Badeunfälle: Die Schattenseite des Super-Sommers

Die Zahl der tödlichen Badeunfälle steigt und steigt. Experten rechnen für den Super-Sommer 2015 mit einem traurigen Rekord.
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Bitterer Alltag für die Retter: Notarzt und Feuerwehr bergen an einem bayerischen See einen Ertrunkenen.
dpa Bitterer Alltag für die Retter: Notarzt und Feuerwehr bergen an einem bayerischen See einen Ertrunkenen.

Die Zahl der tödlichen Badeunfälle steigt und steigt. Experten rechnen für 2015 mit einem traurigen Rekord.

München - Hinter den Rettungskräften im Freistaat liegt ein rabenschwarzes Wochenende: Insgesamt kamen in Bayern zwischen Samstagfrüh und Sonntagabend sieben Menschen beim Baden ums Leben. Experten befürchten, dass die Gesamtzahl der tödlichen Badeunfälle heuer auf einen traurigen Rekord zusteuert – die Schattenseite des Ausnahme-Sommers.

Im Landkreis Fürstenfeldbruck war am Samstagmittag ein 76-Jähriger mit dem Rad zum Schwimmen an den Olchinger See gefahren und nicht zurückgekehrt. Taucher bargen ihn später tot in mehreren Metern Tiefe. In einem Baggersee bei Mörslingen (Kreis Dillingen) sahen Passanten einen 50-Jährigen untergehen. Auch er kam im Wasser um.

Am Sonntag ertranken ein 22-Jähriger bei Neu-Ulm in der Donau, eine 81-Jährige bei Utting im Ammersee, ein 84-Jähriger im Geltendorfer Spitzerweiher (Kreis Landsberg), ein 78-Jähriger im Bodensee bei Lindau – und ein 14-Jähriger in der Isar bei Ismaning.

„Je heißer der Sommer ist, desto mehr passiert“, sagt Hanna Hutschenreiter vom Bayerischen Roten Kreuz.

Ihr Kollege Horst Auer von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) bestätigt: „Das war 2013 genau so. Auch damals war es extrem warm, und am Jahresende hatten wir bayernweit 90 Badeunfälle mit tödlichem Ausgang gezählt.“ Bei tropischen Temperaturen von über 30 Grad ziehe es einfach mehr Menschen an die Seen und Flüsse als in einem „normalen“ Sommer.

Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Ertrunkenen im Freistaat dann auf 79 – doch heuer rechnen die Experten mit einem neuen Höchststand. „Aus allen Berichten ist ablesbar, dass es 2015 mehr sein werden als 2014“, sagt DLRG-Sprecher Horst Auer. Nach Angaben des Roten Kreuzes und der Polizei starben allein bis Anfang August mindestens 59 Menschen in bayerischen Gewässern.

Die Gründe sind laut Horst Auer immer dieselben: „Der größte Fehler ist Selbstüberschätzung. Da sitzt jemand den ganzen Tag im Büro und meint dann, er müsse am Feierabend sportlich alles nachholen. Er schwimmt zu weit raus und hat keine Kraft mehr für den Rückweg.“

Auch Übermut ende oft tödlich, vor allem bei Jugendlichen. Exzessives Sonnenbaden vor dem Schwimmen könne ebenfalls fatale Folgen haben, warnt der Experte. „Beim Sonnen wärmt sich der Körper auf. Wenn die Menschen dann bei 30 Grad Lufttemperatur in zehn Grad kälteres Wasser springen, schockt der Organismus und man wird bewusstlos. An Land wäre das kein großes Problem, aber im Wasser ist es tödlich.“

Außerdem rät Horst Auer zu erhöhter Vorsicht in fremden Gewässern – und erzählt von einem Badegast, den er selbst am Wochenende aus einem See in Franken gefischt hat: Der Mann hatte sich beim Tauchen mit dem Hals in Schlingpflanzen verfangen, von deren Existenz er keine Ahnung hatte. Die Retter waren rechtzeitig zur Stelle, er hat überlebt.

Besonders tragisch: Unter den Toten sind immer mehr Asylbewerber. Menschen, die vor Verfolgung und Gewalt in ihren Heimatländern geflohen sind, und im sicheren Bayern beim Baden sterben, weil sie nicht schwimmen können.

So mussten die Rettungstaucher, die am Samstag im Olchinger See nach dem vermissten Rentner suchten, einem 21-jährigen Syrer helfen, der unterzugehen drohte. An einigen Seen und Flüssen wurden deshalb schon Warnschilder in mehreren Sprachen aufgestellt.

Die Jugendabteilung der DLRG hat auf der Internetseite www.baderegeln.net nützliche Hinweise zusammengestellt.

Sicher Baden – so geht’s

  • Gehen Sie nur zum Schwimmen, wenn Sie sich körperlich fit fühlen.
  • Sowohl ein leerer als auch ein voller Magen kann im Wasser zu gesundheitlichen Problemen führen.
  • Kühlen Sie sich ab, bevor Sie ins Wasser springen.
  • Wenn Sie Nichtschwimmer sind, sollten Sie nur so weit in einen See hineinwaten, bis Ihnen das Wasser bis zum Bauch steht.
  • Schätzen Sie sich und ihre Kräfte realistisch ein.
  • Wenn es unbedingt die Langstrecke sein muss: Schwimmen Sie nicht geradewegs auf den See hinaus, sondern am Ufer entlang.
  • Rufen Sie niemals um Hilfe, wenn Sie nicht wirklich in Gefahr sind.
  • Halten Sie sich von Schiffen und Booten fern.
  • Springen Sie nur ins Wasser, wenn es tief genug ist und niemand dort schwimmt.
  • Aufblasbare Gummitiere bieten keine Sicherheit.
  • Verlassen Sie sofort das Wasser, wenn ein Gewitter aufzieht. Baden bei Blitz und Donner ist lebensgefährlich.
  • Lassen Sie Ihre Kinder nicht allein ans Wasser. Erst wenn sie sichere Schwimmer sind, ist der richtige Moment gekommen. „Davon reden wir, wenn ein Kind das Deutsche Jugendschwimmabzeichen in Bronze abgelegt hat“, sagt DLRG-Sprecher Horst Auer. „Das Seepferdchen reicht keinesfalls aus!“

 

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