Bayerische Seen chemisch belastet: Quecksilber und Insektizid im Tegernsee

Viele europäische Badegewässer gelten als exzellent, doch Dutzende Gefahrenstoffe bleiben bei der offiziellen Bewertung außen vor. Experten kritisieren: Das kann für Badende zum Risiko werden.
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Maximilian Neumair
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Vor allem Schwangere und Kinder sind gefährdet. (Symbolbild)
Vor allem Schwangere und Kinder sind gefährdet. (Symbolbild) © Elisa Schu/dpa

Die Qualität der deutschen und weiteren europäischen Badegewässer ist offenbar in bestimmten Fällen bei weitem nicht so unbedenklich wie von der zuständigen europäischen Behörde angegeben. Der Grund: Die Bewertung der Europäischen Umweltagentur EEA basiert lediglich auf Messungen von zwei Fäkalbakterien. Andere Erreger und Dutzende chemische Schadstoffe werden dagegen nach Angaben des Medienhauses Correctiv überhaupt nicht berücksichtigt, obwohl der Behörde auch diese Werte für Badegewässer vorliegen.

In einem Mitte Juni veröffentlichten Bericht hatte die EEA Europas Badegewässern überwiegend eine ausgezeichnete Wasserqualität bescheinigt. Demnach hatten knapp 85 Prozent der mehr als 22.000 Badestellen in den 27 EU-Staaten sowie Albanien und der Schweiz eine exzellente Wasserqualität, 96 Prozent erfüllten immerhin die EU-Mindeststandards. In Deutschland hatten knapp 91 Prozent der rund 2.300 untersuchten Badestellen eine exzellente Wasserqualität.

Allerdings beziehen sich die Angaben lediglich auf sogenannte intestinale Enterokokken und Escherichia coli. Diese Bakterien können bei Menschen zum Beispiel Magenverstimmungen, Durchfall oder Infektionen verursachen. 

Experte: Die Gewässer-Bewertung ist irreführend

Nicht berücksichtigt werden dagegen unter anderem Cyanobakterien – auch Blaualgen genannt – und chemische Schadstoffe wie etwa Pestizide, Mineralöle und PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen). Letztere sind allgegenwärtig und reichern sich im Körper an. "Die gegenwärtige Bewertung reicht nach meiner Meinung nicht aus", sagte der Toxikologe Hans-Jörg Martin vom Universitätsklinikum Kiel. "Ein Gewässer kann die Grenzwerte von chemischen Stoffen sprengen und dennoch als exzellent eingestuft werden. Das ist irreführend."

Dass solche Fälle nicht selten sind, zeigt eine Analyse von Correctiv zu offiziellen Gewässerdaten der EEA – also derselben EU-Behörde, die den jährlichen Badegewässer-Bericht erstellt -, die auch chemische Schadstoffe berücksichtigen. Demnach gelten EU-weit mindestens 7.866 Badestellen gemäß den Vorgaben der Badegewässerrichtlinie als sauber, obwohl sie an Gewässern liegen, die nachweislich mit chemischen Schadstoffen belastet sind. Besonders viele Badestellen an belasteten Gewässern gibt es nach Correctiv-Angaben in Italien, Deutschland, Dänemark, Ungarn und Frankreich. 

In einer Stellungnahme der EEA hieß es, Grundlage für die Bewertung der Badegewässerqualität sei die EU-Badegewässerrichtlinie – und die sehe nur die zwei Fäkalbakterien vor. Etwaige Änderungen bei den zu berücksichtigenden Erregern oder Schadstoffen sowie bei Schwellenwerten wären Sache der EU-Mitgesetzgeber und nicht der EEA. 

Ammersee, Tegernsee und Co. chemisch belastet

Ganz Deutschland fällt bei der EU-Wasserrahmenrichtlinie durch – Bayern ist da leider keine Ausnahme. Die für Tagesausflüge aus München gut erreichbaren Seen unterscheiden sich lediglich darin, mit welchen chemischen Schadstoffen sie verunreinigt sind.

Vorweg: Wie schädlich diese für Badegäste sind, hängt stark von der tatsächlichen Konzentration ab. Und die ist laut Correctiv für die jeweiligen Seen nicht ermittelt.

Heißt, inwiefern das Baden darin wirklich gefährlich ist, lässt sich anhand der vorliegenden Daten nicht beurteilen. Es lässt sich lediglich festhalten, dass Schadstoffe das Wasser chronisch belasten.

