Anschlag geplant? Jung, rechts und zu allem bereit

Fabian D. (22) aus der Oberpfalz soll einen Anschlag an einem "Ort der Andacht" geplant haben. Er hatte schon Waffen bestellt. Jetzt wird ihm der Prozess gemacht.
| Helmut Reister
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Am 19. November beginnt vor dem Landgericht in Nürnberg der Prozess.
Am 19. November beginnt vor dem Landgericht in Nürnberg der Prozess. © Daniel Karmann (dpa)

Cham/München - Terror und Mord sind das Programm der "Feuerkrieg Division" (FKD), einer international vernetzten, extrem gewaltbereiten Neonazi-Gruppe. Seit 2019 ist sie nach den Beobachtungen der Verfassungsschutzbehörden auch in Deutschland aktiv. Einblicke in das Innenleben der "Feuerkrieger" liefert das Strafverfahren gegen Fabian D. (22) aus einem Dorf bei Cham.

Anklage hat in seinem Fall die Generalstaatsanwaltschaft in München erhoben. Dort ist die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) angesiedelt, die für ganz Bayern zuständig ist.

Plante der Mann eine "staatsgefährdende Tat"?

Dem gelernten Elektriker aus der Oberpfalz, der bis zu seiner Festnahme im Februar im Keller seines Elternhauses wohnte, wirft die Behörde die "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Tat" vor. Am 19. November beginnt vor dem Landgericht in Nürnberg der Prozess gegen ihn. Das bestätigte Justizsprecher Friedrich Weitner.

In der Kommunikation der "Feuerkrieg Division", die zum größten Teil im Darknet oder über einen russischen Messengerdienst läuft, trat Fabian D. als "Heydrich" auf - eine Namenswahl mit bitterem Geschmack und alles andere als Zufall. Reinhard Heydrich war der Mann im NS-Regime, der den systematischen Massenmord an den Juden maßgeblich organisiert hatte.

Illegale Waffenlieferung in die Oberpfalz

Juden, Muslime, Ausländer, Schwarze, Homosexuelle: Daran, wer zu seinem generellen Feindbild gehört, ließ Fabian D. alias Heydrich bei seinen rassistischen Postings im "Kameraden"-Kreis keinen Zweifel. Und daheim in der Oberpfalz, wie die späteren Ermittlungen gegen ihn ergaben, ließ er sich zur gleichen Zeit über die Adresse seines Großvaters illegal Schusswaffen und Waffenteile liefern, informierte sich über die Herstellung von Sprengstoff und den Bau von Bomben.

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"Ideologisch gefestigt und sehr gewaltaffin", sagt ein Experte

Buchautor Roland Sieber, der die rechtsextreme Szene seit langem im Blick hat, kennt auch die erst seit wenigen Jahren in Deutschland aktive "Feuerkrieg Division" und geht von 50 bis 70 Mitgliedern aus - "junge Neonazis, ideologisch gefestigt und sehr gewaltaffin". Dieses Bild vermitteln auch ihre Chat-Verläufe. Der Sender n-tv berichtet über diese Aktivitäten der Neonazi-Gruppe: "Unter anderem veröffentlichen sie im Chat auch das Live-Video von Stephan B., als er mordend durch Halle lief, und lobten die Hinrichtung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Sie verehren Robert Bowers, einen 46 Jahre alten Fernfahrer und Waffennarr, der am Morgen des 27. Oktober 2018 in eine Synagoge in Pittsburg stürmte und elf gläubige Juden erschoss. Und sie huldigen dem Attentäter, der im neuseeländischen Christchurch am 15. März 2019 in zwei Moscheen 51 Muslime erschoss und das Grauen live streamte."

Plante er einen Anschlag auf Synagoge oder Moschee?

Seine aktive Teilnahme an der Performance der "Feuerkrieg Division" im Internet dürfte für Fabian D. im anstehenden Prozess vor der Staatsschutzkammer des Nürnberger Landgerichts das geringere strafrechtliche Problem sein. Schwierigkeiten bereitet ihm eher ein Chat, der beim Amt für Verfassungsschutz Alarmstimmung auslöste, und zu seiner Festnahme sowie zur Anklage wegen "Vorbereitung einer staatsgefährdenden Tat" führte: Die Extremismus-Experten der Generalstaatsanwaltschaft in München gehen davon aus, dass der Rechtsextremist aus der Oberpfalz einen Anschlag auf eine Synagoge oder eine Moschee geplant hat. "Heydrich" selbst sprach im Chat von einem "Ort der Andacht" und davon, dass er als "Heiliger" in die Geschichte eingehen wolle. Wie gefährlich der junge Neonazi tatsächlich ist, wird auch die entscheidende Frage für die Richter sein.

Prozess beginnt am 19. November

Die Akteure aus der ultrarechten Szene, mit denen "Heydrich" auf der "Feuerkrieg Division"-Plattform zu tun hatte, haben Namen wie "Napola88", "Teuton" oder "Dekkit". Über "Heydrich"-Freund "Dekkit" hat der "Spiegel" herausgefunden, dass er sich 2019 in den USA aufgehalten und sich dort mit Mitgliedern der "Atomwaffen Division" getroffen haben soll. Angeblich soll ein Zusammenschluss beider Gruppierungen ein Thema gewesen sein.

Die Einschätzung, die Roland Sieber in diesem Zusammenhang abgibt, würde perfekt passen. "Beide", erklärt er, "berufen sich ideologisch auf den Nationalsozialismus. Mit Gewalttaten und Terroranschlägen wollen sie den Weg zum Zusammenbruch der demokratischen Länder und der internationalen Staatenordnung hin zum globalen apokalyptischen Rassenkrieg beschleunigen."

Die "Atomwaffen Division" trat vor fünf Jahre in Florida zum ersten Mal in Erscheinung und zählt inzwischen zu den gefährlichsten Neonazi-Gruppen. In Amerika wird sie für mindestens fünf Morde mit rassistischem Hintergrund verantwortlich gemacht.

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