Bayern bekommt neue Wasserstoffzüge – wie zuverlässig fahren sie wirklich?
Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember sollen zwischen Mühldorf und Burghausen drei Wasserstoffzüge der Südostbayernbahn die Dieseltriebwagen ablösen. Laut Bahn ist es Bayerns erster Einsatz solcher Züge im Regelbetrieb. Bislang übernahm nur ein Testzug bei Augsburg einzelne Fahrten. Im August und September waren die neuen Züge nach Angaben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) bereits probeweise auf der Strecke unterwegs.
Die Technik des modernen Mireo Plus H beschreibt der Hersteller Siemens so: Der Wasserstoff kommt nicht flüssig wie Diesel in den Tank, sondern als Gas. In Brennstoffzellen auf dem Dach reagiert er mit Sauerstoff aus der Luft, dabei entsteht Strom. Der fließt in eine Batterie, die die Elektromotoren antreibt. Als Abgas bleibt nur Wasserdampf.
70 Prozent der Energie gehen verloren
Wie klimafreundlich das tatsächlich ist, hängt von der Herkunft des Wasserstoffs ab. In Mühldorf stellt ihn die Bahntochter DB Energie an einer Tankstelle her, per Elektrolyse – also durch das Aufspalten von Wasser mit Strom. Den soll sie zu 100 Prozent als Ökostrom beziehen.
Ob er aus Wind- und Solaranlagen stammt oder – wie bei vielen grünen Tarifen – nur rechnerisch über Zertifikate als grün gilt, steht in keiner der Mitteilungen von Bahn und Bund. Das Bundesverkehrsministerium fördert Züge, Tankstelle und Elektrolyseanlage mit 8,2 Millionen Euro, teils aus EU-Mitteln.

Ein Nachteil dieser neuen Technologie ist der schlechte Wirkungsgrad. Auf dem Umweg vom Strom zum Wasserstoff und zurück gehen laut dem Fachportal "ingenieur.de" bis zu 70 Prozent der Energie verloren.
Akku-Züge funktionieren dagegen wie Elektroautos: Sie fahren ohne Wasserstoff mit Batterien, die sie unter Oberleitungen oder an Ladestationen aufladen, und nutzen den Strom so direkt. Ihr Nachteil ist die Reichweite. Der Akku-Zug von Siemens schafft laut Hersteller 120 Kilometer, ein Wasserstoffzug laut BEG 1000.
Bisherige Testversuche nicht zufriedenstellend
Seit Dezember 2024 testet die Bayerische Regiobahn einen Zug desselben Typs bereits auf den Linien von Augsburg nach Füssen und Peißenberg. Den Fahrgastbetrieb hatte die Staatsregierung für Januar 2024 angekündigt. Der Test sei "bisher nicht zufriedenstellend" verlaufen, sagte ein BEG-Sprecher im Juli auf Nachfrage des Fachportals "Bahnblogstelle". Wegen Störungen an Fahrzeug und Tankstelle hätten viele Fahrten nicht wie geplant stattfinden können, meist sei dann ein Dieselzug eingesprungen. Zahlen nannte er nicht.
Auch andernorts hakt es. Im Taunus bei Frankfurt sollten ab Ende 2022 insgesamt 27Wasserstoffzüge von Alstom auf vier Linien fahren. Nach einer Pannenserie werden sie nach und nach mit neuen Brennstoffzellen ausgerüstet. Der Hersteller rechnet erst 2028 mit dem Abschluss. Auf der Heidekrautbahn bei Berlin laufen dagegen Mireo-Plus-H-Züge von Siemens, wie sie auch in Bayern fahren, nach Anlaufschwierigkeiten inzwischen stabil, teilten die Betreiber im August 2025 mit.
Selbst Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) zeigte sich skeptisch. "Auch Wasserstoffzüge können eine Alternative sein. Allerdings sind diese sehr teuer und der Betrieb deutschlandweit von Pannen geprägt", sagte er letztes Jahr.
Die Entscheidung rührt aus einer anderen Zeit
Warum Mühldorf trotzdem Wasserstoffzüge bekommt, begründete der BEG-Sprecher mit einer Entscheidung, die bereits vor mehr als vier Jahren gefallen sei. Für Mühldorf hätten freie Flächen für eine Tankstelle und die Nähe zur Wasserstofferzeugung im Chemiedreieck gesprochen. Weitere Wasserstoffstrecken seien im bayerischen Regionalverkehr derzeit nicht geplant.
Dabei soll laut Verkehrsministerium langfristig auch die Strecke nach Burghausen eine Oberleitung bekommen – im Zuge des Ausbaus der Bahnlinie München-Mühldorf-Freilassing. Die Bahn nannte dafür im Februar die 2030er-Jahre. Ein Datum für den Abschnitt nach Burghausen ist nicht bekannt. Der Verkehrsvertrag mit der Südostbayernbahn läuft laut Ministerium bis 2035.
Genau dafür wirbt Siemens: Die Züge eigneten sich, wo eine Elektrifizierung "nicht wirtschaftlich oder kurzfristig umsetzbar" sei, sagte Manager Markus Frank in Mühldorf. Bernreiter nannte die Züge dort einen "Mosaikstein" auf dem Zielpfad weg vom Diesel. "Ich setze darauf, dass die Züge 'Made in Bavaria' zuverlässig auf der Strecke verkehren werden", sagte er. Tatsächlich ausgemacht ist das mit Blick auf die bisherigen Projekte allerdings noch lange nicht.
- Themen:
- CSU
- Elektroautos
- Nachhaltigkeit
- Siemens AG
