AZ-Historie: Zum 100. Todestag - wer war König Ludwig III.?

Am 18. Oktober ist der 100. Todestag von König Ludwig III. Die AZ zeigt 15 interessante Anekdoten über den letzten König Bayerns.
| Rosemarie Vielreicher
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Ludwig III. im Jahr 1912. Er war der letzte König von Bayern. Mit ihm enden 738 Jahre Herrschaft der Wittelsbacher über den späteren Freistaat. Einer seiner Nachkommen, Ururenkel Prinz Ludwig von Bayern (39), engagiert sich heute stark in der Entwicklungshilfe in Kenia.
Ludwig III. im Jahr 1912. Er war der letzte König von Bayern. Mit ihm enden 738 Jahre Herrschaft der Wittelsbacher über den späteren Freistaat. Einer seiner Nachkommen, Ururenkel Prinz Ludwig von Bayern (39), engagiert sich heute stark in der Entwicklungshilfe in Kenia. © imago images/Artokoloro

Mit dem Wittelsbacher Ludwig III. geht 1918 die Monarchie in Bayern unter. Sein Abgang ist wenig glorreich, und auch heute überstrahlt ihn noch immer sein ungeliebter Vetter Ludwig II. Aber wer war Bayerns letzter König - als Mensch, als Monarch? Am 18. Oktober jährt sich sein Tod zum 100. Mal. Die AZ hat 15 Anekdoten über ihn gesammelt - wussten Sie's?

1. Seine Spitznamen

Sein vollständiger Name ist royal-lang: Ludwig Leopold Joseph Maria Aloys Alfred. Kein Wunder, dass sich das Volk ein paar Spitznamen überlegte. Weil Ludwig III. die Landwirtschaft liebte und über Jahrzehnte ein Gut in Leutstetten führte, wurde er "liebevoll-spöttisch", wie es Historiker Stefan März aus München nennt, als "Millibauer" betitelt.

Stefan März.
Stefan März. © ho

März hat eine Biografie über Ludwig III. verfasst (Pustet Verlag, 14,95 Euro). Und noch ein frecher Spitzname: "Ludwig, der Vielfältige" - denn seine Kleidung schaute häufig zerknittert aus. Dieser Beiname soll ihm immer noch lieber gewesen sein, als wenn er der "Einfältige" genannt worden wäre, so März.

Die Biografie über Ludwig III. von Historiker Stefan März.
Die Biografie über Ludwig III. von Historiker Stefan März. © ho

2. Des Großvaters Einschätzung

Ludwig III. war wenige Monate älter als sein Cousin, der spätere Ludwig II. Der kam als König zum Zug, weil sein Vater Maximilian näher an der Thronfolge war. Ihr Großvater Ludwig I. meinte über die beiden Ludwige: Der Jüngere (II.) sei der Schönste, der ältere dagegen der Gescheiteste. Die Mutter von Ludwig III. sagte im Übrigen zu ihrem Sohn, als Ludwig II. geboren wurde (denn damit hatte Thronfolger Maximilian doch einen männlichen Nachfolger): "Ludwig, bisher warst du etwas, jetzt bist du nichts mehr."

3. Ludwig II. - Die ungeliebte Verwandtschaft

Was sich daraus vielleicht schon herauslesen lässt: Zwei Ludwige, keine Harmonie. Und zwar nie. Stefan März beschreibt es für die AZ so: "Die beiden gleichaltrigen Ludwige mochten sich von Kindesbeinen an nicht leiden, als sie an den Wochenenden gemeinsam im Nymphenburger Park spielten." Als Ludwig II. ab 1864 König war, erteilte er seinem Cousin mehrmals Hofverbote. Und als Ludwig III. nach seiner Hochzeit nach München zurückkehrte, meldete sich Ludwig II. krank, um das Hochzeitspaar nicht empfangen zu müssen.

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4. Seine Kriegsverletzung

Seit dem Krieg von 1866 hatte der spätere Ludwig III. eine preußische Bleikugel im Oberschenkel. Deswegen zog er Zeit seines Lebens sein linkes Bein nach, denn die Kugel wurde nie entfernt.

5. Seine Herzdame

Die Ehe mit Erzherzogin Marie Therese von Österreich-Este (Habsburgerin) soll eine Liebesheirat gewesen sein. Er lernt sie 1867 mit 22 Jahren kennen. Sie verloben sich ausgerechnet zwei Wochen, nachdem die Verlobung von Ludwig II. und Herzogin Sophie in Bayern gescheitert war. Ein Seitenhieb an den ungeliebten Cousin? Bei der Hochzeit 1868 in Wien sind auch Sisi und Franz von Österreich als Gäste dabei.

6. Sein Kindersegen

Ludwig III. und seine Frau bekommen 13 Kinder, der älteste Sohn heißt Rupprecht (1869). Mehrere Kinder sterben früh, etwa Mathilde mit 29 Jahren. Ein Lungenleiden. Zwei Töchter nennen sie nach Kaiser Wilhelm - Wiltrud und Helmtrud.

