Bayern-Ei-Prozess: Salmonellen-Opfer und Tierärztin sprechen

Im Jahr 2014 erkranken zahlreiche Menschen an einer Salmonellen-Infektion. Stammen die belasteten Eier tatsächlich von dem niederbayerischen Produzenten Bayern-Ei? Das soll im Prozess geklärt werden - doch dies gestaltet sich schwierig.
| dpa
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Seit 23. Januar wird am Landgericht Regensburg ein neuer Mammut-Prozess verhandelt. Zwei Gastronomen werden beschuldigt, Steuern und Sozialbeiträge vorsätzlich hinterzogen zu haben. (Archivbild)
Armin Weigel/dpa Seit 23. Januar wird am Landgericht Regensburg ein neuer Mammut-Prozess verhandelt. Zwei Gastronomen werden beschuldigt, Steuern und Sozialbeiträge vorsätzlich hinterzogen zu haben. (Archivbild)

Regensburg (dpa/lby) - Eine Mitarbeiterin aus einem Hotel in Österreich hat im Bayern-Ei-Prozess berichtet, wie sie 2014 an einer Salmonellen-Infektion erkrankte. Das Hotel verwendete den Ermittlungen nach wohl auch Eier der niederbayerischen Firma Bayern-Ei. Deren Ex-Geschäftsführer muss sich vor dem Landgericht Regensburg unter anderem wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Er weist die Vorwürfe zurück. Eine Amtstierärztin sagte am Dienstag zudem zum Milbenbefall der Bayern-Ei-Hühner aus.

Schwierig zu klären ist in dem Prozess die Frage, aus welchem Legehennen-Betrieb die belasteten Eier - die die Salmonellen-Infektionen verursacht hatten - tatsächlich stammten.

Die Ermittler werfen dem Ex-Geschäftsführer von Bayern-Ei vor, 2014 die Auslieferung von Eiern mit der Kennzeichnung Güteklasse A veranlasst zu haben, obwohl in den Produktionsstätten Salmonellen nachgewiesen worden waren. Mehr als 180 Konsumenten aus Deutschland, Österreich und Frankreich sollen an Salmonellen erkrankt sein, 40 der Fälle kamen zur Anklage. Ein 94-Jähriger soll aufgrund des Verzehrs von Bayern-Ei-Ware nach einer Salmonellen-Infektion gestorben sein.

Die Zeugin, eine 65-Jährige aus Ribnitz-Damgarten (Landkreis Vorpommern-Rügen), sagte am Dienstag, sie habe damals als Zimmermädchen in dem österreichischen Hotel gearbeitet und jeden Morgen dort gefrühstückt. An jenem Sonntag im Juni 2014 sei es ihr zwei Stunden später immer schlechter gegangen. Zunächst habe sie Durchfall gehabt, später seien Erbrechen und massiver Schüttelfrost hinzugekommen. Sie sei vier Wochen lang krank geschrieben gewesen.

An jenem Tag habe sie lediglich in dem Hotel ein weichgekochtes Frühstücksei gegessen, versicherte die Frau. Zudem habe sie an sechs Tagen die Woche dort morgens und mittags gegessen. Ansonsten habe sie in ihrer privaten Unterkunft gekocht - und dafür auch Eier verwendet, die sie bei einer privaten Hühnerhalterin gekauft habe. Diese habe Eierschalen aus dem Hotel an ihre Hühner verfüttert. Die mittlerweile 87-jährige Hühnerhalterin war zwar auch als Zeugin geladen, hatte jedoch aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.

Insgesamt waren zehn Zeugen aus Österreich geladen. Die Bayern-Ei-Ware war damals auch an Altenheime und einen Essen-auf-Rädern-Dienst im Nachbarland ausgeliefert worden. Deswegen waren unter den Erkrankten zahlreiche ältere Menschen, die nun - fünf Jahre später - gesundheitlich nicht zu einer Aussage in der Lage waren oder bereits gestorben sind. Anfang Januar sollen Salmonellen-Opfer aus Deutschland und Frankreich befragt werden.

Eine Amtstierärztin berichtete von einer mehrstündigen Kontrolle bei Bayern-Ei, bei der ein massiver Befall der Hühner mit der roten Vogelmilbe festgestellt worden sei. "Man merkt es irgendwann am eigenen Leib, dass sich ein Juckgefühl breit macht." Es habe lediglich zwei Möglichkeiten gegeben: großflächige Desinfektion der Anlage oder die Tötung der Tiere. Ein Mittel zur Behandlung der einzelnen Tiere - das mit der Lebensmittelproduktion vereinbar gewesen wäre - habe es nicht gegeben.

Unstrittig sei, dass die Tiere unter den Milben litten. Durch ständigen Juckreiz hätten sie keine Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Eine Tötungsanordnung bei mehreren Hunderttausend Tieren sei aber kein Thema gewesen - zumal unter den Hühnern auch gesunde Tiere gewesen seien. Milben seien bei Hühnerhaltung immer ein Thema, sagte die Amtstierärztin. In diesem Fall sei die große Zahl an Tieren mit ursächlich.

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