Bayern sucht Immobilie für eigenes Pandemie-Zentrallager

Die Ausbreitung des Virus im Freistaat ist derzeit unter Kontrolle. Doch es gibt Grund zur Sorge. Wie kann verhindert werden, dass die Situation nach den Ferien außer Kontrolle gerät?
| dpa
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Melanie Huml (CSU) nimmt nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts an einer Pressekonferenz teil. Foto: Sven Hoppe/dpa
dpa Melanie Huml (CSU) nimmt nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts an einer Pressekonferenz teil. Foto: Sven Hoppe/dpa

München (dpa/lby) - Die Corona-Infektionslage in einigen Urlaubsregionen macht der bayerischen Staatsregierung Sorgen. "Es ist leider so, dass wir generell sehr freiheitsliebend sind, gerne sehr viel reisen möchten", sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) am Dienstag nach einer Sitzung des Ministerrats in München. Dies sei aber genau das Falsche bei der Eindämmung einer Pandemie, "weil es dann immer wieder von vorne losgeht".

Herrmann kündigte an, dass das Kabinett in der kommenden Woche ein Konzept zum Umgang mit Urlaubsrückkehrern vorlegen werde. Dies sei auch für die nach den Ferien angestrebte Rückkehr der Schulen und Kindergärten in den Normalbetrieb von Bedeutung. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte bereits kürzlich erklärt, an den Flughäfen Corona-Testzentren eröffnen zu wollen.

Für die Mitglieder der Staatsregierung gibt es keine Vorgaben für Urlaubsorte. Sie wüssten sehr genau, in welchen Ländern und Regionen die Lage kritisch zu bewerten sei, sagte Herrmann. Die Infektionslage im Freistaat sei im Moment "erfreulicherweise stabil". Nach Angaben des zuständigen Landesamtes wurden seit Beginn der Pandemie 49 880 Infektionen nachgewiesen; 2614 Menschen sind an den Folgen gestorben. 46 230 Menschen gelten als genesen, damit gibt es 1036 akute Erkrankungen.

In Bayern werden laut Herrmann derzeit täglich im Schnitt zwischen 20 000 und 23 500 Menschen auf das Virus getestet. Um die Ausbreitung der Pandemie bewerten zu können, sei die Positivrate bei den Tests entscheidend, diese liege derzeit zwischen 0,4 und 0,6 Prozent. Ende Mai habe sie bei sechs Prozent gelegen. Erfreulich sei auch, dass es in den vergangenen Tagen keine neuen Todesfälle mehr gegeben habe, auch die Lage in den Seniorenheimen und unter anderen gefährdeteren Personengruppen werde immer besser.

Ungeachtet dessen bleibe das Virus gefährlich und hoch ansteckend. Daher sei es weiter notwendig, dass die vorsichtige Strategie beibehalten werde. In Bayern gibt es zudem seit einigen Wochen die Möglichkeit, sich auch ohne Symptome kostenlos testen zu lassen.

Damit die Tests weiter in hoher Zahl erfolgen können, fördert der Freistaat künftig die kommunalen Corona-Testzentren. Die Hälfte der Kosten von Städten und Kreisen für die Organisation und den Betrieb sollen übernommen werden. Hinzu kommt noch eine Pauschale für die Koordinierung insbesondere der Terminvergabe und eventuell anfallende Transportkosten für Proben. Die Kosten für die eigentlichen Tests werden ohnehin komplett vom Freistaat übernommen, soweit sie nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung getragen werden.

Ausreichende Testmöglichkeiten seien ein zentraler Baustein zur Erkennung und Eindämmung der Corona-Pandemie, hieß es. In der Hoch-Zeit der Pandemie hatte es in vielen Kommunen spezielle Corona-Testzentren gegeben, in München etwa auf der Theresienwiese. Teilweise wurden diese aber in den vergangenen Wochen wieder abgebaut. Dies hatte etwa in der Landeshauptstadt für Kritik gesorgt.

Der Betrieb eines Testzentrums liegt nach Angaben der Staatsregierung in der Entscheidung der jeweiligen Kommune. Die voraussichtlich anfallenden zusätzlichen Kosten von rund 4,7 Millionen Euro pro Jahr sollen aus den Mitteln für die Umsetzung der Bayerischen Teststrategie (insgesamt 272 Mio. Euro) finanziert werden.

Derweil sucht der Freistaat ab sofort eine Immobilie für das künftige "Pandemiezentrallager" zur Aufbewahrung von medizinischen Gütern zur Infektionsbekämpfung. Über den Standort solle bald entschieden werden, er müsse gut erreichbar sein, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). In dem Zentrallager soll alles vorgehalten werden, was für sechs Monate benötigt wird.

Konkret sieht das Konzept 42,6 Millionen OP-Masken vor, 12,6 Millionen Pflegekittel, zehn Millionen FFP2-Masken und 2,1 Millionen FFP3-Atemschutzmasken, 3,6 Millionen Schutzanzüge, 190 Millionen Infektionshandschuhe und rund 750 000 Augenschutzbrillen. "Wir wollen für die Zukunft gerüstet sein", sagte Huml. In Summe betrage der Lagerwert rund 300 Millionen Euro.

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