Bahn will mit Assistenz-Systemen für Lokführer Sprit sparen

So einen Assistenten wünschen sich vielleicht auch manche Autofahrer: Wann muss man Gas geben, wann bremsen und wann lässt man das Fahrzeug am besten rollen, um so wenig Sprit wie möglich zu verbrauchen? Die Bahn testet so ein System nun bei ihren Diesel-Loks.
| dpa
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Win Auszubildender zum S-Bahn-Lokführer bei der Deutschen Bahn, schaut aus dem Fenster einer S-Bahn. Foto: Silas Stein
dpa Win Auszubildender zum S-Bahn-Lokführer bei der Deutschen Bahn, schaut aus dem Fenster einer S-Bahn. Foto: Silas Stein

Nürnberg (dpa/lby) - Mit Hilfe digitaler Assistenzsysteme will die Bahn bei ihren Diesel-Loks im Regionalverkehr Millionen Liter Sprit sparen. Ziel der DB Regio sei, den Dieselverbrauch jährlich um zwölf Millionen Liter und die CO2-Emissionen um gut 30 000 Tonnen zu senken, teilte das Unternehmen in Nürnberg mit. Das entspreche einer Einsparung um sieben Prozent. Das am Donnerstag vorgestellte System erfasst mit einem GPS-Empfänger Strecke und Geschwindigkeit sowie die Verbrauchsdaten des Zuges und gibt dem Lokführer Empfehlungen, wie er Energie sparen kann - etwa wann er Gas geben muss und wann er den Antrieb abschalten kann. Bisher konnten die dafür nötigen Daten nicht erhoben werden.

Etwa 850 Fahrzeuge der DB Regio sollen bis Mitte 2019 deutschlandweit mit dem System ausgerüstet werden - gut 90 davon in Bayern. "Wir werden ein Diesel-Netz nach dem anderen in Betrieb nehmen", sagte der Projektleiter des Telematiksystems, Sven Hickmann.

Wenn man das Gelände mit seinen Steigungen und Gefällen gut ausnutze, könne der Lokführer ab einem bestimmten Punkt der Strecke die Antriebsleistung auf Null schalten, erklärte Hickmann. Das Fahrzeug rolle dann allein über sein Gewicht: Bei einer der ersten Testfahrten von Hersbruck nach Nürnberg fuhr der Zug so die letzten elf Kilometer im Leerlauf. Mit dem System könnten auf dieser Strecke bis zu 40 Prozent Diesel gespart werden.

"Wann ist der optimale Abschaltzeitpunkt? Wo fängt man an, in den Bahnhof einzubremsen? Diese ganzen Erkenntnisse hatten wir vorher nicht", sagte Hickmann. Es handelt sich jedoch nicht um autonomes Fahren, sondern der Lokführer ist immer die letzte Instanz: Er entscheidet, ob er den Empfehlungen des Systems folgt oder nicht. Je nachdem, ob der Zug noch einen Zeitpuffer hat oder eine Verspätung aufholen muss, sollen die Systeme die beste Fahrweise anzeigen. Die kleinen schwarzen Displays im Führerstand sind mit der Motorsteuerung verbunden und saugen dort die Daten ab.

Auch auf den Bahnhöfen soll Energie gespart werden: Bei einem zweijährigem Test von Rangier-Hybridloks an mehreren Standorten in Bayern konnte der Kraftstoffverbrauch um etwa 35 Prozent gesenkt werden, wie Martin Cichon von der Technischen Hochschule Nürnberg sagte, die den Test wissenschaftlich begleitet hat. "Das kommt der Umwelt zugute und den Kosten." Zu 78,6 Prozent fährt die Hybrid-Rangierlokomotive im Batteriebetrieb. Nur wenn die Batterie nicht mehr reicht, schaltet sich ein Dieselgenerator zu.

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren