Amphibienwanderung: Wie geht es Frosch und Kröte?

Freiwillige retten jedes Jahr Tausende Amphibien vor dem Tod auf der Straße. Viele Arten sind inzwischen gefährdet. Welche Erkenntnisse bringt die diesjährige Wanderung?
von  dpa
Wegen der Kälte sind die meisten Amphibien in diesem Jahr erst ab Ende März auf Wanderschaft gegangen.
Wegen der Kälte sind die meisten Amphibien in diesem Jahr erst ab Ende März auf Wanderschaft gegangen. © Pia Bayer/dpa

Die diesjährige Wanderung der Amphibien in Bayern neigt sich dem Ende zu. Wie jedes Jahr haben mehrere Tausend Freiwillige zahlreiche Frösche, Kröten, Unken und Molche auf dem Weg zu ihren Laichgewässern über die Straße getragen und somit vor dem Tod auf der Straße bewahrt. Dabei zählen sie auch die Tiere, die entlang der Schutzzäune in die Eimer fallen, um wichtige Erkenntnisse über die Bestandsentwicklung zu bekommen. Was man zu den Amphibien und ihrer Wanderung wissen sollte: 

Wann wandern die Amphibien?

Amphibien fangen nach Angaben von Andreas Lindeiner vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) bei durchgängigen Nachttemperaturen von mehr als fünf Grad an, auf Wanderschaft zu gehen. Auch die Niederschläge spielen eine Rolle: Amphibien mögen es feucht. Die ersten Tiere können laut dem Bund Naturschutz (BN) bei günstiger Witterung bereits Ende Februar unterwegs sein. 

In diesem Jahr sei es aber wegen der Kälte erst Ende März verstärkt losgegangen, sagte BN-Experte Andreas Zahn. "Die Arten, die an den Zäunen abgefangen werden, sind jetzt fertig. In höheren Lagen, etwa in den Alpen, kann es noch vereinzelnd zu Wanderungen kommen." Später laichende Arten könnten zum Teil noch bis in den Mai wandern. 

Wie geht es den Amphibien in Bayern?

Die Bestände sind nach Angaben des Landesamts für Umwelt in den letzten Jahrzehnten drastisch zurückgegangen. In Bayern gelten Amphibien demnach als überdurchschnittlich gefährdete Tiergruppe. Die Gründe dafür sind der Verlust von Feuchtgebieten, der Einsatz von Pestiziden sowie die Zerschneidung der Landschaft durch Siedlungen und Straßen. 

Von den 19 Amphibienarten gelten 11 laut der Roten Liste als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. "Wir verzeichnen Abnahmen bei fast allen Arten", sagte Zahn. "Durch die trockenen Frühjahre beobachten wir auch Einbrüche bei Arten, die vor kurzem noch häufig vorkamen." 

Besonders schlecht gehe es dem Grasfrosch, der einst weit verbreitet gewesen sei, sagte Zahn. Dieser steht nun auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Damit gilt er aktuell als nicht gefährdet, seine Bestände gehen aber spürbar zurück. Ähnlich sieht es beim Teichmolch aus. 

"Aufgrund der Klimaveränderungen geraten die Kleingewässer, in denen Amphibien bevorzugt laichen, immer stärker unter Druck und trocknen schon während des Frühjahrs aus. So fällt oftmals der gesamte Nachwuchs einer Population in dem betreffenden Jahr aus", erläuterte Lindeiner. 

Was hat die Zählaktion an den Zäunen ergeben?

Die Zahlen dazu liegen Zahn zufolge noch nicht vor. Sein Kollege Uwe Friedel von der BN-Ortsgruppe Altdorf bei Nürnberg hat allerdings deutlich weniger Tiere an den Wanderwegen als vergangenes Jahr festgestellt. Verantwortlich dafür könnte gewesen sein, dass es nur wenige Nächte mit guten Wanderbedingungen gegeben habe, sagte er. 

"Da insbesondere die Weibchen aber nicht jedes Jahr wandern, sondern schlechte Jahre durch gute Jahre ausgeglichen werden, muss das nicht zwangsläufig einen negativen Effekt auf den Bestand haben." Ähnliche Beobachtungen wie in Altdorf habe es auch in anderen Kreisgruppen gegeben, in anderen sei die Zahl der Amphibien dagegen in etwa gleich geblieben.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.