblich mehr Menschen nach Bayern, als von hier wegziehen", sagte der Minister. Der Großteil stamme aus dem Ausland.
Den bei weitem größten Zuwachs an Menschen der vergangenen Jahre erzielte Bayern im Jahr 2022. 217.255 Ausländer zogen in dem Jahr mehr nach Bayern, als den Freistaat wieder verließen. Das waren fast zehnmal mehr als im vergangenen Jahr: 2025 betrug das Plus nur noch 22.599, der geringste Wert seit mehr als zehn Jahren. Die hohe Zahl von 2022 dürfte vor allem aus der Flucht von Ukrainerinnen und Ukrainern nach Deutschland resultieren.
Zahl der Kinder schrumpft
Zum zunehmenden Problem könnte künftig das Alter der Bevölkerung in Bayern werden: Bis zum Jahr 2044 werde die Zahl der unter 20-Jährigen in der Gesamtbevölkerung um 38.000 zurückgehen. Die Zahl der Kinder unter sechs Jahren sinkt der Berechnung zufolge bis 2029 sogar um 61.000 auf 688.000 Kinder, bevor sie sich in den Jahren danach wieder etwas erholt. Die Betreuungssituation in den Kitas dürfte sich nach Einschätzung Herrmanns somit entspannen. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt in den Ballungsräumen um 1,5 Jahre auf 44,8 Jahre - im ländlichen Raum auf 46,9 Jahre.
Die Zahl der Menschen, die älter als 67 Jahre sind und somit - nach bisheriger Regelung - nicht mehr am Erwerbsleben teilnehmen, wird dagegen erheblich um 687.000 steigen. "Letztlich geht es hier auch darum, wer wie viel Rente von wem bezahlt bekommt", sagte der Minister. Im Jahr 2044 werden auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter 41 Rentner kommen. 2024 lag dieses Verhältnis noch bei 100 zu 30.