Pyro-Show und Derby-Patzer: 1860 unterliegt Bayern-Amateuren

Sechs Tore, reichlich Pyrotechnik, ein Platzverweis: In einem ereignisreichen Münchner Fußball-Derby hat der TSV 1860 eine empfindliche Niederlage kassiert. Die "Löwen" unterlagen den Amateuren des FC Bayern in der Regionalliga mit 2:4 (1:4) und kassierten damit im Rennen um den Aufstieg einen weiteren Dämpfer. Das von viel Polizei begleitete und durch heftigen Pyro-Einsatz umrahmte Hochrisikomatch erfüllte die Erwartungen.
Mehr als fünf Jahre lang musste München auf ein Stadtduell warten - 2021 fand die Begegnung wegen der Corona-Pandemie in der 3. Liga noch ohne Fans statt. Diesmal erlebten die 15.000 Zuschauer im ausverkauften Grünwalder Stadion ein Spektakel - auf und neben dem Platz.
Bayern-Amateuren jubeln dank Kaltschnäuzigkeit
Bei dem weitgehend offenen Schlagabtausch waren die Bayern zunächst deutlich kaltschnäuziger und durften dank Anton Heinz und Tim Binder schon vor der Pause dreimal jubeln: In der 13. Minute schob Kapitän Heinz eine Vorlage von Binder über die Linie, in der 23. Minute schlenzte Binder einen Schuss maßgenau in das Eck. In der 40. Minute war Heinz ebenfalls aus der Ferne erfolgreich. Dazu scheiterte Bohdan Olychenko am Pfosten (33.).
Die "Löwen" indes vergaben gleich reihenweise große Chancen, etwa durch Routinier Florian Niederlechner allein vor Torwart Jannis Bärtl (7.). Cristian Leone gelang das zwischenzeitliche 1:2 (29.). Nach dem Seitenwechsel verkürzte Emre Erdogan für die Sechziger (50.).
Bengalos und Raketen aus Bayern-Block
Dann begann die fragwürdige Pyro-Show der Bayern-Fans: Unmittelbar nach dem 1860-Tor zündeten die Anhänger massenhaft Bengalos und schossen Leuchtraketen in die Luft. Schiedsrichter Felix Wagner unterbrach das Match für einige Minuten, bis sich der Rauch verzog. Die Bayern-Ultras zündelten danach weiter, auch vor dem vierten Treffer durch Artur Degraf (75.). Davor hatte Bayern-Coach Dante die Rote Karte gesehen.
Die Gastgeber erhöhten im Finale noch einmal den Druck, konnten die Niederlage aber nicht mehr verhindern. In der Tabelle rutschte 1860 damit auf den vierten Platz hinter die SpVgg Unterhaching. Die Bayern-Amateure rangieren auf Platz zwölf mit nun fünf Zählern Rückstand auf die "Löwen".
Juristisches Vorspiel wegen Schmähfahne
Auf das Duell war in München schon seit langem hingefiebert worden. Die Bayern sorgten dabei für zusätzliche Brisanz, als sie gegen 1860-Fans einen Strafantrag stellten. Hintergrund war eine Aktion der Sechziger, die bei der Meisterfeier des FCB auf dem Marienplatz eine Schmähfahne einschmuggelten.
Vor dem Anpfiff marschierten dann beide Fangruppen von der Polizei begleitet zum Stadion - ein "roter" und ein "blauer" Block. Aus der Gruppe der Sechziger-Fans wurden kurz vor Spielbeginn Böller auf Polizisten geworfen, wie ein Sprecher des Münchner Polizeipräsidiums sagte. Sechs Beamte wurden jeweils mit Knalltrauma leicht verletzt. Die Bayern-Anhänger kamen erst kurz vor dem Anpfiff an - die meisten von ihnen verpassten so den Anpfiff. Dafür konnten sie am Ende jubeln.