Bayern: Corona-Infektionen steigen auf sieben an einem Tag

Alle Vorsichtsmaßnahmen konnten es nicht verhindern: Die Zahl der Infektionen steigt auch in Bayern. Quarantäne von Kontaktpersonen soll weitere Ansteckungen verhindern. In Freising bleibt eine Kita geschlossen: Der Mann einer Erzieherin ist erkrankt.
| dpa
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München (dpa/lby) - Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 steigt in Bayern weiter. Allein am Montag wurden sieben neue Fälle gemeldet. Nach Angaben des Gesundheitsministerium in München handelt es sich um zwei Fälle im oberfränkischen Landkreis Bayreuth, zwei Fälle in München und je einen im mittelfränkischen Schwabach, im Landkreis Freising und im Landkreis Ostallgäu. Bislang sind in Bayern insgesamt 29 Patienten positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. 14 von ihnen, die im Zusammenhang mit dem Autozulieferer Webasto aus Gauting-Stockdorf standen, sind bereits gesund aus den Krankenhäusern entlassen worden. Seit vergangenem Donnerstag gab es damit 15 neue bestätigte Infektionen. Ärzte rechnen mit weiteren Patienten.

Um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren, mahnte das Kultusministerium nach den Faschingsferien, Schüler, die in Risikogebieten - dazu gehören neben China und Iran auch Teile Norditaliens - im Urlaub waren, sollten unnötige Kontakte zu vermeiden und möglichst zu Hause zu bleiben. Wie viele Schüler tatsächlich nicht zum Unterricht kamen, war zunächst unklar. "Wir machen uns gerade ein Bild", sagte ein Ministeriumssprecher. Veranstaltungen wurden abgesagt oder verschoben, etwa ein geplanter Studien-Info-Tag an der Uni Würzburg.

In Zolling im Landkreis Freising bleibt eine Kita für mindestens eine Woche geschlossen. Laut Landratsamt Freising wurde der Ehemann einer Erzieherin in der Kita "Kleine Strolche" positiv auf den Erreger getestet. Ob die Frau infiziert ist, war noch unklar. Der Mann hatte sich in der vergangenen Woche im Raum Köln aufgehalten und dabei "engen Kontakt zu einer Person aus dem Kreis Heinsberg gehabt". Das sei die wahrscheinliche Quelle der Infektion, hieß es. Auch im Landkreis Bayreuth wurde ein Kindergarten vorsorglich geschlossen.

Im Ostallgäu wurde auch die 33-jährige Partnerin eines Infizierten positiv getestet. Sie habe am Samstag erste Symptome gehabt. Ihr Mann arbeitet bei der Firma DMG Mori. Rund 1600 Mitarbeiter des Maschinenbau-Konzerns in Pfronten müssen mindestens bis Dienstag daheim bleiben. Das Gesundheitsamt des Landkreises Ostallgäu will nun ermitteln, welche Kollegen engen Kontakt zu dem 36-Jährigen hatten. Wahrscheinlich hatte er sich auf einer Reise infiziert.

In München wurde ein BMW-Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Er sei nicht auf Reisen gewesen und habe im Forschungs- und Entwicklungszentrum (FIZ) gearbeitet, sagte eine BMW-Sprecherin. Rund 150 Mitarbeiter im FIZ, die mit ihm Kontakt hatten, seien nun für zwei Wochen zu Hause in Quarantäne, die Großraumbüros würden desinfiziert. Dem Mann gehe es den Umständen entsprechend gut, sagte die Sprecherin.

Das Universitätsklinikum Erlangen, wo derzeit ein anderer Erkrankter behandelt wird, erwartet zusätzliche Fälle. "Wir rechnen mit weiteren Patienten", sagte Direktor Professor Heinrich Iro. Das Uniklinikum gilt in Nordbayern als ein Schwerpunktkrankenhaus für den Umgang mit dem Virus. Bei dem dortigen Patienten verlaufe die Erkrankung vergleichsweise milde, sagte Chefarzt Professor Markus Neurath. Bei dem Mann handelt es sich um einen Oberarzt der Erlangener Hautklinik, der sich bei einer Tagung in München bei einem Italiener angesteckt hatte.

Weil ein Mitarbeiter von ProSiebenSat.1 in Düsseldorf positiv auf das neuartige Coronavirus getestet wurde, wurden vorsorglich 200 Mitarbeiter am Unternehmenssitz in Unterföhring bei München ins Homeoffice geschickt.

Am Wochenende hatten die österreichischen Behörden bei Füssen einer Schülergruppe aus Nordrhein-Westfalen wegen eines Coronavirus-Verdachts die Einreise verweigert, weil eine Schülerin der Skifreizeit, die vorher Kontakt zu einem Coronavirus-Patienten hatte, Krankheitssymptome zeigte.

Die Vize-Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Landtag, Ruth Waldmann rief die Staatsregierung auf, Arztpraxen und Kliniken bei der Materialbeschaffung zu unterstützen. Schutzkleidung sei inzwischen schwer zu bekommen, sagte die SPD-Politikerin. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums nannte die Aufforderung überflüssig und irreführend. Derartige Maßnahmen seien eingeleitet, erste zusätzliche Lieferungen etwa von Schutzmasken könnten in den nächsten Tagen erfolgen.

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