Verpetzt und verpfiffen: Verschwörung gegen Club?

Der Fall Schäfer, gegen den der DFB ermittelt, macht FCN-Chefs wütend. „Wird das ein Stilmittel, dann gute Nacht“
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Auf Hertha BSC nicht mehr wirklich gut zu sprechen: FCN-Manager Martin Bader.
bayernpress Auf Hertha BSC nicht mehr wirklich gut zu sprechen: FCN-Manager Martin Bader.

Der Fall Schäfer, gegen den der DFB ermittelt, macht FCN-Chefs wütend. „Wird das ein Stilmittel, dann gute Nacht“

NÜRNBERG Im Abstiegskampf wird mit harten Bandagen gekämpft, aber ist dabei auch jedes Mittel recht?

Auf keinen Fall, sagt Club-Manager Martin Bader. Denn was Hertha BSC Berlin mit der Anzeige gegen FCN-Keeper Raphael Schäfer wegen dessen angeblicher Provokationen beim 2:1-Erfolg bezweckt, ist leicht zu durchschauen und ein Novum in der Bundesliga. „Einmalig, dass ein Verein jemanden derart anschwärzt. Wird dies das Stilmittel der Zukunft, dem anderen Verein möglichst großen Schaden zuzufügen, dann gute Nacht“, grollt Bader. Eine Sperre für Schäfer wäre für den Club der Super-GAU im Abstiegskampf.

"Es ist bedauerlich, was mit dem Club passiert"

Der FCN-Sportdirektor ist zwar optimistisch, dass Herthas plumpe Petz-Attacke beim DFB auf taube Ohren stößt: „Da wird nichts passieren!“ Sollte der Kontrollausschuss Schäfer aber sperren, könnten sich die FCN-Bosse langsam Gedanken machen, ob es in der Bundesliga mit rechten Dingen zugeht. So, wie der 1. FCN in dieser Saison benachteiligt wurde, drängt sich der Verdacht auf, dass der Club keine Lobby hat. Oder, wie die Fans schon länger vermuten, nicht gewollt ist.

Beispiel Schiedsrichter-Entscheidungen: Allein in der Hinrunde wurden dem FCN durch falsche Pfiffe, wie bei Peer Kluges nicht gegebenen Ausgleichtreffer beim 0:1 in Mainz, „sieben Punkte“ geklaut, wie Präsident Franz Schäfer vorrechnete. „Es ist bedauerlich, was mit dem Club passiert“, fand sogar Manfred Amerell, damals noch als Schiedsrichterbeobachter im Amt. Geholfen hat es nichts. Weiter ging’s in der Rückrunde in Gladbach, wo das Foul von Karim Matmour an Club-Keeper Raphael Schäfer vor dem 1:2 von Schiri Florian Meyer ungeahndet blieb. Allerdings hatte der Club beim 1:0-Sieg im Hinspiel gegen Gladbach, als Dennis Diekmeier Matmour ungestraft im Strafraum umgesenst hatte, auch profitiert. Ausgeglichen ist das Konto aber nicht.

"Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen"

Beispiel Raphael Schäfer. Der Fall ist ein einziges Ärgernis. „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“, poltert Hecking in Richtung Hertha, „wir können auch andere Seiten aufziehen, werden unseren Spieler auf jeden Fall schützen.“ FCN-Anwalt Christoph Schickhardt hat eine Stellungnahme abgegeben. Aber: Schäfer ist seit seinem Tritt gegen Zvjezdan Misimovic beim 3:2-Sieg in Wolfsburg und der darauf folgenden (überzogenen) Sperre von vier Spielen, die Verfahren gegen Jens Lehmann (Stuttgart) und Neven Subotic (Dortmund) wurden dagegen eingestellt, vorbelastet. Und wäre nicht der erste Fall: St. Paulis Deniz Naki musste wegen seiner Halsabschneider-Geste beim 2:0 gegen Rostock am 2. November 2009 drei Spiele brummen. Im Unterschied zu Schäfer schaltete sich der DFB da aufgrund der TV-Bilder, aber von alleine ein.

Genau das macht Bader so wütend. Für ihn wäre nachvollziehbar gewesen, hätte sein Berliner Kollege Michael Preetz in der Verhandlung Schäfers vermeintliche Provokationen als strafmildernde Umstände angeführt. Stattdessen haben die Berliner separat Anzeige gegen den FCN–Schlussmann gestellt, so den Kontrollausschuss gezwungen, zu ermitteln. Bader: „Abenteuerlich, wenn der Kontrollausschuss ermittelt, weil ein Verein petzt.“

"Das Thema werden die nicht aufmachen"

Ob der DFB ein Verfahren gegen Schäfer einleitet, soll noch vor dem Bremen-Spiel am Samstag entschieden werden. Obwohl die Hertha zurückgerudert ist. Preetz: „Wir haben Schäfer nicht angeschwärzt, ihn auch nicht angezeigt.“

Akuter Gedächtnisschwund? Denn DFB-Richter Hans E. Lorenz hatte in der Verhandlung gegen Hertha auf die Anzeige gegen Schäfer hingewiesen. „Und da hat von Berliner Seite niemand widersprochen“, wie DFB-Sprecher Michael Morsch sagt. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, wäre für Bader die Sportgerichtsbarkeit ad absurdum geführt. „Dann müssten sie ja jede Woche einen Fall Jens Lehmann verhandeln“, spielt Bader auf den streitbaren VfB-Oldie an. Und hofft: „Das Thema werden die nicht aufmachen.“ Krischan Kaufmann

Mehr über den Club und das Interview mit Werder-Stadionsprecher und TV-Moderator Arnd Zeigler lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer Abendzeitung am Freitag, 26. März.

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