Im Tegernsee, Ammersee, Wörthsee, Pilsensee, Walchensee und Chiemsee sind das Quecksilber und Quecksilberverbindungen, Heptachlor und Heptachlorepoxid sowie bromierter Diphenylether.

Wasser schlucken beim Schwimmen potenziell gefährlich

Letztere kommen als Flammschutzmittel in Kunststoffen vor. Das Problem laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit: Sie sind in der Umwelt nur schwer abbaubar und können die Fortpflanzung und das Nervensystem schädigen. Auch das Insektizid Heptachlor und das Abbauprodukt Heptachlorepoxid schädigen das Zentralnervensystem – bis hin zur Auslösung von Krampfanfällen und Koma, warnt das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Das Schwermetall Quecksilber ist ebenfalls giftig; die Verbindung Methylquecksilber, die etwa beim Fischverzehr aufgenommen wird, kann laut Umweltbundesamt das zentrale Nervensystem schädigen – vor allem bei neugeborenen Kindern. Auch eine Aufnahme beim Schwimmen, wenn Badende aus Versehen Wasser verschlucken, ist bei einer hohen Konzentration denkbar.

Im Starnberger See verhält es sich ähnlich, nur dass hier kein Heptachlor nachgewiesen werden konnte. Das ist auch im Schliersee, Simssee und im Staffelsee nicht zu finden.

Der Forggensee ist eines jener Gewässer, bei denen die chemische Belastung unbekannt ist. Das ist jedoch keine Entwarnung, sondern heißt lediglich, dass keine Proben entnommen wurden. 

"Potenzielle Folgen für die menschliche Gesundheit"

Die aktuell vorgestellte Analyse basiert auf einem EU-weiten Monitoring, bei dem lokale Behörden Gewässer auf Dutzende chemische Schadstoffe untersuchen - von Schwermetallen wie Arsen über Pestizidrückstände bis hin zu Industriechemikalien wie PFAS. Diese Daten dienen der Überwachung der Ökosysteme und dem Schutz von Wasserlebewesen - in die Bewertung der Badegewässer fließen sie bisher nicht ein.

"Würden die Behörden bei der Bewertung der Badewasserqualität auch chemische Parameter berücksichtigen, fänden sie belastete Badegewässer - mit potenziellen Folgen für die menschliche Gesundheit", sagte der Toxikologe Martin. 

EU-Kommission räumt Probleme mit Cyanobakterien ein

Dieses Problem hat die EU-Kommission selbst eingeräumt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe dazu aufgerufen, Cyanobakterien in Badegewässern mehr Aufmerksamkeit zu widmen, heißt es in einem Bericht von 2025. Das sei insbesondere angesichts des Klimawandels wichtig, denn neben hohen Nähstoffkonzentrationen begünstigen auch höhere Temperaturen die Vermehrung dieser Erreger. Dann könne eine Badestelle auch dann mit Gesundheitsgefahren verbunden sein, wenn sie als exzellent eingestuft worden sei. Daher sollten in die Bewertung von Badegewässern neben Fäkalbakterien auch zusätzliche Stoffe einfließen, empfiehlt der Bericht.

"An Badestellen sollte vor dem Baden gewarnt werden, wenn das Wasser nachweislich mit Schadstoffen in stark erhöhten Konzentrationen belastet ist", sagte der Chemiker Markus Große Ophoff von der Hochschule Osnabrück, der einer Expertenkommission des Umweltbundesamts (UBA) angehört. Dabei gelte es vor allem, vulnerable Gruppen wie Schwangere und Kinder zu schützen.

"Meeresschaum oder auch der Schaum an Seen kann besonders stark mit PFAS belastet sein", erläuterte der Chemiker. Viele PFAS seien oberflächenaktiv. "Und Schäume bieten eine besonders große Oberfläche und reichern daher diese Schadstoffe an."

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  • Exilloewe III vor einer Stunde / Bewertung:

    Ohne Angaben zu Probennahme, Meßverfahren, , Meßintervallen, Konzentrationen und Grenzwerten ist dieser Artikel ohne jede Aussagekraft. Einfach nur schlecht.

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  • tutnixzursache vor einer Stunde / Bewertung:

    Stellen wir fest: das Leben auf der Erde ist potentiell lebensgefährlich. Das kann mit dem Tode enden.

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  • Wilhelmine vor 9 Minuten / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von tutnixzursache

    Und keiner wird entkommen, wie sehr er sich auch bemüht, gotcha

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