Anwohner über Stau-Chaos an Top-Ausflugsziel in Bayern: "Es war die Hölle"
Schönes Frühlingswetter in Kombination mit Feiertagen bedeutet rund um den Touristen-Hotspot Eibsee: sehr viele Ausflügler, sehr viel Verkehr.
So ist es auch an den zurückliegenden Ostertagen gewesen. Wirklich überrascht ist die Polizei davon nicht mehr. Das sei nichts Ungewöhnliches, heißt es dazu aus Garmisch.
Anwohner Andreas Neuner (18) aus dem Zugspitzdorf Grainau (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) dokumentiert trotzdem, wie viele Fahrzeuge im Stau stehen, auf Wiesen parken und wie viele Besucher zum Eibsee am Fuß der Zugspitze strömen. Er war am Ostersonntag vor Ort und hat den Massentourismus beobachtet.
"Das hatten wir noch nie"
Er sagt der AZ am Dienstag nach dem großen Ansturm: "Es war die Hölle." Er wiederholt das Wort noch mehrmals. "Das hatten wir noch nie", sagt er über den Ostersonntag. "Wir Anwohner haben damit gerechnet, dass es Stau geben wird. Aber wir haben nicht damit gerechnet, dass es dieses Mal so ein Ausmaß haben wird."

Schon ab 10.15 Uhr habe sich der Stau über Hunderte Meter gezogen, so Neuner. "Es war extrem: die Menschenmassen am Eibsee und dann die Wiesen-Parker. Man hat die Wiese gar nicht mehr gesehen."
Menschenmassen, "fast schon Viehtrieb"
Bei Facebook hat der Grainauer einen ausführlichen Bericht verfasst. Betitelt hat er den Beitrag so: "Der 5. April 2026: Ausnahmezustand im Zugspitzdorf – ein Tag der Extreme". Er schreibt darin mitunter: "Der Eibseestau erreichte seine maximale Länge zwischen der Christlhüttn und Indoorsport Rösner und brachte einen maximalen Zeitverlust von knapp über einer Stunde und 30 Minuten für gerade einmal zwei Kilometer."

Währenddessen sei "der Eibseeberg quasi zu einer Fußgängerzone" geworden. "Am Eibsee angekommen, hatte man dann erst einmal eines der klassischen Sommerbilder vor Augen: Menschenmassen, fast schon Viehtrieb, so weit das Auge reicht."
"Wie an schönen Tagen im Juli oder August"
Weiter berichtet der 18-Jährige unter anderem über die Parksituation an der Christlhüttn: "Es wurde so verrückt geparkt, dass ein Auto aus der Nähe von München beinahe in den Graben gerutscht wäre."
Grainaus Bürgermeister Stephan Märkl teilt der AZ seine Einschätzung mit: "Am Karfreitag und am Ostersonntag waren im Hinblick auf das Wetter und der Osterfeiertage Zustände wie an schönen Tagen im Juli oder August. Erschwerend kam hinzu, dass die Bedingungen auf der Zugspitze zum Skifahren mehr als perfekt sind."

Das sagt die Polizei in Garmisch dazu
Andreas Breitrück von der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen hat sich für die AZ das Oster-Wochenende am Eibsee aus Polizeisicht angeschaut. Am 3. April (Karfreitag) sowie am 5. April (Ostersonntag) seien "aufgrund des guten Ausflug-Wetters und des regen Verkehrs Richtung Eibsee" die Parkplätze am Eibsee/Talstation Zugspitzbahn ausgelastet gewesen, jeweils am Vormittag. Genauer: einmal schon um 10.15 Uhr, einmal um 11.44 Uhr.
Die Bayerische Zugspitzbahn bestätigt der AZ, dass am Freitag, 3. April, sowie am Sonntag, 5. April, der Ticketverkauf eingestellt wurde "aufgrund des hohen Besucherandrangs". "Ausschlaggebend hierfür waren insbesondere die guten Wetterbedingungen. An den übrigen Osterfeiertagen war es ruhiger", so eine Sprecherin.
Die Polizei hat ansonsten keine besonderen Vorkommnisse vermerkt. Der Beamte sagt: "Ja, es waren viele Leute und viele Fahrzeuge da." Aber letztlich sei das nichts Ungewöhnliches mehr an dem Ausflugsziel, gerade wenn das Wetter passt und Wochenende ist. Noch dazu sind in Bayern gerade Ferien.
Hinweisschilder werden teils ignoriert
Ein Problem: Die Menschen geben das Ausflugsziel ins Navi ein und gehen davon aus, dass sie dort schon noch einen Parkplatz finden werden. "Sie fahren in die Richtung unabhängig davon, ob vorher schon vier Infoschilder stehen, dass der Parkplatz nicht mehr angefahren werden soll", sagt der Polizist. Die Folge: Es geht nichts mehr voran.

Neue Buslinien für Einheimische und Besucher
Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen hat bereits in Sachen ÖPNV reagiert und neue Buslinien eingeführt. Seit 1. April gibt es einen "Dorf-Bus" (Bus 315) für Einheimische, der nicht den Eibsee ansteuert. Zusätzlich ist der Bus 323 für Touristen und Ausflügler da, der sie von Garmisch gezielt und schneller zum beliebten See bringen soll.
Besonders im Sommer werden zudem Verstärker-Busse eingesetzt. Aber auch am vergangenen April-Wochenende waren diese laut Busplan im Einsatz. Auf Bildern von Andreas Neuner ist zu sehen, wie einer der 323-Busse selbst im Stau steht.
Die Verstärker-Busse braucht Verstärkung
Ein Sprecher des Landratsamtes sagt der AZ am Dienstag, dass das neue Buskonzept grundsätzlich gut angenommen worden sei. Nur der schöne Sonntag sei "ein bisschen schwierig" gewesen. Es habe "einen ziemlich hohen Andrang" gegeben, die Touristenlinie sei "sehr ausgelastet" gewesen. Trotz Verstärker-Bussen.
Man wolle hier nun nachsteuern, also beispielsweise dien Verstärker-Busse verstärken. Er stellt auch in Ausblick, dass in naher Zukunft mit Karte oder App gezahlt werden könne. Aktuell muss man noch beim Busfahrer bar zahlen (sechs Euro von Garmisch bis zum Eibsee; kein Deutschland-Ticket).
Mit Blick auf die anstehende Saison verheißt der österliche Vorgeschmack für Neuner jedenfalls nichts Gutes: Als Anwohner von Grainau befürchtet er den "Kollaps" des Verkehrs. Er findet: "Das kann so nicht weitergehen."

