Bayerns Bauern in Sorge: Hitze sorgt für miserable Ernte

Teurer Dünger, niedrige Preise und Klimawandel: Bayerns Bauern kämpfen an verschiedenen Fronten. Unter der Hitze leiden besonders Weizen und Raps – und mit ihnen die Ernteaussichten.
AZ/dpa |
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Bauernpräsident Felßner, Ministerin Kaniber und Getreide-Experte Greif machen sich ein Bild von den Trockenschäden.
Bauernpräsident Felßner, Ministerin Kaniber und Getreide-Experte Greif machen sich ein Bild von den Trockenschäden. © Sven Hoppe/dpa

Trocken, heiß - und nun absehbar in manchen Gegenden eine schlechte Ernte: "Wegen der ausgebliebenen Niederschläge und der sengenden Hitze rechnen Bayerns Landwirtinnen und Landwirte für die Ernte 2026 bestenfalls mit einer durchschnittlichen, mancherorts aber auch richtig schlechten Ernte", prognostiziert der bayerische Bauernpräsident Günther Felßner bei der traditionellen Erntepressefahrt im Landkreis Mühldorf am Inn.

Besonders Weizen und Raps litten demnach unter der langanhaltenden Trockenheit und der außergewöhnlichen Hitzewelle Ende Juni. Wie die Ernte letztlich ausfalle, entscheide sich dieses Jahr stärker als sonst von Region zu Region. 

Klimawandel als tägliche Herausforderung 

"Die Bauern, unsere Landwirtinnen und Landwirte diskutieren nicht über den Klimawandel", sagte Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU). Vielmehr arbeiteten sie längst jeden Tag mit den Folgen. Seitens der Politik sei es von zentraler Bedeutung, "dass wir kurzfristige Möglichkeiten schaffen, der Bauernschaft Unterstützung zu gewähren". Als erstes Bundesland fördere Bayern die Mehrgefahrenversicherung breit - inzwischen auch für Grünland, Ackerland, Hopfen und Baumschulen. Für 2026 hätten mehr als 7.000 Landwirtinnen und Landwirte Unterstützung beantragt. 

Zudem sei die Forschung gefragt: "Wir müssen uns überlegen: Was wollen wir in zehn, zwanzig Jahren überhaupt noch anbauen? Wir müssen uns da Gedanken machen: Wo geht die Reise hin?", sagte die Ministerin. Wichtig seien zur Sicherung von Ernten auch Pflanzenschutzmittel - die Kaniber ausdrücklich nicht als Pestizide bezeichnet wissen möchte. 

Die Ministerin mahnte in der Erntezeit zudem zur Rücksicht auf die Bauern - insbesondere seitens der Autofahrer. Wenn ein Traktor vor einem herfahre, möge jeder daran denken: "Er fährt Ihr Essen durchs Land." Zudem rief sie zum Kauf regionaler Lebensmittel auf. 

Kosten und Klima als Problemfelder

Das Anbaujahr sei gut gestartet, ehe Trockenheit und Hitze folgten, sagte Hermann Greif, zuständig für Getreide beim Bayerischen Bauernverband. Besonders auf leichten Böden drohten deutliche Ertragseinbußen beim Getreide. Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben litten ebenfalls unter Trockenstress, könnten sich bei ausreichenden Niederschlägen regional aber noch erholen. 

Neben den Wetterextremen verschärfe die wirtschaftliche Situation die Lage vieler Betriebe zusätzlich, sagte Greif. Hohe Kosten für Dünger und Energie träfen auf niedrige Erzeugerpreise. "Die Kosten-Erlös-Schere wird für viele Betriebe zunehmend zur Zerreißprobe." 

Felßner betonte, die Landwirte "wollen und werden" sich an die veränderten Klimabedingungen anpassen. "Dafür brauchen wir endlich bessere Rahmenbedingungen", verlangte der Bauernpräsident. Nun sei eine bereits angekündigte Risikorücklage nötig, um Wetterextreme wirtschaftlich ausgleichen zu können, sowie die Steuerbefreiung für Bio-Kraftstoffe, um Kosten zu senken. 

Zudem mahnte er mehr Mut zu Innovationen und Klimaanpassung sowie einen wirksamen Bürokratieabbau an. "Nur wenn die politischen Weichenstellungen anders und besser werden, können wir auch künftig hochwertige Lebensmittel und erneuerbare Energie erzeugen und die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen gewährleisten."

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