Tradition ist Trumpf: Bader bastelt schon am Club 2020

Stille Reserven, Stadion ohne Tartanbahn, verlorene Jahre. „Wir wollen einfach ein geiler Verein sein“
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Manager-Vision: Keine Tartanbahn mehr im easyCredit-Stadion – was die Auslastung angeht, sieht Martin Bader eh kaum noch Spielraum nach oben.
Wolfgang Zink Manager-Vision: Keine Tartanbahn mehr im easyCredit-Stadion – was die Auslastung angeht, sieht Martin Bader eh kaum noch Spielraum nach oben.

Stille Reserven, Stadion ohne Tartanbahn, verlorene Jahre. „Wir wollen einfach ein geiler Verein sein“

KAPRUN Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - der Club ist an allen Fronten gefordert. Während Retorten-Vereine wie Hoffenheim oder die Werksteams Leverkusen und Wolfsburg mit Millionen scheinbar beliebig um sich werfen können, will der Club eine Nische besetzen, die es für Geld nicht zu kaufen gibt: „Unsere Tradition sichtbar machen“, sagt Martin Bader. „Natürlich steht über allem immer die aktuelle Platzierung.“ Was den 42-jährigen Sportdirektor (Vertrag bis 2012) nicht daran hindert, hinter den Kulissen schon emsig am Club 2020 zu basteln.

"Der Club - 100 Jahre Fußball“ ist die Pflichtlektüre für alle Neuzugänge

Die Vergangenheit: Neun Meistertitel und vier Pokalsiege - damit ist der einst „Ruhmreiche“ auch nach sieben Erstliga-Abstiegen der zweitbeste deutsche Verein aller Zeiten. „Das ist auch heute noch etwas ganz besonderes“, weiß Bader. Damit dies auch die Spieler begreifen, wird jedem Neuzugang die aktuellste Auflage des Buchs „Der Club - 100 Jahre Fußball“ bei der Vertragsunterschrift zur genauen Lektüre mitgegeben. Einzigartig ist, und darauf ist Bader stolz, dass der Club das einzige Stadion hat, in dem die Blöcke nach den Namen verdienter Spieler aus den letzten 110 Jahren benannt sind.

Die Gegenwart: 5,8 Millionen Euro Miese hat der Aufstieg 2009 gekostet, nach dem Klassenverbleib dürften sich die Schulden zum 30. Juni diesen Jahres Richtung zweistelligem Bereich bewegt haben. Schuldenabbau, daraus macht Bader kein Geheimnis, „ist ein Muss. Dennoch verfügen wir über die nötige Liquidität, haben zudem entsprechend ,Stille Reserven', die wir den Verbindlichkeiten gegenüber stellen können“.

Urawa Red Diamonds will Kaufoption bei Spiranovic ziehen

Es wäre ein leichtes, die Bilanz gen schwarzer Null zu schönen. „Hoffenheim hat eingesehen, dass endlich Ruhe angesagt ist“, sagt Bader über das (vorläufig) abgeebbte Buhlen der Emporkömmlinge aus dem Kraichgau um Rohdiamant Ilkay Gündogan. Zuletzt soll die Offerte bei unglaublichen sieben Millionen Euro für den 19-Jährigen gelegen haben. Bader: „Uns wurden andere, niedrigere Zahlen kommuniziert, die nach Abwägen aller Vor- und Nachteile bei uns keine Zustimmung fanden.“

Dagegen dürfen Isaac Boakye und Dario Vidosic ohne größere Hürden gehen, sollten sich Interessenten melden. Und Angelos Charisteas fahndet derzeit sowieso nach einem neuen Arbeitgeber, um seinen ohnehin nicht mehr so tollen Ruf nicht ganz den Bach runter gehen zu lassen. Am Jahresende könnte noch der eine oder andere Euro durch Matthew Spiranovic dazu gekommen. Vom ausgeliehenen Verteidiger sind sie bei den Urawa Red Diamonds (mit Trainer Volker Finke) hellauf begeistert, wollen die Kaufoption ziehen.

In der Infrastruktur ist der Club bereits „an natürliche Grenzen gestoßen“, weiß Bader. „28000 Dauerkarten, 42000 Zuschauer im Schnitt, komplett ausgelasteter VIP- und Business-Bereich“ - da ist kaum Luft nach oben.

Die Zukunft: Bei aller Euphorie. Illusorisch wäre die Annahme, der Club würde Saison für Saison ein, zwei Plätze in der Abschlusstabelle nach oben springen. Dauerhaft Erste Liga, mal einen Ausreißer nach weiter oben inklusive, damit wäre Bader schon „sehr zufrieden“. Im Regelfall sind die Top acht nicht anzugreifen, der Club spielt bestenfalls in einer eigenen Liga mit Hannover, Frankfurt, Köln und Gladbach. „Wir müssen sehen, wie wir den Verein in den nächsten zwei, fünf, zehn Jahren nach vorne bringen“, spricht Bader vom Club 2020.

"Durch den Abstieg 2008 haben wir 15 Millionen Euro verloren"

Das neue Funktionsgebäude, finanziert mit Hilfe der Fans und einer Anleihe, ist der erste Schritt. Die Zahl der Fanklubs (über 530) soll sich wie die der Mitglieder (9558) verdoppeln. Bei der Identifikation mit dem „neuen“ Club sollen auch ein neues Maskottchen helfen, der Kids-Club, spezielle Familien- und Rabattangebote, die herausragende Nachwuchsarbeit und eine „Vision“. „Wir werden kein neues Stadion bauen können. Auch nicht zusammen mit Greuther Fürth - das wollen wir schon gar nicht.“ Aber ein Umbau wie in Stuttgart oder Bremen, wo die Tartanbahn geplättet wurde, das wäre nach Baders Geschmack.

Sein Fazit: „Durch den Abstieg 2008 haben wir 15 Millionen Euro und zwei bis drei Jahre verloren.“ Die sind nicht aufzuholen. Aber: „Wir wollen einfach ein geiler Verein sein.“ Mit Perspektiven und einer Tradition - die zu vielem verpflichtet. Markus Löser

Mehr über das Club-Trainingslager in Kaprun und das Testspiel gegen Antalyaspor lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer Abendzeitung am Montag, 2. August.

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