Asyl-Zahlen sinken - Herrmann sieht Entlastung für Kommunen

Angesichts sinkender Asylbewerberzahlen und steigender Abschiebe- und Ausreisezahlen sieht Innenminister Joachim Herrmann (CSU) inzwischen spürbare Entlastungen für Bayerns Kommunen. Zwar brauchte es zum Jahreswechsel immer noch rund 124.500 Unterkunftsplätze - das waren aber 13.500 weniger als ein Jahr zuvor. Das sei eine Entlastung, die direkt vor Ort ankomme, sagte Herrmann bei der Vorstellung einer umfassenden Asyl-Bilanz der Staatsregierung.
Dabei zog er ein durchweg positives Fazit: "Die Asylwende ist in vollem Gange", sagte er. Die Asylzugangszahlen hätten sich halbiert und gingen weiter zurück. Diesen Trend sehe man besonders deutlich seit der weiteren Verstärkung der Grenzkontrollen durch die schwarz-rote Bundesregierung und dem Beginn von Zurückweisungen auch von Asylbewerbern an den deutschen Grenzen. Die Zeit der "naiven Migrationspolitik" sei vorbei.
Die Zahlen, Herrmanns Forderungen und kritische Stimmen im Überblick:
Weniger neue Asylbewerber und weniger Kriegsflüchtlinge
ASYLBEWERBER: 2025 sind 13.865 Asylbewerber neu nach Bayern gekommen - das sind 57 Prozent weniger als im Vorjahr, da waren es noch 31.895. Der Asylzugang habe sich also mehr als halbiert, sagte Herrmann. Auch die Zahl der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine ging demnach zurück, um rund 15 Prozent, von 20.000 auf 17.000 Menschen im Jahr 2025.
Aber: Schon von 2023 auf 2024, also vor Amtsantritt der schwarz-roten Bundesregierung, waren die Asyl-Zugangszahlen um 37 Prozent gesunken - im Jahr 2023 waren noch 50.304 neue Asylbewerber gezählt worden. Asyl-Experten sehen vor allem die Veränderung der politischen Lage in Syrien - lange Zeit das Herkunftsland Nummer eins von Asylbewerbern in Deutschland - als Hauptgrund für den Rückgang.
Mehr Abschiebungen und freiwillige Ausreisen
ABSCHIEBUNGEN: Die Zahl der sogenannten Rückführungen aus Bayern stieg im vergangenen Jahr um 21 Prozent auf 3.649. Die Zahl der freiwilligen Ausreisen nahm um sieben Prozent auf 15.764 zu. Insgesamt verzeichneten die Behörden damit bei den sogenannten Aufenthaltsbeendigungen ein Plus von 9 Prozent, von 17.767 im Jahr 2024 auf 19.413 im vergangenen Jahr. Diese Zahlen hatte das Innenministerium im Januar erstmals mitgeteilt.
ABGESCHOBENE STRAFTÄTER: Im Jahr 2025 wurden insgesamt 1.405 Männer und Frauen aus dem Freistaat abgeschoben, die zuvor strafrechtlich verurteilt worden waren. Damit liegt der Straftäteranteil bei den Abschiebungen laut Innenministerium bei knapp 40 Prozent.
Herrmann begrüßte es insbesondere, dass auch wieder schwere Straftäter nach Afghanistan abgeschoben würden. Seit 2025 seien dies allein 19 schwere Straftäter aus bayerischer Zuständigkeit gewesen.
Deshalb weniger Menschen in den Kommunen untergebracht
AUSLASTUNG DER KOMMUNEN: Die Zahl der Menschen, die von den bayerischen Kommunen in Asylbewerberunterkünften und anderswo untergebracht werden mussten, ging merklich zurück. Ende 2024 waren es laut Innenministerium noch 138.000 Menschen, ein absoluter Höchststand. Binnen eines Jahres ging die Zahl nun um 13.500 auf 124.500 zurück.
Dieser Rückgang bedeute eine Entlastung, die in den Kommunen vor Ort ankomme, betonte Herrmann. Ein Bedarf an geeigneten und bezahlbaren Unterkünften bestehe zwar weiterhin. "Es ist in Summe aber kein Zuwachs an Unterkunftsplätzen mehr erforderlich." Einige Unterkünfte hätten sogar geschlossen werden können. "Konsequent beenden wollen wir vor allem besonders teure Unterkünfte. Das betrifft etwa Hotels und noch verbliebene Notunterkünfte", kündigte er an. Und: Mittlerweile müsse keine einzige Schulturnhalle mehr für die Asylunterbringung genutzt werden.
Herrmann: Bayern führend bei Integration in Arbeitsmarkt
INTEGRATION IN DEN ARBEITSMARKT: Herrmann betonte, dass Bayern mit 75,5 Prozent die bundesweit höchste Erwerbstätigenquote von Menschen mit Migrationshintergrund aufweise. Zudem habe der Freistaat im Jahr 2025 mit durchschnittlich 9,0 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote von Ausländern gehabt. Für den bayerischen Arbeitsmarkt sei das ein entscheidender Faktor: "Der Beschäftigungsaufbau in Bayern wird seit 2023 nur noch von ausländischen Staatsangehörigen getragen", sagte Herrmann.
Weitergehende Forderungen
Herrmann forderte, nicht nur Deutschland, sondern auch die Europäische Union müsse ihren Kurs zur Steuerung und Begrenzung irregulärer Migration konsequent fortsetzen. Die Zahlen an den EU-Außengrenzen seien zwar rückläufig, aber immer noch zu hoch. Im Kampf gegen Schleuser brauche es eine enge Kooperation mit den Staaten entlang der Transitrouten. Zudem begrüßte Herrmann eine Einigung auf EU-Ebene, dass Asylverfahren in sicheren Drittstaaten künftig rechtlich leichter möglich sein sollten.
Heftige Kritik vom Flüchtlingsrat
Scharfe Kritik kam vom Bayerischen Flüchtlingsrat: "Wer feiert, dass weniger Schutzsuchende nach Bayern (oder Deutschland) kommen, muss sich fragen lassen, wo denn da der Erfolg ist. Trotz immer höher steigender Flüchtlingszahlen gibt es immer weniger Zuflucht." Die Zurückweisung von Geflüchteten an den deutschen Grenzen sei ein Bruch des Flüchtlingsrechts der Europäischen Union, klagt die Organisation. Und: Viele Abschiebungen würden mit großer Rücksichtslosigkeit durchgesetzt, teils würden Geflüchtete abgeschoben, die eine Ausbildung machen. "Alles in allem ist die bayerische Bilanz der Asylverweigerung und Aufenthaltsbeendigungen kein Ruhmesblatt, sondern eine Liste der Schande", so der Flüchtlingsrat.