Am Tegernsee: Beschwerden wegen des Gänsekots auf Badewiesen
Fein säuberlich gemähtes Gras mögen Graugänse besonders gern. Umso wohler scheinen sie sich am Rottacher Schorn zu fühlen. Entlang des idyllischen Badeufers am Tegernsee sieht man zum Teil Dutzende der Wasservögel. Aber auch in Bad Wiessee am Freibad Abwinkl konnte man jüngst einige von ihnen nahe am Wasser sichten. In diesem Sommer gewiss kein Einzelfall. Denn die Graugänse haben sich im Vergleich zum Vorjahr sichtlich vermehrt.
Wie das Landratsamt Miesbach auf AZ-Anfrage mitteilt, gibt es "knapp 70 Graugänse, die sich im Bereich Bad Wiessee und Rottach-Egern an den Uferflächen aufhalten". 2025 waren es noch knapp 40 gezählte Graugänse. Brüten würden sie auf der Ringseeinsel.
Gegen die Wasservögel und ihre Nachkommen an sich scheint niemand etwas zu haben. Doch der Kot, den die Graugänse hier am Ufer des Tegernsees hinterlassen, stört manche Einheimische und Badegäste. "Ja, wir haben Beschwerden bekommen, auch über die Bürgermeister der beiden Gemeinden", so Sabine Kirchmair, Sprecherin des Landratsamts Miesbach. Sie merkt zugleich an, dass Badegäste die Graugänse "zum Teil füttern" würden – darum sei "natürlich klar, dass die sich da pudelwohl fühlen". Man habe die Leute deshalb schon mehrfach darauf hingewiesen, "auf keinen Fall die Gänse auch noch anzufüttern", so die Behördensprecherin.
Graugänse am Tegernsee: Population gewachsen
Aufklärung gehöre also ebenfalls dazu – um dem "Ansturm der Graugänse" zu begegnen, wie sie im Gespräch mit der AZ sagt. Man erwäge insgesamt verschiedene Schritte, so die Sprecherin. "Noch ist allerdings nichts entschieden." Über einzelne Maßnahmen werde noch diskutiert.
In einer Mitteilung des Landratsamts vom 13. Juli heißt es: Um "den weiteren Umgang mit der Grauganspopulation am Tegernsee abzustimmen", hätten sich der Landrat, die Bürgermeister der Gemeinden Rottach-Egern und Bad Wiessee sowie Vertreter der Unteren Jagdbehörde und der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Miesbach zu einem gemeinsamen fachlichen Austausch getroffen.
Sowohl "die aktuelle Bestandssituation als auch mögliche kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen" seien in dem Gespräch erörtert worden. "Einigkeit bestand darüber, dass es keine einzelne Maßnahme gibt, die dauerhaft zum Erfolg führt", heißt es weiter. Vielmehr sei "ein aufeinander abgestimmtes Management" erforderlich, das "die örtlichen Gegebenheiten ebenso berücksichtigt wie naturschutzfachliche und jagdliche Belange".
"Graugänse sind extrem schlau"
Welche Maßnahmen könnte das – in Kombination – zum Beispiel bedeuten? "Ein Abschuss kommt für uns grundsätzlich in Frage, aber Abschuss alleine hilft nicht", so Landratsamtssprecherin Sabine Kirchmair zur AZ. "Ein Abschuss erreicht nicht 20 Gänse, sondern bei Glück kann man da fünf bis sechs entnehmen", führt sie in ihrer Antwort aus.
"Graugänse sind extrem schlau und vererben diese Schlauheit auch", so die Sprecherin, daher helfe nur eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen. "Eine Gelegebehandlung hilft", sagt Kirchmair, es sei "aber nicht alles erfassbar". Ein Teil der Eier wird bei dieser Methode so manipuliert, dass diese nicht mehr ausgebrütet werden können.
Aber auch "Attrappen" wären eine denkbare Maßnahme oder Zäune, zählt Sabine Kirchmair unter anderem auf. "Das ist aber noch nicht geklärt", stellt sie klar. Zwar habe man auch über Vertreibungsmöglichkeiten nachgedacht, sagt sie auf Nachfrage der AZ, was man im Fachjargon als "Vergrämung" bezeichne – zum Beispiel, indem man Hütehunde einsetze. "Doch wie soll das in der Praxis funktionieren?", gibt Kirchmair zu bedenken. "Man kann nicht einfach so Hunde über die Badewiese laufen lassen." Zudem werde das eigentliche Problem der Vermehrung der Gänse dadurch nicht gelöst.
Welche Schritte sind geplant?
In der Mitteilung des Landratsamts vom 13. Juli kommt auch Landrat Jens Zangenfeind zu Wort. "Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Gemeinden tragfähige und langfristige Lösungen zu entwickeln", so Zangenfeind. Das Gespräch habe gezeigt, "dass wir dieses Thema nur im Schulterschluss erfolgreich angehen können".

In einem nächsten Schritt solle nun "ein gemeinsames Managementkonzept erarbeitet und mit allen Gemeinden im Tegernseer Tal abgestimmt" werden, teilt das Landratsamt zu der weiteren Vorgehensweise mit. "Parallel dazu werden kurzfristig umsetzbare Maßnahmen geprüft, um bereits in der laufenden Saison erste Verbesserungen zu erzielen, und die Gelegebehandlung für das kommende Jahr vorbereitet", so die Behörde.
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