7. Der Wohnsitz

"Rivale" Ludwig II. erbaute sich das Märchenschloss Neuschwanstein, Ludwig III. mochte es weniger extravagant. Er hatte den Hauptwohnsitz im Wittelsbacher Palais an der Brienner Straße. Die Sommerresidenz der Familie: Schloss Leutstetten.

8. König in der Warteschleife

Letztlich war Ludwig III. nur sechs Jahre - von 1913 bis 1918 - König von Bayern. "In der Thronfolge stand Ludwig eigentlich hintenan", erklärt Stefan März. "Erst als sein Vater Luitpold 1886 die Regentschaft ("Prinzregent") für seine beiden regierungsunfähigen und kinderlosen Neffen Ludwig II. und Otto I. (der Bruder von Ludwig II.; Anm. d. Red.) übernahm, rückte Ludwig de facto in den Rang eines Kronprinzen auf." Sein Vater starb 1912, damit wurde Ludwig endlich mit 68 Jahren erst Prinzregent und bestieg 1913 den Königsthron, nachdem der Landtag dies durch eine Änderung der Verfassung möglich machte. Der Historiker März fügt an: "Kurioserweise war seinem geisteskranken Vetter Otto die Königswürde belassen worden, so dass Bayern formal bis zu dessen Tod im Jahr 1916 zwei Könige hatte."

9. Der Image-Wandel

Ludwig III. galt als bodenständig, volkstümlich, als "Bürgerkönig", wie es März nennt. Anfangs war er beliebt, "was sich erst im Laufe des Ersten Weltkriegs wandelte". Er brachte sich nicht für einen Friedensschluss ein, sondern träumte noch viel zu lange von Gebietsannexionen. Formal war er der Allerhöchste Kriegsherr der bayerischen Armee. März konstatiert ihm in seinem Buch auch eine "notorische Unentschlossenheit".

10. Seine Gläubigkeit

Er war streng gläubig und trieb voran, dass der Papst die Jungfrau Maria 1916 offiziell zur Patronin von Bayern ernannte.

11. Seine soziale Ader

Im Weltkrieg ließ Ludwig zahlreiche Schlösser zu Lazaretten umfunktionieren und spendete Millionen für Opfer und Hinterbliebene.

12. Seine Verdienste (schon vor der Zeit als König)

"Ludwig war als Protektor des Deutsches Museums seit 1903 der wichtigste Förderer des Großvorhabens", ordnet Stefan März ein. Es wurde aber erst nach seinem Tod, 1925, eröffnet. Auf seine Initiative hin wurde 1892 der "Verein zur Hebung der Fluss- und Kanalschifffahrt in Bayern" gegründet, der zum Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals führte.

Und er setzte sich auch jahrelang dafür ein, dass die bayerischen Universitäten gefördert wurden. "Die TU München hat ihm das Promotionsrecht zu verdanken", so März. Der Adelige selbst soll während seines Studiums sehr strebsam und fleißig gewesen sein, er verpasste keine Vorlesung.

13. Foto, bitte!

Er ließ sich während seiner Zeit als König nicht nur in vielen Städten von Franken bis ins Rottal blicken. Er liebte auch Foto- und Filmaufnahmen. Bis 1918 war der meistgefilmte Mann zwar freilich Kaiser Wilhelm II. mit 320 Aufnahmen, Ludwig III. kam damals aber immerhin schon auf 64 Leinwandauftritte.

14. "Majestät, genga's hoam, Revolution is"

Nach viereinhalb Jahren Krieg stand das Deutsche Reich im Herbst 1918 militärisch vor dem Zusammenbruch, schildert Ludwig-Experte März der AZ. Schon ab Januar war es zu Arbeitsniederlegungen gekommen, während das Königshaus noch die Goldene Hochzeit zelebrierte. Da prallten zwei Welten aufeinander. Was folgte? Revolution! "Die Lage war zwar nicht primär durch Ludwig III. verschuldet, aber er verhinderte den Zusammenbruch auch nicht." Kurt Eisner rief am 8. November 1918 den Freistaat Bayern aus. "Majestät, genga'S hoam, Revolution is!" - so soll ein Passant den König im Park noch angesprochen haben. Die Königsfamilie flieht tatsächlich, erst an den Chiemsee, später nach Österreich. Wie März in seiner Biografie über Ludwig III. schreibt, sollen die goldenen Kronen am Königswagen kurzerhand mit den Handschuhen der Prinzessin Wiltrud verhüllt worden sein - um unerkannt zu bleiben. Ludwig soll lediglich eine Zigarrenschachtel eingepackt haben - weil er noch nicht an das endgültige Ende der Monarchie glaubte?

15. Sein Tod

Nach dem Ende der Monarchie lebte Ludwig zurückgezogen, am 18. Oktober 1921 starb er mit 76 Jahren in Ungarn auf seinem Landgut Sarvar. Das Herz war's. Begraben ist er neben seiner Frau im Münchner Liebfrauendom.

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