Antikörper-Studie gestartet: Stadt Straubing erhofft sich Antworten

Das RKI testet nun auch in Straubing, wie viele Bewohner unbemerkt an Corona erkrankt waren. Die Stadt freut die Studien-Chance. Denn es gibt viele offene Fragen – und einen Dämpfer
| Christoph Urban
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Blutabnahme im Bus: Straubings Stadtoberhaupt Markus Pannermayr (CSU) lässt sich als erster für die Studie piksen.
Blutabnahme im Bus: Straubings Stadtoberhaupt Markus Pannermayr (CSU) lässt sich als erster für die Studie piksen. © urb

Straubing - Warum gerade Straubing? Diese Frage hat nicht nur die Menschen im dortigen Rathaus und Gesundheitsamt monatelang beschäftigt, als die Stadt auf den vorderen Plätzen der Inzidenz-Liste des Robert-Koch-Instituts mit den meisten nachgewiesenen Corona-Infektionen in ganz Deutschland stand.

Einen wichtigen Beitrag zur Antwort soll nun die Antikörper-Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) bringen, die am Dienstag begonnen hat.

Bei 4.000 Straubingern ist dazu in den vergangenen Tagen ein DinA4-großer Briefumschlag, gefüllt mit etlichen Seiten Infomaterial zu der Studie in die Briefkästen geflattert – sie wurden auserwählt. Die Teilnahme ist freiwillig, das RKI hofft auf 2.000, die mitmachen. Bis Dienstag hatten sich laut RKI 620 Menschen angemeldet.

Erste Testperson in Straubing war der Rathaus-Chef selbst: OB Markus Pannermayr (CSU) trat in der in einem Bus untergebrachten Teststation zu Rachenabstrich und Blutentnahme an.

Rückblick: Zwei solcher Studien gab es bereits in anderen Hotspots, in Bad Feilnbach im Landkreis Rosenheim AZ berichtete und in Kupferzell, Baden-Württemberg.

Die Ergebnisse überraschten, sagte Studienleiterin Dr. Claudia Santos-Hövener: So konnten bei den je 40 Corona-Positiven in beiden Orten nicht bei allen Antikörper gefunden werden – in Kupferzell bei rund 30 Prozent der Positiven nicht, in Bad Feilnbach sogar bei rund 40 Prozent. Die Infektion hätte also im Nachhinein nicht nachgewiesen werden können. Ein laut Santos-Hövener "total spannendes" Ergebnis, das aber zeigt, dass auch die Antikörper-Studie in Straubing nicht vollständig aufklären wird, wie groß die Dunkelziffer an unentdeckt Infizierten tatsächlich war - weil die Antikörper anscheinend nach einiger Zeit verloren gehen.

Trotzdem konnten die Studien in Bad Feilnbach fast dreimal mehr Infektionen nachweisen als bekannt, in Kupferzell fast viermal mehr.

Oberbürgermeister Pannermayr sagte am Dienstag, er erhoffe sich vor allem Antworten auf drei Fragen: Infizieren sich derzeit wirklich nur Reiserückkehrer und deren Angehörige, wie das Gesundheitsamt glaubt – oder gibt es unentdeckte Infektionen etwa durch Feiern? Zweitens: Wie viele Straubinger waren wirklich infiziert? "Wir haben sicher überproportional viel getestet", sagte der OB – aber haben die Tests alle Fälle erfassen können?

Und drittens: Woher stammten die vielen Infektionen? "Die Eishockey- und Volleyballspiele, das Starkbierfest – die sind bei den Nachfragen des Gesundheitsamts fast nicht angegeben worden", sagte der OB. "Vielleicht bringt die Studie einen Zusammenhang ans Licht, den wir nicht gesehen haben."

Das Rathaus hatte sich stark um die Aufnahme in die Studie bemüht, im Landesamt und im Ministerium vorgesprochen. Die Ergebnisse sollen in einigen Wochen vorliegen.

Die Teilnahme selbst besteht aus zwei Teilen: Zunächst wird bei den Probanden ein Rachenabstrich zum Test einer akuten Infektion gemacht sowie Blut abgenommen, um mögliche Antikörper zu bestimmen. Das soll zeigen, wie weit sich das Virus in der Bevölkerung verbreitet hat. Im zweiten Teil werden die Teilnehmer zu Vorerkrankungen, Vorsichtsmaßnahmen und ihrem Sozialverhalten befragt - ob sie etwa bei Feiern oder auf Veranstaltungen waren.

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