Archäologie-Museum: Tote von Niederpöring bekommt ein Gesicht

Schmales Gesicht, dunkle Augen und das Haar zum Dutt gesteckt - so könnte die Frau ausgesehen haben, die vor 7.000 Jahren bei Deggendorf beerdigt worden ist. Jetzt wird ihre Büste ausgestellt.
| dpa
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen

Künzing - Wie hat eine Frau in der Jungsteinzeit ausgesehen? Diese Frage beantwortet das Museum Quintana in Künzing im Kreis Deggendorf mit der Rekonstruktion des Gesichts einer vor 7.000 Jahren gestorbenen Frau. Deren Schädel und Knochen waren 2015 bei Ausgrabungen im nahe gelegenen Niederpöring gefunden worden, wie Museumsleiter Roman Weindl sagt.

Vom 24. Mai an können Besucher sich ein Bild davon machen, wie die Frau, die bei ihrem Tod etwa 50 Jahre alt war, ausgesehen haben könnte. Neben der lebensechten Büste werden auch die originalen Knochenfunde gezeigt.

Niederpöring: Tonmodell mit Silikonkautschuk abgegossen

Mit moderner Technik - wie sie auch in der Kriminologie eingesetzt werde - sei es einem Forscherteam gelungen, der "Toten von Niederpöring" ein Gesicht zu geben, sagte Weindl. Dafür sei im Klinikum Passau eine Computertomographie des Schädels gemacht und anhand der Daten ein 3D-Druck des Schädels angefertigt worden. Mit Ton modellierten Experten Haut, Muskeln und Gewebe. Das Tonmodell sei mit Silikonkautschuk abgegossen und die Büste mit der Airbrush-Methode hautfarben koloriert worden, erklärt Weindl.

Ob es sich bei dem Knochenfund um einen Mann oder eine Frau handelte, sei via DNA-Proben - mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit - festgestellt worden. Die DNA habe sich im Zahnbelag gefunden. Gen- und Isotopenuntersuchungen hätten ergeben, dass die Vorfahren der Frau aus Anatolien über den Balkan eingewandert seien, sie selbst aber schon in der Umgebung von Niederpöring aufgewachsen sei. Auch Augenfarbe und Teint habe sich bestimmen lassen.

Niederpöring: Auch Werkzeug und Keramik mit ins Grab gelegt

Keine Belege gebe es jedoch für die Frisur. Allerdings fänden sich in Gräbern aus dieser Zeit immer wieder auch Reste von Kämmen. Die Haare - es wurden Echthaare transplantiert - seien deshalb mit einem Kamm hochgesteckt worden. "Dafür haben wir eine lokale Friseurin hinzugezogen."

Das Besondere an dem jungsteinzeitlichen Fund sei der teilweise erhaltene Kopfschmuck, den die Frau im Grab trug. Er besteht aus einem mit Schneckenhäuschen besetzten Lederband. 207 der Gehäuse der heute seltenen Donaukahnschnecke waren am Kopf noch zu sehen, das Leder war nicht mehr vorhanden. Ursprünglich waren es den Forschern nach etwa 400 Schneckenhäuschen. Der Schmuck deute darauf hin, dass die Frau eine gehobene soziale Stellung gehabt habe.

Insgesamt wurden 2015 in Niederpöring sieben Gräber auf einem Gräberfeld aus der Zeit zwischen 5.500 und 5.000 v. Chr. entdeckt. Neben Schmuck wurde den Toten nach Museumsangaben auch Werkzeug und Keramik mit ins Grab gelegt.

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren