Anwohner entsetzt: Wald wird abgeholzt!

Naherholungsgebiet bei Weiherhaus: Riesige Maschinen fällen alle fünf Minuten einen Baum – fürs Forstamt „eine ganz reguläre Durchforstung“.
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Riesige Maschinen schlagen Schneisen in den Wald: So sieht es derzeit nach den Forstarbeiten bei Weiherhaus aus.
privat 2 Riesige Maschinen schlagen Schneisen in den Wald: So sieht es derzeit nach den Forstarbeiten bei Weiherhaus aus.
Der Bannwald zwischen dem Nürnberger Stadtteil Weiherhaus (rechts) und dem Donau-Main-Kanal: Das Forstamt schlägt hier derzeit so viel Holz, wie in den letzten acht Jahren nachgewachsen ist. Vor allem alte Bäume müssen jungen Gehölzen Platz machen.
Google Earth 2 Der Bannwald zwischen dem Nürnberger Stadtteil Weiherhaus (rechts) und dem Donau-Main-Kanal: Das Forstamt schlägt hier derzeit so viel Holz, wie in den letzten acht Jahren nachgewachsen ist. Vor allem alte Bäume müssen jungen Gehölzen Platz machen.

Naherholungsgebiet bei Weiherhaus: Riesige Maschinen fällen alle fünf Minuten einen Baum – fürs Forstamt „eine ganz reguläre Durchforstung“.

NÜRNBERG Seit 30 Jahren wohnt Jurek Adamczyk im Nürnberger Stadtteil Weiherhaus. Gerne geht er dort im Waldstück am Main-Donau-Kanal spazieren. Doch seit einigen Tagen ist seine Freunde an der Natur getrübt. Riesige Maschinen werkeln im Wald. „Alle fünf Minuten fällt ein Baum. Dabei ist hier doch Bannwald“, schimpft er.

Es sieht schlimm aus. Abgebrochene Äste liegen am Boden, plattgewalzt von den dicken Reifen der Fäll-Maschinen. Alle 30 Meter haben diese so genannten Vollernter, die Bäume fällen, entasten und computergesteuert auf Länge schneiden, eine sechs bis acht Meter breite Schneise in den Wald geschlagen. „Acht Stück habe ich schon gezählt“, sagt Adamczyk. „Hier wird unsere grüne Lunge zerstört. An den Wegen türmen sich die Holzstapel!“

„Es sieht schon wild aus, wenn unsere Maschinen im Wald arbeiten“, gesteht Roland Blank, Leiter des Forstbetriebs Nürnberg. Doch bei dem Einsatz in Weiherhaus handle es sich „um eine ganz reguläre Durchforstung, wie sie alle acht Jahre stattfindet“. Das heißt, es wird so viel Holz entnommen, wie in dieser Zeit nachgewachsen ist. Außerdem müssen die alten Bäume gefällt werden, weil sie den jungen Licht und Nährstoffe wegnehmen. „Wir haben hier vor 15 Jahren junge Laubbäume gepflanzt. Die könnten sich sonst nicht entwickeln“, erläutert Blank. Ziel ist, aus dem eintönigen Steckerlaswald einen ökologisch wertvollen Mischforst zu machen.

Die Untere Naturschutzbehörde bekräftigt dies. „Diese Art der Durchforstung ist am wenigsten schädlich, auch wenn die geraden Schneisen nicht schön aussehen“, so Wolfgang Vöckler. Da die Vollernter in jede Richtung fast 15 Meter Reichweite haben, werden die Flächen dazwischen geschont. „In drei bis vier Jahren hat sich auch der Wald in den Fahrgassen wieder regeneriert“, verweist Vöckler auf die Erfahrungen bei anderen Fällaktionen.

Was Jurek Adamczyk nur bedingt beruhigt: „Für meine Generation ist dieser Wald zerstört.“

Michael Reiner

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