Der bayerische Traum: Vom Tellerwäscher zum Multi-Gastronom

Ob griechische Küche im Akropolis, Freibad-Kiosk im Schornbad oder Ski-Kader: Tsvyatko Petkov aus Bulgarien hat in Bayern seinen Traum verwirklicht. Wie er sich in der Gastro-Szene einen Namen gemacht hat.
Kilian Pfeiffer |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
Tsvyatko Petkov im Gastraum seines Restaurants, der durch große Fensterfronten einen spektakulären Blick auf den Watzmann freigibt.
Tsvyatko Petkov im Gastraum seines Restaurants, der durch große Fensterfronten einen spektakulären Blick auf den Watzmann freigibt. © Kilian Pfeiffer

Wer Tsvyatko Petkov heute im einzigen griechischen Restaurant Berchtesgadens, dem Akropolis, besucht, begegnet einem Mann, der die Fäden fest in der Hand hält. Der Gastronom hat das Haus übernommen und sogleich die nächsten Pläne umgesetzt: Nun führt der Bulgare auch das Schornbad in Schönau am Königssee.

Petkov wirkt angekommen, souverän und blickt mittlerweile auf eine Reihe von Betrieben, die er sich in seiner Wahlheimat aufgebaut hat. Doch hinter der Fassade steckt eine Geschichte.

Mit gerade einmal 20 Jahren traf Petkov eine lebensverändernde Entscheidung: Er verließ seine Heimat Bulgarien. An seiner Seite bereits damals: seine heutige Frau, die Mutter seiner beiden Töchter. Beide kamen aus dem Profisport. Er als Fußballer, sie als Handballerin.

Deutschland: Der Schritt ins Ungewisse

Gemeinsam wagten sie den Schritt ins Ungewisse. Als Fußballer hatte er in Bulgarien zwar schon Erfolge gefeiert, doch "gearbeitet, im klassischen Sinne, hatte ich bis dahin noch nie", erinnert er sich an diese Zeit.

Seine erste Station in Deutschland war Frankfurt am Main. Dort sicherte er sich zunächst einen Halbprofivertrag als Fußballer. Doch der Sport allein reichte nicht aus, um die Existenz der jungen Familie zu sichern.

Kentucky Fried Chicken war seine erste Gastro-Station.
Kentucky Fried Chicken war seine erste Gastro-Station. © imago

Das größte Hindernis zu Beginn: Weder er noch seine Frau sprachen Deutsch. Um den gemeinsamen Lebensunterhalt zu verdienen, nahm er seinen ersten Job bei Kentucky Fried Chicken an. "Das war der wahre Anfang meiner Arbeitskarriere", sagt er mit einem Lächeln. Er biss sich durch die harten Schichten der Systemgastronomie.

Ein Urlaub am Königssee verändert alles

Ein dreitägiger Urlaub am Königssee wurde zum Wendepunkt. Die Wucht der Berge beeindruckte das Paar so sehr, dass es eine radikale Entscheidung traf: Sie blieben. Weil die Sprache noch fehlte, begann Tsvyatko Petkov als Tellerwäscher.

Petkov bewies, dass er nicht nur den Biss eines Sportlers, sondern auch das Gespür für Marktlücken besitzt. Er übernahm einen Keramikladen direkt am Königssee: ein klassisches Geschäft, das anfangs florierte. Die Nachfrage nach traditioneller Keramik sank, das Budget der Besucher wurde schmaler. Statt zu resignieren, reagierte er.

Zusätzlich zum bestehenden Sortiment etablierte er in den Sommermonaten einen Stand für thailändische Eisrollen. Das moderne Food-Konzept schlug voll ein.

Wie sich der Bulgare bei der Sprache verbessern kann

Der Jenner wurde schließlich zum Tor in die lokale Gemeinschaft. Acht Jahre lang war Petkov dort nicht nur als Skilehrer im Einsatz, sondern bildete auch den Nachwuchs aus.

Dass er gleichzeitig im Jennerkaser an der Talstation arbeitete, erwies sich als strategischer Glücksgriff.

Die deutsche Kultur ist im Vergleich zu jener in Bulgarien etwas völlig anderes. Das war ein intensiver Lernprozess

In dieser Doppelrolle meisterte er die Sprachbarriere und baute sich jenes Netzwerk auf, das ihm später die Türen zur Selbstständigkeit öffnete. "Die deutsche Kultur ist im Vergleich zu jener in Bulgarien etwas völlig anderes. Das war ein intensiver Lernprozess."

Blick auf St. Bartholomä im Königssee, ein ikonisches Fotomotiv.
Blick auf St. Bartholomä im Königssee, ein ikonisches Fotomotiv. © imago/imageBROKER/Jürgen Kosten

Der wohl bedeutendste Schritt in seiner Laufbahn: die Übernahme des Restaurants Akropolis. Dass ein Bulgare das einzige griechische Restaurant im Ort führt, mag ungewöhnlich erscheinen, doch für Petkov ist es die Erfüllung eines Traumes.

Das Besondere: Die ehemaligen Besitzer sind weiterhin Teil seines Teams. Sie stehen unter Petkovs Regie in der Küche. "Sie konzentrieren sich auf das, was sie perfekt können, und ich lege meinen Fokus auf den Service und die Zufriedenheit der Gäste."

2026 ist ein großes Jahr: Das Schornbad kommt dazu

Das Jahr 2026 markiert seinen bisher größten Expansionsschritt: Im Mai übernahm er zusätzlich die Gastronomie des Freibads in Schönau am Königssee, das Schornbad. Das Konzept hat er angepasst. Nur das Wetter muss nun stabiler werden, damit die Freibadgäste auch kommen. Sein vor über einem Jahr in Berchtesgaden gestartetes Projekt "Gipfel Gusto" wächst ebenfalls, kommt bei Gästen und Einheimischen gleichermaßen gut an und expandiert weiter im Bereich Catering.

Touristen am Königssee in Schönau.
Touristen am Königssee in Schönau. © imago/Karl Heinz Spremberg

Wer Petkov erlebt, merkt schnell, dass Stillstand für ihn keine Option ist. Den nötigen Ausgleich findet er bei seiner Familie: Er unterstützt seine Tochter (10) intensiv bei ihrer Karriere im Ski-Leistungssport. Fünfmal wöchentlich steht das Pendeln zum Training nach St. Johann und zu den Wettkämpfen im Bezirkskader von Kitzbühel auf dem Programm.

Auch die siebenjährige Tochter tritt bereits in diese Fußstapfen und feiert erste Erfolge. "Das geht alles nur, weil die Familie so fest zusammenhält."

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.